Mobbingopfer: Zahlen und Hilfe

Die Zahl der Mobbingopfer steigt mit zunehmender Angst um den Arbeitsplatz immer weiter an.


Der Begriff „Mobbing“ – von dem englischen „to mob“ (anpöbeln, über jemanden herfallen) – wurde vom Verhaltensforscher Konrad Lorenz geprägt und bezeichnet Gruppenangriffe von Tieren auf einen überlegenen Gegner. Der Arzt und Psychologe Heinz Leymann verwendete das Wort zum ersten Mal in Bezug auf das Arbeitsleben. Das war gegen Ende der 70er. Erst im Zuge der Veröffentlichung seiner Arbeit, Anfang der 90er Jahre, gewann das Thema Mobbingopfer größere Aufmerksamkeit. Mobbing ist eine „Bürotat“, von der vor allem Angestellte und Beamte betroffen sind. Die Tat ist oft eine Folge von Angst um den Arbeitsplatz und dem dadurch entstehenden Gefühl, sich besonders hervortun zu müssen. Doch Mobbing eignet sich auch dafür, Mitarbeiter mit Festvertrag loszuwerden.

Mobbingopfer kann jeder werden
Die typischen Mobbingopfer gibt es nicht. Dennoch gibt es drei wichtige Faktoren, welche die Wahrscheinlichkeit ansteigen lassen. Das ist zum einen, wenn der Betroffene neu in eine schon lange bestehende Gruppe hineinkommt, zum anderen, wenn sich Hierarchien verändern und zum Dritten, wenn massiver Arbeitsplatzabbau droht. Wie schon in der Schule sind unter Menschen mit Außenseitermerkmalen Mobbingopfer besonders häufig zu finden. Je stärker die Mitarbeiter persönlich in ihre Arbeit eingebunden und je unklarer die Kategorien der Leistungsbeurteilung sind, um so häufiger wird gemobbt.

Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm
Psychische Erkrankungen gehören schon langes zu den häufigsten Ursachen von Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Ob es sich nun um „Depression“ oder „Burn-out“ handelt, oft genug ist Mobbing der tatsächliche Hintergrund einer solchen Erkrankung. Die Ausfallzeiten hierfür verursachen allein in Deutschland jährlich Kosten von rund 6,3 Milliarden Euro. Nach Einschätzungen von Experten der Krankenkassen sind etwa neun Millionen Menschen von Depressionen und Burn-out-Syndrom betroffen. Auch viele körperliche Erkrankungen, gerade solche der Bandscheiben, sind heutzutage als Folgen von Mobbing erkannt worden. Und es ist erstaunlich, wie schnell Beschwerden bei Mobbingopfer auftreten können. Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Magen- und Darmprobleme und depressive Verstimmungen sind Folgen, die oft genug bereits in den ersten Wochen auftreten. Mit zunehmender Dauer entwickeln sich auch chronische Krankheiten, zu denen auch Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems zählen.