Körperschmuck - Verschönerung oder Verstümmelung?

Es ist zum Trend geworden, sich seinen Körper durch Tätowierungen oder Piercings verschönern zu lassen. Der Körperschmuck kann entweder zeitweilig oder für immer vorhanden sein.


Seit Tausenden von Jahren nehmen Menschen sich viel Zeit und manchmal auch Schmerzen in Kauf, um die Vorzüge des eigenen Körpers hervorzuheben. Frauen betonen ihre Augen mit Wimperntusche und Kajalstift, Männer legen ein Rasierwasser auf, nachdem sie ihre Krawatte gebunden haben. Frauen aber auch Männer lassen ihr Ohren durchstechen, um sie mit Schmuck zu verzieren. All diese Maßnahmen sind kurzweilig.
Abends verwandeln sich die Menschen wieder in ihr ursprüngliches Ich. Hohe Schuhe werden ausgezogen, Ohrringe abgelegt und Make-up entfernt. Man schlüpft in einen bequemen Schlafanzug und ist wieder ganz man selbst.

Accessoire Körperschmuck
Jeder Mensch ist in der Lage, seinen Körper mit temporären Veränderungen an aktuelle Schönheitsideale anzupassen. Schmuck wird nicht selten nach geltenden Trends ausgewählt, Kleidung soll die figürlichen Stärken hervorheben und etwaige Schwächen kaschieren. Jeder möchte der Schönste sein, und um dieses Ziel zu erreichen, ist jedes Mittel recht. Manche Menschen gehen einen Schritt weiter, in dem Bestreben ihren Körper zu verschönern. Der Rücken, der Bauch oder der Oberarm wird so zur Plattform von Stimmungen, Gefühlen und Lebensweisheiten. Die Seele wird nach außen getragen und wie auf einer Leinwand kann jeder Zuschauer erkennen, worum es dem Träger geht. Selbstverwirklichung oder Abgrenzung sind nur zwei der zahlreichen Motive für die Körperkunst.

Temporär oder für immer?
Körperschmuck findet sich in verschiedenen Ausprägungen. Er ist aber immer mit einer zeitweiligen oder gar dauerhaften Veränderung des Körpers verbunden. Die Schönheitsindustrie bietet ihren Anhängern viele Möglichkeiten zur temporären oder gar immer währenden Verschönerung. Eine der beliebtesten Methoden ist das Piercing, bei dem verschiedene Körperstellen durchstochen und anschließend mit Schmuck verziert werden. Aber auch Tätowierungen zählen mittlerweile zu den gesellschaftlich akzeptierten Methoden, seine Haut schöner zu gestalten. Dabei bewerten Kulturen diese gestalterischen Maßnahmen ganz unterschiedlich. Während eine Tätowierung in vielen Stammesgesellschaften Kennzeichen für Ansehen ist, wird eine derart geschmückte Person hierzulande doch noch häufig mit zwielichtigen Milieus in Verbindung gebracht und ist Vorurteilen ausgesetzt.

Rebellion und Gruppenzwang
Drastischere Methoden, den Körper dauerhaft zu verändern, finden in bestimmten Gruppen Anwendung. So genannte „Body Modifier“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem geltenden Schönheitsideal zu widersprechen. Sie lassen sich Zungen spalten, künstliche Haare implantieren, um Tieren oder irrealen Figuren zu ähneln. Derlei Körperwahn ist nicht unumstritten und führt ganz selbstverständlich zu Diskussionen und Gefühlsausbrüchen.  Aber auch weniger schmerzvolle Veränderungen des Körpers sind als Möglichkeit zu Abgrenzung gegenüber dem „Normalen“ und als Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen denkbar. Besonders Jugendliche scheinen in ihrer Körperlichkeit einen Weg zu sehen, zu rebellieren und ihr Anderssein zu demonstrieren.