Kindergeldanspruch rückwirkend beantragen - geht das?

Wenn Sie die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen, können Sie mithilfe eines einfachen Antrags Ihren Kindergeldanspruch rückwirkend geltend machen.


Kindergeld wird nach den gesetzlichen Vorschriften des deutschen Steuerrechts als Vergütung festgesetzt und in der Regel ab dem Zeitpunkt der Antragsstellung gezahlt. Allerdings ist es auch möglich, Kindergeldanspruch rückwirkend zu beantragen.

Voraussetzungen für den Anspruch auf Kindergeld

  • Bevor Sie Ihren Kindergeldanspruch rückwirkend beantragen können, sollten Sie prüfen, ob ein Anspruch besteht. Für alle Kinder besteht bis zum Beginn des 19. Lebensjahres ein Anspruch auf Kindergeld. Für Kinder, die sich in einem Ausbildungsverhältnis befinden, wird Kindergeld bis zum Beginn des 26. Lebensjahres gezahlt. Das Gleiche gilt für Kinder, die einen Ausbildungsplatz suchen.
  • Für ein Kind ohne Arbeitsplatz besteht der Anspruch nur bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres. Während der Ableistung von Wehr- oder Zivildienst besteht keine Möglichkeit des Bezuges. Für Kinder mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten besteht ein Kindergeldanspruch über das 25. Lebensjahr hinaus, sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn das Kind aufgrund der Erkrankung seinen Lebensunterhalt nicht gänzlich selbst bestreiten kann.
  • Für verheiratete Kinder besteht nur in Sonderfällen ein Anspruch auf Kindergeld. Der Aufenthalt von mindestens einem Elternteil in Deutschland ist Voraussetzung für einen Kindergeldanspruch.
  • Eltern von erwachsenen Kindern können ihren Kindergeldanspruch an das Kind abtreten. Die Zahlungen erfolgen dann direkt an das Kind und die Eltern sind von etwaigen Meldepflichten entbunden und können bei Rückforderungen seitens der Familienkasse nicht belangt werden.

Die korrekte Vorgehensweise zur rückwirkenden Beantragung von Kindergeld

  • Um Ihren Kindergeldanspruch rückwirkend geltend zu machen, müssen Sie einen schriftlichen Antrag stellen. Die notwendigen Formulare können Sie von der zuständigen Behörde (die örtliche Kindergeldkasse) anfordern. Alternativ finden Sie die benötigten Vordrucke auch im Internet. Ein Antrag durch eine bevollmächtigte dritte Person ist ebenfalls möglich. Um Ihren Kindergeldanspruch rückwirkend geltend zu machen, können Sie einen Steuerberater beauftragen.
  • Sie sollten das Antragsformular vor dem Ausfüllen sorgfältig durchlesen, um Fehler zu vermeiden. Achten Sie auch darauf, welche Anlagen beizufügen sind. Unterschreiben Sie alle Vordrucke, da ohne eine korrekte Signatur keine Bearbeitung erfolgen kann. Jegliche Änderungen ihrer Verhältnisse und der Verhältnisse Ihres Kindes sind der Familienkasse auch nach Antragsstellung zeitnah mitzuteilen. Dazu zählen unter anderem berufliche und finanzielle Änderungen sowie Änderungen der Wohnsituation.
  • Nachdem Sie alle erforderlichen Anlagen bereitgelegt und den Vordruck vollständig ausgefüllt haben, können Sie Ihre Unterlagen an die zuständige Familienkasse senden.
  • Sie können Ihren Kindergeldanspruch rückwirkend ausschließlich für die letzten vier Jahre und für das laufende Kalenderjahr geltend machen. Eventuelle Ansprüche, die weiter zurückliegen, sind verjährt. Beachten Sie, dass im Falle einer Scheidung grundsätzlich nur ein Elternteil Kindergeldanspruch rückwirkend geltend machen kann.