Krebsdiagnose ist ein Todesurteil

Eine Krebsdiagnose ist nicht gleich ein Todesurteil. In vielen Fällen ist Krebs heutzutage heilbar.


Etwa 420.000 Deutsche erhalten jährlich die Diagnose „Krebs“. Nach dieser Mitteilung ist nichts mehr wie zuvor. Das vorherrschende Gefühl vieler Betroffenen ist Angst. Todesangst. Denn nach wie vor glauben viele Patienten, dass ihr Leben nur noch am seidenen Faden hängt, dass der eigene Tod unmittelbar bevorsteht. Doch in den heutigen Zeiten ist eine Krebsdiagnose längst kein Todesurteil mehr. Dank bedeutender Fortschritte in Prävention, Diagnose und Therapie kann Krebs heute viel besser behandelt werden als noch vor einigen Jahren. Die Zusammenarbeit von Ärzten, Chirurgen, Onkologen und Strahlentherapeuten gestaltet sich zunehmend enger und bildet somit das Fundament einer erfolgreichen Krebsbehandlung. In ganz Deutschland wurden unzählige Krebszentren ausgebaut, die interdisziplinär arbeiten, um eine optimale Versorgung des Patienten zu gewährleisten.

Statistische Veränderung der Krebssterblichkeit
Die statistische Krebssterblichkeit hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Die Anzahl der Neuerkrankungen ist zwar gestiegen, dieser Anstieg muss aber im Zusammenhang mit der erhöhten Lebenserwartung betrachtet werden. So kann man eine Zunahme der Krebserkrankungen im Alter beobachten, die aber nicht unabhängig von der Lebenserwartung betrachtet werden darf. Die Statistik enthüllt, dass die Sterbequote rückläufig ist. Allgemein muss festgehalten werden, dass im Verhältnis zu den Krebserkrankungen immer mehr Menschen überleben. Die Anzahl der Frauen, die an Krebs stirbt, ist seit den 50er Jahren stetig im Abfall begriffen. Doch nicht bei allen Krebsarten kann diese Entwicklung beobachtet werden. Bei bestimmten Arten von Lungenkrebs ist die Sterblichkeit unaufhörlich angestiegen. Eine Ursache liegt in dem Wunsch vieler Frauen, eine als ideal empfundene Körperform zu bewahren, aus diesem Grund greifen sie verstärkt zur Zigarette. Bei Männern verhält es sich genau umgekehrt. Bei ihnen stieg die Sterblichkeit seit Mitte der 50er Jahre bis in die 70er Jahre hinein kontinuierlich an. Erst zu Beginn der 90er Jahre konnte dieser Trend gestoppt werden, seitdem ist auch bei ihnen die Zahl der Toten rückläufig,

Statistiken nicht aussagekräftig
Statistiken jeglicher Art können immer nur eine Repräsentation vergangener Verhältnisse darstellen. Sie geben eine grobe Orientierung, aber eine Krebserkrankung ist immer ein individuelles Schicksal, die auch als solches behandelt werden muss. Während eine allgemeine Statistik sich immer auf eine undefinierte große Gruppe von Betroffenen bezieht und über diese universelle Schlüsse zieht, ist eine genaue Vorhersage bei einem einzelnen Patienten niemals möglich. Vor und während der Behandlung lässt sich, nicht einmal von den Ärzten selbst, eine Prognose über die genaue Entwicklung der Erkrankung geben. Sogar eine Verkettung unglücklicher Umstände und eine Anhäufung mehrerer ungünstiger Faktoren bedeutet nicht automatisch, dass der Krebs tödlich endet.

Die 5-Jahres-Chance
Ärzte sprechen – anders als die große Allgemeinheit – nicht von einem Todesurteil, sondern von der sogenannten 5-Jahres-Überlebensrate. Die ist für die meisten Krebsarten durchaus positiv. So sind die Heilungschancen bei einer Leukämie, die im Kindesalter auftritt und auch bei Hodenkrebs sehr groß. Bei anderen Krebsformen ist die Prognose nicht immer so günstig, denn diese verlaufen fast symptomlos und können daher erst zu einem sehr späten Zeitpunkt überhaupt erkannt werden. Zwei dieser in den meisten Fällen tödlich verlaufenden Krebsarten sind der Bauchspeichelkrebs und bestimmte Formen des Lungenkrebses. Aber selbst bei einer für den Patienten vorteilhaften Krebsart können keine präzisen Voraussagen über den weiteren Verlauf getroffen werden, da eine erfolgreiche Heilung auch immer von den individuellen Umständen, beispielsweise dem Zeitpunkt der Diagnose, abhängt.

Moderne Verfahren der Krebsprävention
Obwohl die genauen Ursachen, welche die Entstehung bösartigen Gewebes begünstigt, noch nicht bekannt sind, sind sich Mediziner einig, dass jeder einzelne zu einem gewissen Teil einer Krebserkrankung vorbeugen kann. Neben einer ausgewogenen Ernährung, dem Verzicht auf Nikotin und geringem Alkoholkonsum sind auch Früherkennungsmaßnahmen ein essenzieller Bestandteil der eigenen Gesundheitsvorsorge. Denn diese erhöhen die Chance, dass eine Diagnose rechtzeitig gestellt wird und eine geeignete Therapie frühstmöglich begonnen werden kann. Das wohl bekannteste dieser präventiven Verfahren ist die Mammografie, die bösartige Brusttumore aufdecken soll. Obwohl das Verfahren nicht unumstritten ist, bietet es doch die Möglichkeit, das persönliche Krebsrisiko zu senken. Frauen sollten ebenfalls frühzeitig mit der Selbstuntersuchung der Brust beginnen, um bereits kleinere Veränderungen erkennen zu können.

