Macht Schokolade süchtig?

Macht Schokolade süchtig und wirken die Substanzen ähnlich wie Cannabis?


Schokolade ist ein sinnlicher Rundum-Genuss. Zuerst nimmt das Ohr das Knistern der Silberfolie wahr. Dann kommt der Geruchssinn mit ins Spiel. Das Aroma der Schokolade beginnt sich zu entfalten, raubt uns sprichwörtlich die Sinne. Umso länger die Schokolade geöffnet vor uns liegt, umso verführerischer wird ihr Duft. Es ist fast wie mit einem guten Wein, der an Intensität gewinnt, je länger er an der Luft steht. Nun berühren die Hände die seidige Oberfläche. Jedes Mal wieder sind wir erstaunt über das perfekte Äußere. Die symmetrisch, klar voneinander abgeteilten Stücke verleihen unserer Lieblingssorte den Charakter. Nachdem unsere Fingerkuppen genug gefühlt haben, brechen wir ein Stück ab. Das typische Knackgeräusch vermag bereits etwas von dem Genuss zu erahnen, der in wenigen Sekunden über unseren gesamten Organismus hereinbrechen wird. Nun liegt das erste Schokoladenstück auf der Zunge und wird durch die Körperwärme langsam flüssig. Dieses unbeschreiblich zarte Gefühl, wenn die Geschmacksknospen das Aroma erfühlen. So oder so ähnlich müssen auch Drogenabhängige ihren „Stoff“ wahrnehmen. Körperliche Abhängigkeit soll es sein, die uns immer wieder zu dem süßen Genussmittel treibt. Kann Schokolade süchtig machen und kann die so leichthin geäußerte Aussage wissenschaftlich belegt werden?

Berauscht Schokolade wie Cannabis?

Schokolade besteht aus über 300 verschiedenen Substanzen. Obwohl eine Vielzahl der enthaltenen Stoffe bereits ausführlich erforscht wurde, liegt die Wirkung einer Reihe von Substanzen noch völlig im Dunklen. Was man aber bereits herausgefunden hat, lässt vermuten, dass Schokolade in der Tat über berauschende Ingredienzien verfügt. Eine dieser Stoffe ist Anandamid, eine Substanz, die auch Cannabis aufweist. Das in der Naturdroge enthaltene THC aktiviert dieselben Gehirnareale wie Schokolade. Man müsste aber schon Kiloweise der Süßigkeit essen, um überhaupt diese Wirkungen zu verspüren. Andere psychoaktive Substanzen, die in Schokolade enthalten sind, sind Theobromin- dies entspannt die Muskeln in den Lungenwänden- und Methylxanthin.

Liebes- und Glücksdroge

Schokolade gilt als der Glücklichmacher schlechthin. Verantwortlich dafür sind bestimmte Botenstoffe im Gehirn- die sogenannten Neurotransmitter. Sie transportieren elektrische Signale zwischen den Nervenzellen. Hohe Werte dieser Botenstoffe unterstützen das eigene Attraktivitätsempfinden, also das Selbstwertgefühl, sorgen für Leichtsinn und spürbare Aufregungszustände. Der bekannteste dieser Stoffe ist Serotonin, dieses wird aus der Schokoladen- Inhaltsstoff Tryptophan- einem Eiweißbaustein, selbstständig gebildet. Hohe Dosen dieses Stoffes kann sogar ekstatische Zustände auslösen. Auch die im Gehirn ausgeschütteten Endorphine vermögen das persönliche Glücksgefühl zu steigern. Geringe Anteile Koffein stimulieren das Zentrale Nervensystem und die Phenylethylamine regen die Lustzentren des Gehirns an. All diese Substanzen sind auch in anderen Lebensmitteln enthalten, vermutlich ist es also ein Zusammenspiel vieler verschiedener Wirkungen, die für das bekannte Wohlgefühl nach dem Schokoladengenuss sorgt.

Schokolade gleicht Mangelzustände aus

Kein anderes Genussmittel wird derart leicht mit Stimmungen, Gefühlen, aber eben auch mit Sucht in Verbindung gebracht wie Schokolade. Besonders Frauen scheinen der süßen Versuchung gern zu erliegen. Viele der „Schoko-Junkies“ haben besonders wenige Tage vor dem Einsetzen der Monatsblutung einen übermäßigen Hunger auf die Süßigkeit. Forscher erklären diese Gelüste mit einem Magnesiummangel, der durch Schokoladengenuss leicht ausgeglichen werden kann. Auch während der Schwangerschaft haben Frauen oft Appetit auf die Süßigkeit. Dieses Verlangen ist Forschern zufolge, ein Anzeichen für eine Anämie, auch dieser Mangelzustand kann mit wenigen Stücken Schokolade behoben werden.

„Schokolismus“

Verschiedene Studien mit psychoaktiven Drogen haben gezeigt, dass Sucht immer mit der Anordnung von Neurotransmittern im Gehirn zusammenhängt. Werden die von den Botenstoffen genutzten Nervenwege immer häufiger „befahren“, zeigt sich eine langsame Gewöhnung, die schließlich zur Sucht führt. Es ist also durchaus möglich, dass Schokolade süchtig macht und die körperliche Abhängigkeit mit jedem weiteren Stück steigt. Auch die Inhaltsstoffe „Tetrahydro-Beta-Carboline“, die ebenfalls in Bier, Wein und anderen Alkoholika enthalten sind, sollen eine körperliche Sucht herbeiführen.

Die ewige Sehnsucht

Neben der körperlichen Abhängigkeit wird auch eine psychische Abhängigkeit vermutet. Eine solche ist sogar sehr wahrscheinlich, da eine Analyse der Inhaltsstoffe keine eindeutigen Ergebnisse bringt. Auch sind die einzelnen Inhaltsstoffe in zu geringer Menge enthalten, als dass sie große Wirkungen entfalten könnten.
Die Psychologin Debra Zellner von der Shippensburg Universität sagt, dass Frauen Schokolade zu einem Tabu erklärt hätten. Sie schmecke zwar toll, aber ernährungstechnisch ist sie eine der größten Ernährungssünden, die man begehen kann, da sie voller Fett, Zucker und Kalorien steckt. Eine Studie brachte nun Klarheit. Während amerikanische Frauen, die Schokolade als Laster begreifen, häufig Lust auf Schokolade hatten, ist spanischen Frauen dieses Verlangen völlig fremd. Dieses ambivalente Verhältnis zur braunen Süßigkeit wird auch vom britischen Psychologen Peter Rogers erklärt. Er vermutet, dass es die Lust am Verbotenen ist, die viele Menschen immer wieder zur Schokolade greifen lässt.