Marc Jacobs - das Enfant terrible

,,Vielleicht ist es so scheußlich, dass es schon wieder schön ist.\" Marc Jacobs (Designer für Louis Vuitton)


Er schafft Brücken zwischen Glamour und Straßenwirklichkeit. Als erster Designer, der den Grunge-Look der Musikszene catwalkfähig machte und prompt dafür gefeuert wurde, steht Marc Jacobs für Fantasie und ulkige Verschrobenheit. Aber immer auch ist er ein Garant für extravagante Kleidung, die sich nach nichts anderem richtet als nach Jacobs Stimmung. Ob Finanzkrise hin oder her – Jacobs macht einfach Spaß und ist einer der kreativsten Fantasten, die die Modewelt zu bieten hat.

Karriere
Jacobs wird 1963 in New York City geboren und wächst durch den frühen Tod seines Vaters hauptsächlich bei seiner Großmutter auf, einer leidenschaftlichen Hausfrau, die ihm schon zeitig das Stricken beibringt. Nach der Schule beginnt er ein Studium an Parsons The New School of Design und schließt es 1984 mit herausragendem Ergebnis ab. Seine Abschlusskollektion ist wie zuvor schon viele seiner Kollektionen während des Studiums ein wahrer Hingucker, denn sie besticht durch handgestrickte Pullover mit großen Knöpfen. Für diese Kollektion gewinnt er den Perry Ellis Golden Thrimble Award. 1986 gründet er mit seinem Partner Robert Duffy ein eigenes Label und bringt seine erste Kollektion heraus. 1987 regnet erneut ein Award auf ihn herab: Der Perry Ellis Award for New Fashion Talent, den er als jüngster Designer aller Zeiten entgegennehmen darf. 1989 wird er dann von der Modemarke Perry Ellis als Chefdesigner eingestellt und drückt dem Label sein schrulliges, fantastisches Image auf, welches für ihn so einzigartig ist. 1990 entwirft Marc Jacobs als erster Designer eine Grunge-Kollektion, die den Style von Bands wie Nirvana und Pearl Jam aufgreift und neu gestaltet. Ein Kulturschock für die Modebranche, weswegen Perry Ellis den jungen Jacobs-Nerd kurzerhand rauswirft. Daraufhin widmet dieser sich wieder seinem eigenen Label, welchem der Fauxpas mit der Grunge-Kollektion alles andere als schlecht getan hat, denn nun ist Marc Jacobs als junger Querdenker überall Thema und seine Linie ist gefragter und besprochener denn je. 1996 bringt er eine Herrenlinie auf den Markt, woraufhin später auch „Marc by Marc Jacobs“ folgt. 1997 wird er dann zum Chefdesigner von Louis Vuitton gemacht und gestaltet das Label zu einer der wertvollsten Luxus-Marken weltweit.

Zusammenbruch
2007 folgt für den immer schon leicht übergewichtigen, alkoholabhängigen und bebrillten „Nerd“ der Zusammenbruch. Die harte Arbeit, der Druck und die Drogen lassen ihn eine wichtige Kollektion von Louis Vuitton in den Sand setzen. „Abgehungerte Models in Fetzen liefen über den Laufsteg!“, so heißt es, nachdem Jacobs selbst die Journalisten und das Publikum zwei Stunden auf den Beginn der Show warten lässt. Daraufhin begibt sich Jacobs in eine Entzugsklinik und erscheint wenige Monate später als „neuer“ figurbewusster, fitnessverrückter und gesunder Mensch auf der Modebühne. Nicht zuletzt auch, weil er wenig später seinen Lebensgefährten kennenlernt und sich bald mit ihm verlobt, ist die positive Wandlung von Dauer. Heute hat Marc Jacobs nichts mehr am Hut mit Drogen und Alkohol und hat sich geschworen, seine Arbeit nie wieder zu vernachlässigen. Er ist fitter denn je und glänzt mit einem durchtrainierten Körper, der sich sehen lassen kann! Außerdem arbeitet er wie ein Stier für zwei Marken gleichzeitig und hat dennoch täglich Zeit für zwei Stunden Fitness. Trotzdem behält Jacobs sich seine kreative Verrücktheit und Stimmungsgebundenheit bei, um sie in die nicht einzuordnenden Kreationen seiner Kollektionen einzubinden – Marc Jacobs ist also immer noch das Enfant terrible der Modewelt.

(Stand: 19.02.10)