Kinder und das Teilen lernen

Das gerechte Teilen von Besitz ist eine wichtige soziale Fähigkeit. Für Kinder ist es aber je nach Alter eine noch äußerst problematische Sache. Teilen lernen, ist mitunter sehr schwer.


Schon in der Schule kann man es feststellen. Kinder, die bereit sind irgendwelche Dinge mit anderen zu teilen, ob Spielzeug oder Süßigkeiten, sind beliebter und werden als sympathischer empfunden. Auch ist es eine für Menschen sehr typische Eigenschaft, die als angeboren gilt und in der Wissenschaft als altruistisches Handeln bezeichnet wird. Dies bedeutet nichts anderes als selbstloses Handeln. Also ein Akt „zum Wohle der Gemeinschaft“, der mit keinem persönlichen Vorteil, sondern eher noch einem persönlichen Nachteil verbunden ist.

Kleinkinder können nicht teilen
Einige Studien haben einen interessanten Umstand herausgefunden, der erklärt, warum Situationen unter Kleinkindern, in denen etwas geteilt werden müsste, immer in Streit enden. Die Antwort ist denkbar einfach und sehr logisch: Sie sind in ihrer Persönlichkeitsentwicklung einfach noch nicht weit genug. Es heißt unter Forschern, dass Kinder frühstens mit drei bis vier Jahren in ihrer Entwicklung überhaupt erst soweit sind zu teilen und zu begreifen, was Teilen überhaupt ist. Dies liegt darin, dass in den ersten beiden Lebensjahren Kinder zunächst ihr „Ich“ entdecken und kein „Du“ Platz in ihrer Wahrnehmung hat. Wenn sie älter sind, ist immer noch das Entdecken der Welt das wichtigste überhaupt und dies geschieht nun einmal durch Anfassen und Festhalten. Da ist es doch verständlich, dass ein neu entdeckter Gegenstand nicht wieder weggegeben werden will! Da kann man auch kein Verständnis erwarten, wenn man das Argument anbringt, dass das andere Kind doch auch einmal spielen möchte.

Die Fähigkeit entwickelt sich von allein
Ab drei oder vier Jahren können viele Kinder nur die Dinge mit anderen teilen, an denen sie momentan kein vorrangiges Interesse haben. Erst im Grundschulalter, also etwa mit acht Jahren, entwickeln Kinder von ganz allein diese grundsätzliche Fähigkeit. Lediglich die Ausprägung hängt von ihren sonstigen Erfahrungen im sozialen Umfeld zusammen. So konnte man feststellen, dass Einzelkinder schneller bereit waren zu teilen, als Kinder mit Geschwistern. Daher ist es bei Geschwistern wichtig darauf zu achten, dass kein Gefühl zu kurz zu kommen entsteht. Dann wird das Kind auch keine Probleme haben, Dinge zu teilen.

Teilen lernen: Eltern müssen vermitteln
Eltern müssen versuchen verständnisvoller und trickreicher damit umgehen, dass der Sprössling (noch) nicht teilen lernen will. Erklärungsversuche nutzen meist wenig. Stattdessen sollte das Prinzip des Abwechselns versucht werden: „Zehn Minuten spielt Lisa mit der Puppe und dann du!“ Man sollte versuchen die Interessen der streitenden Kinder deutlich herauszustellen und sie in die Lösungsfindung einbeziehen. Bei einem Streit um Schokolade zum Beispiel kann man zwei Lösungen anbieten: die Schokolade wird geteilt, oder einer bekommt die Schokolade und der zweite eine andere Süßigkeit. Kompromisse, welche die Kinder selbst mit entwickeln, werden viel eher angenommen, als solche von Erwachsenen, da diese oft als parteiisch angesehen werden.