Delfine, die tagtäglich lächerliche Kunststücke verrichten müssen, um die Menschen zu amüsieren, Menschenaffen, die in kleinen, verdreckten Käfigen dahinvegetieren und apathisch wirkende Elefanten, die von einem Bein aufs andere schaukeln, weil ihnen langweilig ist – Zoos sind nicht so human, wie sie gern erscheinen möchten. Der Mensch nimmt eine weitaus größere Rolle im Leben der Tiere ein, als so mancher Zoobesucher glauben würde.
Unrühmliche Vergangenheit
Zoologische Gärten haben keine positive Geschichte. In den Anfangszeiten waren sie nicht viel mehr als Ansammlungen von Käfigen mit skurillen oder ausgefallenen Tieren, die angegafft werden konnten. Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein konnte man dort sogar Eingeborene aus Übersee bestaunen. Auch heute scheint das Motto „bunter, ausgefallener und exklusiver“ vorzuherrschen. Tierarten, die besonders viele Besucher anlocken, haben größere Chancen ihr Zuhause in einem Zoo zu finden als unscheinbare graue Mäuse. Insekten, Vögel und Kleinstlebewesen fristen ein Schattendasein in deutschen Zoos.
Vom Wild- zum Haustier
Kritiker zeigen auf, dass Zoos in die natürliche Evolution eingreifen, indem sie den Fortpflanzungspartner aussuchen. Um die genetische Vielfalt zu erhalten, greift man zwar auf Tiere aus anderen Zoos zurück, mit Evolution, wie sie in der freien Wildbahn geschieht, hat das aber wenig zu tun. Das Prinzip der natürlichen Auslese, nachdem nur die Stärksten überleben, findet ebenfalls keine Anwendung. Alle Nachkommen werden aufgezogen, selbst solche, die nur schwach und krank sind. Das Wildtier wird immer mehr zum Haustier, das nach dem Willen des Menschen geformt wird.
Biotopschutz Fehlanzeige
Ein weiterer Kritikpunkt ist der fehlende Biotopschutz. Wer Arten erhalten möchte, muss auch Lebensräume schützen, sie notfalls neu errichten und die Tiere dort wieder ansiedeln. Zoos vernachlässigen dieses. Es geht lediglich darum, das Tier selbst zu erhalten, um es auszustellen. So bleiben bedrohte Tierarten Einzelexemplare, die kein natürliches Leben mehr führen.
Verhaltensauffälligkeiten keine Seltenheit
Der einstmals so niedliche Eisbärjunge Knut ist wohl das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn Tiere sich in Gefangenschaft unwohl fühlen. Aus dem putzigen Kerl mit der glänzend schwarzen Nase und dem wunderbar weichen Fell wurde ein manisch-depressiver Eisbär mit großen Problemen. Schon früh sprachen sich Tierschützer dafür aus, dass Knut nicht öffentlich geknuddelt werden sollte, sondern vielmehr in der freien Wildbahn – gänzlich unbeobachtet – sein Eisbärleben leben dürfen sollte.
Knut ist kein Einzelfall, träge Elefanten, die nach Jahren ihre Tierpfleger angreifen oder Affen, die der Hand, die sie füttert, mal eben die Finger abbeissen – geschehen im Berliner Zoo – sind keineswegs durch die Medien geschickt ausgeschlachtete Tragödien, sondern vorhersehbare Katastrophen. Obwohl das Wissen um eine artgerechte Haltung kontinuierlich steigt und sich viel tut, etwa das Umsteigen von Käfigen zur Freigehegen, können Tiere in Gefangenschaft niemals so leben wie in der freien Wildbahn.
„Bestandsregulierung“
Wenn Zoodirektoren von Bestandsregulierungen sprechen, meinen sie das gezielte Töten von überflüssigen Tieren. Hat ein Junges das falsche Geschlecht und ist somit ungeeignet zur Züchtung oder reicht der Platz im Gehege einfach nicht mehr, müssen Maßnahmen ergriffen werden. Zwar wird zunächst versucht, die Tiere in anderen Zoos unterzubringen, aber, wenn auch dort Platznot herrscht, wird das betreffende Tier getötet. Eine Möglichkeit, wie solche Tiere noch genutzt werden können, sind Ganzkörperfütterungen. Wie in der freien Wildbahn auch werden sie an andere Zootiere verfüttert.