Lobotomie - was ist das?

Lobotomie ist ein neurochirugisches Verfahren, welches 1927 von Egon Moniz entwickelt wurde und welches seit den 70er Jahren in Deutschland verboten ist.


Unter Lobotomie (auch Leukotomie) versteht man eine neurochirurgische Operation, die ursprünglich zur Behandlung von starken Psychosen und Depressionen eingesetzt wurde. Bei ihrer Durchführung werden die Nervenbahnen zwischen Thalamus und Frontallappen sowie Teile der grauen Substanz durchtrennt.
Da sie eine starke Persönlichkeitsveränderung zur Folge haben kann, wird sie heutzutage kaum noch angewandt. Stattdessen werden psychische Nervenerkrankungen vorwiegend mit Psychopharmaka behandelt.

Die Geschichte der Lobotomie
Der portugiesische Neurologe Egon Moniz führte die Lobotomie im Jahr 1927 ein. Dennoch wurde sie von ihm und dem Neurochirurg Almeida Lima erst im Jahr 1935 das erste Mal angewandt. Sie führten die Behandlung bei zwanzig Patienten durch, die als hoffnungslose Fälle galten, da psychotherapeutische Verfahren keine Besserungen zeigten. Sie trennten ihren Patienten einen Teil des Stirnlappens durch, wonach bei fast allen eine vollkommene Genesung stattgefunden hat. Jedoch sind diese Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen, da vor allen Dingen Egon Moniz sehr auf seinen Ruhm bedacht war und die Ergebnisse deshalb unter Umständen verfälscht hat. Dies ist anzunehmen, da sie für ihre Beobachtungen keine stichhaltigen Beweise angeführt haben.
Trotz alledem führte Egon Moniz im Jahr 1936 eine Lobotomie am Washingtoner Universitätsklinikum durch. Von da an erreichte sie eine immense Popularität und breitete sich über die ganze Welt aus, sodass er im Jahre 1949 sogar den Nobelpreis erhielt.
Ab den 1940er Jahren entwickelten der amerikanische Psychiater Walter Freeman und der Neurochirurg James Winston Watts die Methode der Lobotomie weiter und standarisierten sie für eine adäquate Anwendung in der Psychiatrie. Dabei steht Walter Freeman oft in Verbindung mit einer sehr radikalen Durchführung, die exzessiv, schädlich und übertrieben sei. Vor allen Dingen durch seine transorbitale Operationsmethode, die sogar von Personen, die keine neurochirurgische Qualifikation haben, durchgeführt werden konnte, erlangte er diesen umstrittenen Ruf. Er wollte damit eigentlich nur eine kostengünstige Methode einführen, was jedoch die medizinische Kompetenz in den Hintergrund drängte.

Heutige Bedeutung der Lobotomie
Seit den 1970er Jahren wurde in Deutschland keine Lobotomie mehr durchgeführt. Der Grund dafür ist die zunehmende Kritik an der Psychiatrie, die ihre Patienten teilweise wie willen- und gedankenlose Tiere gehalten hat. Die Grausamkeit psychiatrischer Verfahren war kaum zu überbieten und verstieß auf bestialischste Art und Weise gegen die Menschenrechte.