Medikamentöse Therapie

Zusätzlich zu den ergotherapeutischen, logopädischen und psychologischen Therapien wird oft eine medikamentöse Therapie eingesetzt, um den Heilungsprozess positiv zu unterstützen.


Motorische Störungen
Nach Erleiden eines Schlaganfalls müssen Patienten in vielen Fällen mit Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates leben. Eine häufig beobachtete Funktionsstörung nach Schlaganfällen sind halbseitige Lähmungserscheinungen. So ist häufig ein Arm oder ein Bein von einer Lähmung betroffen, die sich auch nach längerer Zeit nicht zurückbildet. Möglich ist dann lediglich die Behandlung von Symptomen, zum Beispiel in Form eines krankengymnastischen Trainings. Im Rahmen eines speziell auf Schlaganfall-Patienten ausgerichteten physiotherapeutischen Rehabilitationstrainings können Bewegungsabläufe neu einstudiert und verbessert werden. Das wichtigste Ziel eines Reha-Trainings kann jedoch darin gesehen werden, dem Patienten Wege und Mittel aufzuzeigen, mit seiner teilweisen Lähmung im Alltag gut zurechtzukommen.

Medikamentöse Behandlung
Medikamente, die dem Patienten mit Lähmung infolge eines Schlaganfalls helfen können, Bewegungsabläufe neu zu erlernen oder zu verfeinern, sind in einigen Studien ansatzweise erforscht worden. Amphetamine sollen durchaus eine effektive Unterstützung von physiotherapeutischen Maßnahmen bewirken. Die synthetisch erzeugte Substanz führt zur Anregung des Zentralnervensystems. Eine solche Stimulierung kann dazu beitragen, dass Schlaganfall-Patienten ihre motorischen Fähigkeiten schneller wiedererlangen beziehungsweise verbessern. Obwohl Amphetamine in den vielfältigsten medizinischen Bereich ihren Einsatz finden, beispielsweise in der Asthma-Therapie, sind sie für die Schlaganfall-Rehabilitation noch nicht zugelassen. Für Patienten mit motorischen Störungen stellt die Substanz demnach noch keine legale Option dar.

Ähnlich verhält es sich bei weiteren Substanzen, die das Zentralnervensystem positiv beeinflussen können und somit eine Erleichterung der Bewegungsabläufe bei schlaganfallgelähmten Patienten herbeiführen. Dazu zählt Methylphenidat (ebenfalls ein Amphetamin), das aber wie Amphetamin in Deutschland nicht zur Behandlung der Folgen von Schlaganfällen eingesetzt werden darf. Anders bei dem für die Behandlung von Parkinson-Patienten üblichen Medikament L-Dopa. Diesem Mittel wurde gleichsam eine positive Beeinflussung bei der Herstellung von motorischen Fähigkeiten nachgewiesen. Das Medikament ist in Deutschland anerkannt und verschreibungspflichtig.

Kognitive Störungen
Bei vielen Patienten zeigen sich Sprachstörungen als eine Folge des Schlaganfalls. Über Lese- und Schreibprobleme klagen Schlaganfall-Patienten ebenfalls oft. Eine weitere vielfach beobachtete Folge sind Gedächtnisstörungen, die den Symptomen einer Demenz gleichkommen. Für Menschen nach einem Schlaganfall ist es von dringendster Notwendigkeit, ihre plötzlich eingebüßten geistigen und emotionalen Fähigkeiten weitmöglichst wiederzuerlangen.

Mithilfe sogenannter Neurotransmitter – Botenstoffe im Gehirn – verständigen sich die Nervenzellen untereinander. Die wichtigsten Botenstoffe, die mit der Regulation unserer geistigen Fähigkeiten in Verbindung gebracht werden, sind Acetylcholine, Dopamine, Norepinephrine und Glutamat.

Auch hier kann eine medikamentöse Therapie Sinn machen, denn verschiedene Medikamente verbessern die Signalweiterleitung wie etwa Memantin. Dieses Präparat wird bei der Alzheimer-Demenz eingesetzt und verhindert die Überreizung der Nerven durch den Botenstoff Glutamat. Die kognitiven Leistungen sollen durch die Einnahme verbessert werden. Für die Behandlung nach einem Schlaganfall ist es allerdings in Deutschland noch nicht zugelassen.