Mittagsschlaf ist gesund

Ein Mittagsschlaf kann helfen, die Leistungsfhigkeit auch über das Mittagstief hinaus zu erhalten


Die persönliche Freiheit des Menschen ist eines der großen philosophischen Probleme. Während die Frage nach der universellen Freiheit jedoch noch nicht zufriedenstellend beantwortet werden konnte, kann man feststellen, dass der Mensch zumindest aus biologischer Sicht eher unfrei ist: Denn er ist einer Vielzahl biochemischer Prozesse und Abläufe unterworfen. Einer der wichtigsten dieser körpereigenen Prozesse ist der Biorhythmus. Chronobiologen untersuchen schon seit Langem den Einfluss dieser inneren Uhr auf unseren Lebensalltag. So sorgt der Biorhythmus in einem Zusammenspiel verschiedener chemischer Substanzen- unter anderem Hormone- und dem natürlichen Tageslicht, für unsere Befindlichkeiten, sogar für unsere Stimmung ist er verantwortlich.

Tagesrhythmus: kontinuierliches Auf und Ab
Der Biorhythmus teilt unseren Tag in verschiedene Abschnitte. Diese sind durch unterschiedliche Leistungskurven charakterisiert. So arbeiten nicht alle Organe des Körpers immer auf gleich hohem Niveau, auch sie haben ihre Hochs und Tiefs. Das erste Hoch kann zwischen zehn und elf Uhr beobachtet werden. Gefolgt wird dieses vom sogenannten Mittagstief. Am Nachmittag dann schließt sich das zweite Hoch an. In Phasen erhöhter Leistungsbereitschaft lassen sich ein erhöhter Blutdruck und eine bessere Stimmung beobachten. Die um den frühen Nachmittag auftretenden Tiefs hingegen sind durch schlechte Stimmung, mangelnde Motivation und fehlende Konzentrationsfähigkeit gekennzeichnet.

Typisches Mittagstief führt zu Fehlern
Das typische Mittagstief tritt zwischen 13 und 15 Uhr ein. Hier signalisiert der Körper, dass er eine Pause braucht. Die Leistungsstärke nimmt ab, die Augen werden schwer, alles deutet auf Schlafen hin. In Studien fand man heraus, dass gerade in dieser Zeit die meisten Fehler passieren. Ein kleiner Mittagsschlaf wäre hier ideal. Nach der kurzen Pause ist die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit um ein Vielfaches gesteigert. Kurz vor dem kleinen Nickerchen sollte ein Kaffee getrunken werden, denn dieser entfaltet seine Wirksamkeit nach dem Mittagsschlaf und sorgt für einen neuen Energieschub. Allerdings sollte der Mittagsschlaf nicht länger als 15 Minuten andauern, da sich ansonsten der Organismus auf eine längere Ruhephase einrichtet. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, die Muskeln entspannen, kurzum: man möchte schlafen.

Mit Mittagsschlaf Herzinfarkt- Risiko senken
Verschiedene Studien bestätigen den gesundheitlichen Nutzen des Mittagsschlafs. Eine von ihnen, in Griechenland durchgeführt, stellt einen Zusammenhang zwischen der erholsamen Pause und dem Herzinfarktrisiko her. Der Arzt Dimitrios Trichopoulis untersuchte an der Universität von Athen mehr als 23.000 Männer und Frauen über einen Zeitraum von sechs Jahren. Am Ende der Studie sprachen die Ergebnisse für sich: 1/3 der Probanden wiesen ein deutlich geringeres Herzinfarktrisiko auf, als die restliche Versuchsgruppe. Während der Studie waren 792 Personen verstorben, ein Teil von ihnen- 133- hatten zuvor an Herz-Kreislauf Erkrankungen gelitten.

Mittagsschlaf doch nicht so gesund?
Weniger optimistisch zeigt sich eine Studie des israelischen Forschers Michael Bursztyn. Er untersuchte die Auswirkungen eines regelmäßigen Mittagsschlafs an älteren Patienten im Hadassah Universitätskrankenhaus. Nach einem Zeitraum von sieben Jahren waren 75 Teilnehmer der Versuchsgruppe verstorben. Ein genauerer Blick enthüllt: Vor allem die über 70jährigen Patienten waren von den negativen Folgen betroffen. Der Grund könnte in der Physiologie des Schlaf- und Wachrhythmus zu finden sein. So vollführt der Organismus nach dem Aufwachen einen wahren Energieschub. Herzfrequenz und Blutdruck sind erhöht, der gesamte Organismus arbeitet auf Hochtouren. Bei bereits bestehenden Erkrankungen und bekanntem Bluthochdruck stellt das zusätzliche Erwachen somit eine weitere Belastung für den Körper dar.

Fazit: Mittagsschlaf kann gesundheitsfördernde Wirkung haben
Mittagsschlaf ist durchaus gesund, wenn man einige Regeln beachtet. Berufstätige, aber auch Hausfrauen sollten sich in der kritischen Zeit zwischen 13 und 15 Uhr- für maximal 15 Minuten hinlegen, um den Organismus optimal auf den weiteren Tagesverlauf einzustimmen. Personen mit erhöhtem Blutdruck oder Herzproblemen hingegen sollten von einem Mittagsschlaf absehen, da dieser den bereits belasteten Organismus vor weitere Anstrengungen stellt.