Vor kurzem tauchte es in der Fashionszene auf und genauso schnell verschwand es aber auch wieder. Wo kam es eigentlich her und warum wurde es hastig wieder aus den Läden verbannt?
Das viereckige bunte Tuch, das sich herrlich als Picknickdecke eignen würde, hat so einiges durchgemacht und ist noch nicht am Ende seiner Reise angekommen.
Hilfreich hat sich mit der geschichtsträchtigen Vergangenheit des Palituches beschäftigt.
Viele Namen
Richtig wird das Palituch eigentlich Kufiya genannt und stammt aus der arabischen Welt. Dort wird es auch heute noch von Männern zum Schutz gegen die Sonne getragen. Im Prinzip aber hat das Tuch viele Namen. Es wird nicht nur Kufiya genannt, sondern auch Ghutra oder Hatta. Am bekanntesten ist aber wohl die Bezeichnung Palituch. Dieser Bezeichnung entstand durch den Nah-Ost-Konflikt und bedeutet eigentlich Palästinensertuch. Es soll für die Unabhängigkeit Palästinas stehen, ist aber auch ein Kriegssymbol für Kampf und Widerstand. Das mag sich vorerst harmlos anhören, doch wenn wir zurück in die dreißiger Jahre gehen, zeigt sich, dass schon der damalige Obermufti von Jerusalem dem Tuch eine grausame Bedeutung zugemessen hat. In Kooperation mit Hitler führte er nicht nur eine Kufiya Pflicht ein, sondern auch eine muslimische SS, die sein Reich „säubern“ sollte.
Berühmter Tuchträger
Den heutigen Bekanntheitsgrad und die meist genutzte Bezeichnung „Palituch“ bekam die traditionelle Kopfbedeckung in den 70er Jahren, denn der nationalistische Anführer der Fatah-Organisation Jassir Arafat, machte das Tuch zu seinem Markenzeichen. Er trug bei öffentlichen Auftritten stets ein solch schwarz -weiß gemustertes Tuch. Arafat hat außerdem die Kufiya auf eine ganz spezielle Weise über die rechte Schulter in Form eines Dreiecks gefalten getragen, so sollte sie an die Grenzen von Palästina erinnern.
In Palästina ist die schwarz-weiße Musterung der Kufiya immernoch typisch für Arafats nationalistische Fatah, während die rot-weiße Farbgebung die Sympathie für die linken Organisationen des Landes kundgibt.
Die Kufiya in Deutschland
Schon in der Studentenbewegung der 68er tauchte das Palituch auf und wurde dort von der linken Jugend- und Subkultur als poltisches Statement getragen. Die jungen Menschen wollten so ihre Solidarität für Palästina und der PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation) zum Ausdruck bringen.
Auch in den 70er Jahren wurde der Kufiya ein Symbol verliehen und von Hippies als Zeichen persönlicher Freiheit und Repression um den Hals gebunden.
Seit den 90er Jahren haben vermehrt auch Rechtsextremisten Gefallen an dem poltischen Statement des Tuches gefunden, denn für sie kommt es gerade recht, dass Palästina mit Israel im Konflikt steht, um dies als Anlass zu nehmen ebenfalls gegen die Israeliten Stellung zu beziehen. Sozusagen Antisemitismus mit historischem Hintergrund.
Mehr als modisches Statement
So also wird klar, dass im Laufe der Jahre jeder einmal ein Palituch getragen hat.
Die Linken, die Rechten, die in der Mitte und ja, auch die, die eigentlich nichts Anderes wollten als nur modisch zu sein oder sich den Kopf vor der Sonne zu schützen. Jeder ist also verbunden durch ein und dieselbe Symbolik, hat aber ganz und gar nichts mit dem anderen gemeinsam.
Ob das jetzt auf Frieden hoffen lässt oder auf noch mehr Streit, bleibt abzuwarten. Klar ist und bleibt, dass ein wenig Kritik an Jugend und Modekonzernen durchaus angebracht ist, denn das Tuch ist nicht nur ein modisches Statement. Und wenn man es in noch so vielen Farben und Mustern produziert, an der Geschichte ändert sich nichts, auch wenn viele Menschen sie am liebsten vergessen wollen.
Eins scheint aber dennoch sicher: Verschwunden ist das Palituch aus den Modegeschäften erstmal gänzlich. Spät, aber besser als nie, scheint es doch jemand endlich gemerkt zu haben.