Mode der Sechziger Jahre: Revolution im Kleiderschrank

Den Sechziger Jahren haben wir den Minirock und die Blue Jeans zu verdanken. Teenager bestimmten die Mode und Hippies prägten das Straßenbild.


Die Sechziger Jahre waren nicht nur die Zeit der Hippies sondern auch der sexuellen Befreiung. Die Pille veränderte weibliche Sexualität: Frauen mussten nun keine Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft haben. Ab Mitte der Sechziger Jahre kam die Hippiebewegung aus den USA nach Deutschland – und prägten die komplette Jugendkultur: Das materielle Streben der Erwachsenen wurde abgelehnt. Die Einstellung der Hippies war von Protest und Ablehnung gegenüber dem Establishment geprägt. Sie experimentierten mit Drogen und freier Liebe, hörten Beatmusik. Kleidung diente vor allem dazu, sich vom Establishment abzugrenzen. Die Mode der Blumenkinder ist bunt und unkonventionell. Schlaghosen, Beatstiefel, Jesussandalen und Tuniken prägen die Hippiemode. Folkloreeinflüsse sind typisch, Blumen sind ein beliebtes Motiv.

Swinging Sixties sind von der Jugend dominiert
In den Swinging Sixties begann die Jugend erstmals Mode Trends zu bestimmen. Dementsprechend mussten sich die Boutiquen und Modemacher darauf einstellen. Neben der Haute Couture, verbreiteten sich deswegen verstärkt Boutiquen mit Pret-à-Porter-Mode, also erschwingliche junge Mode von der Stange.
Selbst die First Lady der USA Jackie Kennedy hatte einen sehr jugendlichen Kleidungsstil: Sie trug Hosen und machte Etuikleider beliebt. Andere Sixties-Ikonen, die den Stil entscheidend mitprägten sind Sandie Shaw, Brigitte Bardot, Julie Christie und vor allem das britische Magermodel Twiggy.

Minirock und Blue Denim
Ab 1965 trugen Mädchen und Frauen mit Vorliebe Miniröcke, die mindestens zehn Zentimeter oberhalb des Knies endeten. Erfinderin des Minis ist die Britin Mary Quant. Der kurze Rock setzte sich auch bei nicht mehr ganz jungen Damen schnell durch – trotz Protesten des Vatikans und der katholischen Kirche, die den Mini als Anzeichen für Morallosigkeit sahen. In den Jahren danach wurde der Rocksaum immer kürzer, bis er gerade so das Hinterteil verdeckte. Kombiniert wurde er mit hohen Stiefeln (am besten Overknees) und Feinstrumpfhosen. Stiefel wurden auch im Sommer getragen. Erst in den späten Sechzigern kamen Plateau-Schuhe mit klobigen Sohlen auf.
Die Blue Jeans wandelte sich langsam aber sicher zur Alltagskleidung – auch wenn viele Schulen und Arbeitgeber gerade Frauen und Mädchen nicht gerne in Jeans sahen. Jeans standen schließlich immer noch für ein freies, unkonventionelles Leben. Gerade Hippies verschönerten ihre Jeans mit Strasssteinchen oder mit Bemalungen.

Transparenz, Weltraum und Op-Art
Weniger auf den Straßen als auf den Laufstegen spielten sich andere Trends des Jahrzehnts ab. Der Transparent-Look war die logische Konsequenz der sexuellen Revolution im Kleiderschrank, der futuristische Weltraum-Look in Silber, Metallic, mit glänzenden Stoffen drückt den Optimismus der Sechziger aus. 1963 präsentierte Yves Saint-Laurent die Op-Art, die durch geometrische schwarz-weiße Muster geprägt ist. Zentrum der Modewelt ist übrigens Swinging London, vor allem die Carnaby Street und die Chelsea Road. Hier werden Ideen von der Straße aufgegriffen. Die Mode ist unkompliziert und sexy, aber gleichzeitig bezahlbar.

Der Sixties-Look heute
Wer sich im Stil der Sechziger kleiden will, sollte den Minirock unbedingt mit Stiefeln kombinieren, auf Knallfarben und geometrische Muster setzen oder dem Hippielook nacheifern. Der Lidschatten ist knallig, die Wimpern lang und stark getuscht und vielleicht sogar falsch. Typische Frisuren sind der Bob, der Pixieschnitt und die Bienenstockfrisur, auch Beehive genannt, für dessen Revival Amy Winehouse verantwortlich ist.