Mit Bauernregeln das Wetter vorhersagen

Schirm oder Rock? Statt den Fernseher einzuschalten, kann man auch die Bauernregeln lesen.


Der Wetterbericht ist selten hilfreich, wenn man sich morgens entscheiden muss, was man anziehen soll. Wird Regen angesagt und man läuft den ganzen Tag mit einem unhandlichen Stockschirm herum, fällt nicht ein einziger Tropfen vom Himmel. Soll es hingegen warm werden und wir uns dementsprechend kleiden, wird es tatsächlich eher kühl und ungemütlich. Dumm nur, wenn man morgens zum leichten Sommerkleidchen gegriffen hat. Sowas nennt man dann wohl Murphys Law oder einen schlechten Wetterbericht. Damit Sie immer angemessen angezogen sind, sollten Sie vielleicht den Bauernregeln eine Chance geben, denn so unwissenschaftlich und ungenau sind diese gar nicht.

Prädikat „Wertvoll“
Als Bauernregeln bezeichnet man langjährig gesammelte Erfahrungswerte von Bauern über das Wetter. Da solche meteorologischen Erscheinungen wie Regen, Sturm oder Hagel über Leben und Überleben des Landbewohners entschieden, begannen die Menschen schon früh damit, die Witterungsverhältnisse genau zu beobachten. Gab es im Juni oder Juli beispielsweise ein plötzliches Gewitter, musste schnell die Heuernte eingefahren werden, da sie ansonsten verdorben wäre. Die Beobachtungen wurden in einfachen Reimen formuliert, sodass sie leicht einzuprägen waren. Auch konnten Sie so leicht an andere weitergegeben werden.

Bekannte Bauernregeln
Am bekanntesten sind die sogenannten Lostage, mit deren Hilfe es möglich sein soll, das Wetter in den folgenden Tagen und Wochen vorherzusagen. Jeder hat schon einmal von der Schafskälte, den Hundstagen, dem Altweibersommer oder dem Siebenschläfertag gehört. Letzterer fällt kalendarisch auf den 27. Juni und beruht auf einer Legende. Nach dieser sollen sich sieben junge Christen zur Zeit der Christenverfolgung in einer Berghöhle versteckt haben. Sie wurden entdeckt und bei lebendigem Leib eingemauert. Jedoch starben die jungen Männer nicht, sondern wachten nach einem 195 Tage andauernden Schlaf auf, um den Glauben an die Auferstehung der Toten zu bezeugen.
Eigentlich ist der Siebenschläfertag so mysteriös wie er auch klingt, nicht so unwissenschaftlich. Der Regel nach soll das Wetter sieben Wochen lang dem des 27. Juni entsprechen. Regnet es also an diesem Tag, wird es auch die kommenden Wochen kaum anders sein. dass sich diese Regel so oft bewahrheitet, hat einen einfachen Grund. Während des Zeitraums Juni und Juli stabilisieren sich die Luftdruckgebiete (Jetstream) über Mitteleuropa. Für den Süden Deutschlands sind so verlässliche Wetteraussagen möglich. In 60 bis 70 Prozent aller Fälle stimmt hier die Regel des Siebenschläfertags.

Der 100-jährige Kalender
Eng verbunden mit den Bauernregeln ist der 100-jährige Kalender, der genaue Angaben für jeden einzelnen Wochentag machen kann. Erfinder ist Mauritius Knauer. Er verließ sich auf die Regelen der Astrologie – genauer der Planetenstellung – um den Zusammenhang zwischen Himmel und Erde zu erfassen. Mithilfe einer Formel kann man sich so das Wetter ausrechnen oder einfach einer der vielen Online- oder Print-Versionen des Kalenders vertrauen.

Verlässlich oder Humbug?
Viele Regeln sind erstaunlich zuverlässig, andere hingegen eher lustig als ernstzunehmen. Ein Beispiel: „Sind Vögel und Dachse sehr fett, dann schaff dir ein warmes Bett“. Auch Tiere reagieren äußerst sensibel auf das Wetter, wenn sich also bestimmte Wildtiere ein dickes Fell anfrassen, hieß das, dass ein kalter Winter bevorstand.
Eine andere Erklärung für die teilweise hohe Verlässlichkeit ist, dass sich bestimmte Wetterphänomene in regelmäßigen Abständen wiederholen.