Kaugummi verklebt den Magen

Klebt Kaugummi wirklich im Magen und braucht sieben Jahre, bis er den Körper wieder vollständig verlässt?


Es ist eine dieser lapidar dahingesagten Äußerungen mancher Eltern, wenn sie sich mal wieder der Ehrfurcht ihrer Zöglinge versichern möchten. Genauso wie die Warnung mit den eckigen Augen nach übermäßigem Fernsehgenuss, ist auch die Kaugummi Mahnung ein echter Klassiker unter den wohlgemeinten, elterlichen Ratschlägen. Aber was genau passiert mit dem Kaugummi im Magen?

Der lange Weg durch den Verdauungstrakt
Es kann Entwarnung gegeben werden. Ein einziger verschluckter Kaugummi stellt noch keine große Gefahr dar. Er geht denselben Weg wie andere Fremdkörper auch. Da der Magen die gummiartige Masse nicht verarbeiten kann, leitet er sie an den Darm weiter. So findet er nach einigen Tagen seinen natürlichen Weg ins Freie.

Die Stärke des modernen Kaugummis
Heute ist die potenzielle Gefahr eines Kaugummis sogar noch kleiner, da für seine Herstellung größtenteils Zucker, Zuckerersatzstoffe, Farbstoffe und Aromen verwendet werden. Lediglich 20 Prozent macht die eigentliche Kaumasse aus. Diese wird heute – anders als früher – wo der milchige Saft des Sapotillbaumes eingesetzt wurde, hauptsächlich aus synthetischen Harzen (Polymeren) hergestellt. Die weiche Konsistenz wird durch verschiedene Pflanzenöle und Glycerin erreicht. Moderne Kaugummis weisen gegenüber den aus ausschließlich natürlichen Inhaltstoffen hergestellten Produkten erhebliche Vorteile auf. Das künstliche Kaugummi klebt deutlich weniger, somit kommen auch Plomben- oder Zahnersatzträger in den Genuss eines fruchtigen Kaugummis. Ein Argument für die Schädlichkeit des Kaugummis könnten Ernährungswissenschaftler dennoch anführen: Die zähe Süßigkeit besteht vor allem aus künstlichen Zusatzstoffen, deren Wirkung auf den menschlichen Organismus noch wenig erforscht ist.

Einatmen versus Verschlucken
Während das Verschlucken eines einzelnen Kaugummis völlig ungefährlich ist, stellt das Einatmen ein unweit höheres Risiko dar. Wenn der Kaugummi aufgrund eines Schrecks oder eines schnellen Luftholens unbeabsichtigt eingeatmet (aspiriert) wird, kann er den Kehlkopf oder die Luftröhre blockieren. Folglich ist die Luftzufuhr erheblich eingeschränkt, man spricht auch von einer Verlegung der oberen Luftwege. Im Idealfall wird der Fremdkörper einfach wieder ausgehustet, bei ungünstigen Verläufen kann er in tiefere Regionen des Atemtrakts abrutschen, wo er nur chirurgisch entfernt werden kann. Aufgrund der hohen Gesundheitsgefahr sollte deshalb bei jeder körperlichen Betätigung auf das Kaugummi verzichtet werden.

Kaugummiliebhaber aufgepasst
Aus den USA sind Fälle bekannt, in denen Kinder nach dem Verschlucken großer Mengen Kaugummi mit lebensbedrohlichen Darmverschlüssen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Wenn die Darmbewegung (Peristaltik) durch die Blockade zum Erliegen gekommen ist, können Keime oder Teile des Darminhalts die Darmwand passieren und schwere Infektionen in der Bauchhöhle verursachen. Die Ursache des Darmverschlusses war in den genannten Fällen ein zähflüssiger Gummipfropfen, der sich in den Schlingen des Dickdarms festgesetzt hat und dort zu einem Engpass geführt hat. Ähnlich gefährlich sind übrigens Haare, die oft unbewusst, von vielen Menschen aber auch absichtlich, verschluckt werden. Auch diese verbinden sich zu einem großen festen Knäuel, das den Darm verstopft.