Prävention ernst nehmen
Die Gesetzlichen Krankenkassen bezahlen viele der sinnvollen Präventivmaßnahmen. Dennoch nutzen viel zu wenig Deutsche diese Verfahren. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Darmkrebs. Experten schätzen, dass jeder zweite Fall von Dickdarmkrebs vermieden werden könnte, wenn mehr Menschen bereit wären, regelmäßige Vorsorgetermine wahrzunehmen. Auch Impfungen stellen eine wirksame Maßnahme der eigenen Krebsvorsorge dar. Besonders denjenigen Arten, die nachweislich von Viren verursacht werden, kann somit wirkungsvoll entgegen gewirkt werden. Seit einiger Zeit können sich junge Mädchen gegen die Erreger des Gebärmutterhalskrebses immunisieren lassen, auch eine Impfung gegen die Erreger der Leberentzündung, die einen Leberkrebs verursachen kann, ist mittlerweile möglich.

All diese Vorsorgemaßnahmen sind ein Zeichen, für die Entwicklung, die die Krebsforschung in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen hat. Besonders Menschen, die eine bekannte genetische Vorbelastung und erhöhte Risikofaktoren aufweisen, sollten die modernen Möglichkeiten der Früherkennung unbedingt wahrnehmen.

Individuelle Krebstherapie
Neben den diversen Vorsorgemaßnahmen hat auch der medizinische Fortschritt auf dem Gebiet der Krebstherapie einen entscheidenden Schritt nach vorn gemacht. Der Trend geht zunehmend hin zu einer individuellen Therapieform, die dem einzelnen Befund des Patienten angepasst ist. Dank neuer Bild gebender Verfahren ist es möglich, die unmittelbare Reaktion eines Tumors auf ein spezielles Medikament zu erkennen. Sollte die verordnete Therapie nicht anschlagen, kann sofort auf ein anderes Medikament oder eine alternative Behandlungsmaßnahme umgestellt werden. Einen Sonderfall stellt die Behandlung des Prostatakarzinoms dar. Viele Ärzte raten den Erkrankten erst einmal „abzuwarten“, da der Tumor in der Regel nur sehr langsam wächst. In der Anfangszeit genügt es meist, den bösartig veränderten Zellhaufen unter Beobachtung zu stellen.

Die Macht des Willens
Eine Krebsdiagnose ist heute sicherlich kein Todesurteil mehr. Es besteht selbst bei schlechter Prognose immer Hoffnung auf endgültige Heilung. Neben der körperlichen Regeneration darf auch die seelische Gesundheit nicht vernachlässigt werden. Eine positive Einstellung kann eine Therapie sinnvoll unterstützen, eine Garantie auf Heilung ist sie aber nicht. Die sogenannte Psychoonkologie betreut den Patienten während des gesamten Verlaufs der Erkrankung. Eine solche Therapie umfasst die psychischen, sozialen und ethischen Aspekte, die mit einer Krebserkrankung einhergehen. Auch der Umgang Patient-Arzt sollte neu überdacht werden, da viele Mediziner bei der „Enthüllung“ der Diagnose schwere Fehler begehen. Oft schätzen sie die dem Patienten noch zur Verfügung stehende Lebenszeit grob ab und teilen diese dann dem Erkrankten mit. Ein schwer wiegender Fehler, wie viele Krebsspezialisten meinen. Denn mit dieser Lebensspanne werden gleichzeitig bestimmte Erwartungshaltungen verknüpft. Und sie sind in den wenigsten Fällen positiv. Dabei sind viele Fälle bekannt, in denen Menschen, denen nur noch wenige Monate gegeben wurde noch Jahre nach der Diagnose überlebt haben. Auch Fälle von sogenannten Spontanheilungen geben vielen Patienten Hoffnung.

Krebsdiagnose ist kein Todesurteil
Dank immer neuer medizinischer Weiterentwicklungen, Medikamente, Therapien, Impfstoffe und Früherkennungsmaßnahmen bedeutet heute selbst eine schlechte Prognose noch nicht, dass keine Chance auf Heilung besteht. Die Krebsforschung geht immer neue Wege in der Erprobung neuer Verfahren und individuell angepassten Behandlungen. Aber nicht nur die Bekämpfung dieser tückischen Krankheit ist das erklärte Ziel. Auch die Informationen über die genauen Ursachen wachsen ständig. So ist beispielsweise bekannt, dass eine gesunde und vollwertige Ernährung die sogenannten freien Radikale – die für die Zerstörung gesunder Zellen und des Erbguts verantwortlich sind – unschädlich machen kann. In Kombination mit einer umfassenden Krebsvorsorge hat jeder Mensch die Gelegenheit, seine persönlichen Risikofaktoren zu senken.