Bislang bestehen in der Medizin mehrere, sich teilweise widersprechende Theorien über die Kopfschmerzen Ursachen. Im Halbdunkeln liegt derzeit, ob einige Menschen mit einer spezifischen Veranlagung geboren werden, die zwar nicht zwangsläufig zu Kopfschmerzen führen muss, jedoch für Kopfschmerzen empfänglicher macht. Eine der wahrscheinlichsten Theorien geht davon aus, dass Kopfschmerzpatienten von Geburt an mit einer erhöhten Reaktionsbereitschaft auf Reizänderungen (ausgelöst durch innere Reize, wie beispielsweise Hormone, Hunger oder unregelmäßigem Schlaf- und Wachrhythmus sowie durch äußere Reize, wie zum Beispiel Lärm, Licht oder Alkohol) ausgestattet sind. Darüber hinaus wird angenommen, dass bei einem Großteil der Kopfschmerzpatienten die körpereigenen Schmerzfilter versagen, weil ein Mangel des benötigten Botenstoffs Serotonin besteht. Als Ursache für den Clusterkopfschmerz ziehen Experten eine Entzündung der venösen Blutgefäße in Erwägung. Beweisen lassen sich derartige Annahmen über die Ursachen von Kopfschmerzen gegenwärtig leider nur punktuell, weshalb Mediziner größeres Augenmerk auf die Symptome als auf vermeintliche Ursachen der Schmerzen legen. Bei der Frage nach der Vererbung der Kopfschmerzanfälligkeit tappen Wissenschaftler noch mehr im Dunklen als bei der Findung von Kopfschmerzen Ursachen.
„Meine Mutter hatte auch immer Kopfschmerzen“ – Welche Rolle die Vererbung spielt
Hinsichtlich der drei am häufigsten auftretenden Kopfschmerztypen “Kopfschmerz vom Spannungstyp“, “Migräne“ und “Clusterkopfschmerz“ vermuten Experten am ehesten für Migräne einen Vererbungsfaktor. Einfache Erklärungen oder gar Schuldzuweisungen, wie etwa „das Leiden habe ich von meiner Mutter geerbt“ oder „das liegt bei mir in der Familie“, lassen sich aus den vorhandenen Forschungsergebnissen jedoch nicht ableiten.
Weil tatsächlich eine familiäre Häufung von Migräne beobachtet wurde, wird nicht ausgeschlossen, dass Migräne polygenetisch vererbt wird, das heißt, mehrere Geninformationen müssen gleichzeitig gegeben sein, damit es zu einer geerbten erhöhten Migräneanfälligkeit bei Menschen kommt. Beobachtet wurde aber eine überdurchschnittliche Migräneneigung nicht nur bei den Kindern von Migränepatienten, sondern außerdem bei Ehepartnern. Dieser Umstand lässt Wissenschaftler zweifeln, ob eine erhöhte Migräneanfälligkeit nicht viel eher durch erlernte beziehungsweise übernommene psychosoziale Muster und Verhaltensweisen unbewusst angeeignet wird.