Leben mit Rheuma

Das Leben mit Rheuma ist anders als das alte Leben vor der Diagnose. Besonders die zwischenmenschlichen Beziehungen werden sich verändern.


Die Diagnose Rheuma verändert das gesamte Leben. Betroffene müssen sich nicht nur mit dem Gedanken anfreunden, dass sich der Körper verändern wird, zudem müssen Sie bisher gefasste Lebensentwürfe aufgeben und viele Veränderungen im Alltag vornehmen. Denn das Leben mit Rheuma hat Einfluss auf alle Bereiche. Selbst die tägliche Nahrungsaufnahme muss an die Krankheit angepasst werden, um Entzündungsreaktionen zu hemmen und so ein Fortschreiten des Rheumas zu verhindern. Selbst in der Wohnung oder am Arbeitsplatz müssen Betroffene sich auf die neue Situation einstellen, indem sie beispielsweise für gelenkschonende Bedingungen, etwa einen ergonomisch angepassten Arbeitsplatz, sorgen.
Auch auf menschliche Beziehungen wird eine Rheuma-Erkrankung Auswirkungen haben, und nicht alle Partnerschaften und Freundschaften überstehen eine solche psychische Belastung.

Partnerschaft, Familie und Freunde
Am deutlichsten wird sich die Krankheit sicherlich in den zwischenmenschlichen Beziehungen zum Partner, Freunden und Familienangehörige zeigen. Chronische Schmerzen, körperliche Behinderungen und lebensverändernde Einschnitte bestimmen fortan den Alltag des Betroffenen. Nicht alle Beziehungen können solche Belastungen aushalten und gehen auseinander. Freunde werden weniger, soziale Kontakte eingeschränkt und die Paarbeziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Vor den Erkrankten und deren Umfeld liegt nun ein langer Weg, auf dem Kommunikation, Verständnis und Harmonie (wieder) erlernt werden müssen.
Beide Seiten sollten sich um eine harmonische Atmosphäre bemühen, in der jederzeit ein offenes Ohr herrscht und Verständnis vorhanden ist. Setzen Sie sich zusammen und reden Sie über Ihre Sorgen, Ängste und Wünsche.

Lernen, Hilfe anzunehmen
Vor allem Rheumatiker selbst müssen an sich arbeiten. Sie müssen lernen, um Hilfe zu bitten, denn nicht jede Verrichtung wird noch genauso leicht von der Hand gehen, wie vor der Erkrankung. Aber auch das kleine Wörtchen „nein“ muss fortan zum Vokabular gehören, nur so lässt sich langfristig vermeiden, dass Betroffene Minderwertigkeitsgefühle und Gedanken der Hilflosigkeit entwickeln. Rheumatiker sollten mit ihrem Umfeld sprechen und ihm verdeutlichen, dass und welche Aufgaben sie allein bewältigen möchten. Strukturieren Sie Ihren Alltag neu, verteilen Sie schwierige Aufgaben an Angehörige und entscheiden Sie selbst, welche Tätigkeiten Sie noch allein bewältigen können. Wichtigstes Ziel muss jedoch sein, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit in vielen Lebensbereichen zu bewahren. Die Angehörigen andererseits müssen genau den Mittelweg zwischen Hilfestellung und passiver Unterstützung finden, um den Betroffenen nicht zu bevormunden. Versuchen Sie den Betroffenen nicht zu bemitleiden, sondern ihm mit viel Verständnis zu begegnen.

Kommunikation sehr wichtig
Kommunikation spielt eine essenzielle Rolle im täglichen Miteinander. Nur, wenn über alle Sorgen, Ängste und Wünsche offen gesprochen wird, ist die Basis für eine erfolgreiche zwischenmenschliche Beziehung gelegt. Sprachlosigkeit kann schnell zu unbewussten Aggressionen, Wut und Enttäuschung führen. Erkrankte müssen lernen, ihre Sorgen zu teilen, anstatt sie unausgesprochen hinunterzuschlucken. Auch Probleme sollten frühzeitig angesprochen werden. Wenn dies nicht gelingt, kann unter Umständen eine Paar- oder Familientherapie helfen, eingefahrene Verhaltensmuster zu erkennen und zu ändern. Schwierigkeiten in der Sexualität können in einer solchen Therapie ebenfalls zur Sprache kommen. Wenn sich ein Partner Nähe und Intimität wünscht, der Erkrankte aber nicht in der Lage ist, diese Bedürfnisse – aufgrund von Schmerzen, Erschöpfung oder einer zu großen physischen Belastung – zu erfüllen, entsteht unbewusst vielleicht Groll und Enttäuschung. Doch eine so schwerwiegende Erkrankung wie Rheuma ist auch eine Chance – viele Betroffene berichten, dass ihre Partnerschaft intensiver geworden sei.

Leben mit Rheuma lernen
Rheumatiker sollten stets darauf achten, dass sie ihr Leben nicht zu stark einschränken, denn eine soziale Isolation führt nicht selten zu tiefer Traurigkeit und Depressionen. Aus Angst davor, bei Freunden eine Sonderrolle einzunehmen und in der Öffentlichkeit zur Zielscheibe von Spötteleien zu werden, ziehen sich manche Betroffene immer weiter in sich selbst zurück. Obwohl es anfangs vielleicht schwerfällt, sollten Rheumatiker versuchen, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.