Die Moritaten sind im 19. Jahrhundert entstandene balladenähnliche Lieder des Bänkelgesangs. Es lässt sich entweder von dem Begriff „Mordtat“ oder von „Moralität" ableiten, was auch aufgrund inhaltlicher Gegebenheiten in derartigen Liedern naheliegend ist. Genau genommen lässt sich das Moritat nämlich in die Gruppe der Schauerballade einteilen, welche eine Form der Kunstballade ist. Weitere der Kunstballade zugehörige Formen wären die Ideenballade, die realistische Ballade und die Geschichtsballade, welche hier jedoch keine Rolle spielen sollen.
Geschichte der Moritaten
Wie zu Anfang schon erwähnt wurde, traten die ersten Moritaten erst im 19. Jahrhundert auf, obwohl sich Bänkelgesänge schon im Mittelalter einer äußersten Beliebtheit erfreuten. Dennoch lässt sich kein exakter Entstehungszeitpunkt des Moritats festlegen und ganz generell ist es außerdem nicht möglich etwas genaueres über die Hintergründe ihrer Herkunft zu sagen, da diese weitestgehend unklar sind. In Anlehnung an den Bänkelgesang wurden auch Moritate bevorzugt an öffentlichen Orten wie zum Beispiel Straßen, Plätzen und Jahrmärkten vorgetragen. Sie waren somit eine typische Kunst, die durch Straßenmusiker zur Entfaltung gebracht wurde.
So plötzlich wie der Moritatgesang auftauchte, verschwand er jedoch auch wieder in der Versenkung, denn seit den 1930er Jahren gibt es kaum noch Personen, die ihn ausüben.
Inhalt und Umsetzung von Moritaten
Wie jegliche Form der Schauerballade verfolgen auch Moritaten das Ziel, die Menschen durch ihren Inhalt in einen Zustand des Schauderns zu versetzen. Denen wird dabei die Grausamkeit und das Entsetzen, welches möglicherweise hervorgerufen werden kann, unmittelbar vor Augen geführt. Dabei besteht eine gewisse Ähnlichkeit zu der von Aristoteles in seiner Poetik eingeführten Reinigung (karthasis) von Erregungszuständen in der Tragödie, durch das Hervorrufen von Jammer (eleos) und Schauder (phobos). Moritaten enden für gewöhnlich mit moralischen Worten, die das Äquivalent zu Aristoteles Karthasis-Begriff bilden. Sie sollen den Zweck der geschilderten Verbrechen hinterfragen und unter Umständen aufs schärfste verurteilen. Der dramatische Inhalt wird dadurch in gewisser Weise entschärft, da die ursächlichen Gründe für die geschilderten Handlungen aufgeführt werden und einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Ihre melodische Umsetzung ist sehr schlicht, was heißen soll, dass man es meist mit relativ einfachen Melodien zu tun hat. Dennoch findet oft eine instrumentale Begleitung der Moritaten auf Drehorgel, Violine, Gitarre oder Harfe statt.