Mode im neuen Jahrtausend: Altes neu aufgewärmt

Eine Retrospektive auf die letzte Dekade ist schwer - wir sind schließlich noch mitten drin. Viel neues gab es aber nicht und wird es wohl auch in Zukunft nicht geben.


Kaum ein wirklich neues Kleidungsstück hat uns das neue Jahrtausend nach 2000 versüßt. Stattdessen wurden nur die Silhouetten verändert und Stücke aus den vergangenen Jahrzehnten in der Mode neu interpretiert und kombiniert.

Der Signature Look des neuen Jahrtausends

  • Gibt es einen prägnanten Look in den letzten Jahren nach 2000, so ist es das Babydoll oder die Tunika kombiniert mit einer extraengen Röhre, dazu eine XL-Handtasche sowie eine oversized Sonnenbrille plus ein Paar Ballerinas. Neu ist an den einzelnen Kleidungsstücken nicht viel. Die Tunika und die große Sonnenbrille gab es schon in den Siebzigern, die Röhre in den Fünfzigern und Sechzigern, ebenso wie die Ballerinas. 
  • Doch auf die Kombination kommt es an, sie macht das Outfit typisch für die „Noughties“, wie die Nuller-Jahre im angloamerikanischen Raum genannt werden. Dieser Look wird dabei nicht nur von einigen auserwählten Fashionistas getragen, sondern ist äußerst demokratisch: Paris Hilton trägt ihn genau wie die 16-jährige Schülerin aus Wanne-Eickel.

Typisch Nuller

  • Insbesondere bei den Schuhen gab es jedoch einige neue Entwicklungen: Gladiatorsandalen beispielsweise fand man zwar in der Antike, sie waren aber im letzten Jahrhundert niemals Trend. Auch Crocs gibt es erst seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts – modisch sind die Plastiktreter aber keinesfalls. Strings konnten sich ebenfalls erst nach 2000 durchsetzen – mittlerweile hat jede Frau die knappen Höschen im Schrank. 
  • Damit einhergehend saßen die Hosen immer tiefer. Zwar sind Hüfthosen nichts neues aber so „Low Cut“ wie in den letzten Jahren waren sie noch nie. Als Entschädigung für alle Frauen, die nicht jedem ihr Unterhöschen präsentieren möchten, setzt sich aber gerade die High Waisted Jeans durch – Strings sieht man bei dem hohen Bund garantiert nicht mehr.

Einzelteile aus allen Dekaden wiederbelebt

  • Neben dem Neuen gibt es in der Mode aber auch vornehmlich Altes neu aufgewärmt. Leggings in allen Farben gab es auch in den Achtzigern schon. Im neuen Jahrtausend werden sie entweder mit XL-Oberteilen wie Tuniken oder unter Röcken getragen. 
  • Auch die Flanellhemden, die das erste mal in den neunziger Jahren durch Grunge hip waren, kamen wieder – aber in der engen Variante für trendbewusste Mädchen. Schuhe mit Keilabsatz sind typisch Siebziger, werden aber heute anders kombiniert, auch die Boleros, die in den Fünfzigern aufkamen, sah man einige Saisons, diese sind aber 2009 wieder verschwunden. 

Fake Look

  • Mit Sicherheit lässt sich es erst in frühestens zehn Jahren sagen, aber der Fake Look scheint eine Geburt der „Noughties“: Die Haut ist dank der Sprayon-Tan dauerhaft gebräunt bis orange, falsche Nägel sind Pflicht, genau wie Extensions für die volle Wallemähne, Zähne werden gebleicht, die Haare künstlich geglättet, Brüste operiert, die Stirn mit Botox glattgespritzt. 
  • Möglicherweise kann man das Aufkommen des Fake Looks als Reaktion auf den Minimalismus der Neunziger sehen. Wie bei jedem Trend gibt es natürlich auch zu diesem einen Gegentrend: Augenbrauen dürfen in diesem Jahrzehnt endlich wieder natürlich aussehen, natürliche Locken und Wellen bilden den Gegensatz zu den „Mullet“ genannten Vokuhilafrisuren.