Joe Cocker gilt als der heimliche Vater. Obwohl er die Disziplin nicht erfunden hat, wurde sie mit seinem Woodstock Auftritt sehr berühmt. Bei dem Musikfestival begleitete er seinen Gesang mit einer Luftgitarreneinlage. Seit dieser Zeit ist das Luftgitarre spielen unter einen großen Anhängerschaft beliebt. Langhaarige Männer springen durch die Luft und bewegen manisch ihre Finger über die eingebildeten Gitarrensaiten.
Olympische Disziplin?
Die Liebhaber der verrückten Disziplin streben sogar die Anerkennung als olympische Disziplin an. Aber soweit ist es noch nicht. Wettkämpfe gibt es aber dennoch. In Deutschland vergibt die German Air Guitar Federation den Preis an den besten deutschen Spieler. Der internationale Sieger wird jährlich in Finnland gesucht, denn hier finden die Weltmeisterschaften statt. In der Kleinstadt Oulu wird der beste Luftikus gekürt. In einem 60 Sekunden langen Auftritt muss Mann alles geben, was die Gitarre hergibt. Neben den technischen Fähigkeiten und dem Charisma muss auch der künstlerische Gesamteindruck überzeugen. Das Wichtigste überhaupt ist aber die Luftigkeitstauglichkeit, eine Summe aller anderen Fähigkeiten. Hierbei entscheidet allein die Einzigartigkeit, denn blamieren kann man sich bei diesem Sport nicht. Originalität und Kreativität gehen Hand in Hand, wenn die besten Luftgitarristen um den Titel spielen.
Spiegel notwendig!
Jeder, der auch einmal Weltmeister werden möchte, kann sofort mit dem Training beginnen. Denn praktisch jeder Haushaltsgegenstand kann zweckentfremdet werden und als imaginäre Gitarre dienen. Vom Kochlöffel über den Staubwedel kann alles verwendet werden. Natürlich sind solche Alternativen nur als Einstiegshilfe sinnvoll, denn Profis spielen ausschließlich in der Luft. Manchmal nutzen sie aber auch aufblasbare Modelle. Das zweite wichtige Element ist ein Spiegel. Denn Selbstdarstellung ist alles bei diesem Sport. Die Posen und Griffe können auch vor einem realen oder imaginären Publikum bestens einstudiert werden.
Keine Vorkenntnisse nötig
Zuletzt ist auch die Musik von entscheidender Bedeutung, da der Auftritt genau darauf abgestimmt werden muss. Hier eignen sich besonders Stücke aus der Heavy Metal oder Punk Richtung. Klassiker ist und bleibt aber Jimi Hendrix’ Version der amerikanischen Nationalhymne. Wer Luftgitarre spielen möchte, braucht das richtige Instrument nicht zu beherrschen. Denn auf die richtigen Griffe kommt es nicht an. Alles, was der Anfänger wissen muss, ist die Unterscheidung zwischen anschlagen und greifen. Die Saiten werden im Takt der Musik angeschlagen und die Bünde gegriffen.
Drei Techniken
Jeder Luftgitarrist hat seinen eigenen Stil gefunden aber diese drei bewährten Techniken lassen sich in jedes Spiel einbeziehen. Bei dem Rundumschlag wird der rechte Arm in einer 360-Grad-Bewegung um die Gitarre gedreht. Besonders markante Stellen des Musikstücks können so eindrucksvoll hervorgehoben werden. Der Reißer ist ein theatralisches Anschlagen der Saiten. Hierbei werden sie von unten nach oben angeschlagen. Die Hand bewegt sich dabei von der Gitarre weg. Auch eine beliebte Technik ist der Grip Slider, bei dem die linke Hand bis zum Ende des Stegs wandert, um danach zum neuen Griff überzugehen.
Hang zum Exhibitionismus
Ein richtiger Luftgitarrist sollte Musikalität mit einem Hang zum Exhibitionismus in sich vereinen. Obwohl die Performances auf nicht Eingeweihte manchmal einen sehr verstörenden Eindruck hinterlassen, sind Luftgitarristen in ihrem Wesen sehr harmonische Menschen, denn „Luftgitarristen glauben, dass alle schlechten Dinge von der Welt verschwinden würden, wenn jeder Luftgitarre spielt. Für körperbewusste Frauen bietet der Fitnesstrend „Air Guitar Aerobics“ einen gelungenen Einstieg in die Szene. Hierbei werden die Bewegungen der Altrocker wie Hendrix mit etablierten Standardübungen kombiniert.