Mythos synchrone Menstruation - was ist dran?

Nehmen Frauen, die zusammen wohnen, tatsächlich gegenseitig Einfluss auf den Beginn ihrer Menstruation? Ist eine synchrone Menstruation tatsächlich möglich?


Es ist ein biologischer Prozess voller Missverständnisse. Bis heute halten sich zahlreiche Mythen rund um die weibliche Menstruation. So sollten blutende Frauen beispielsweise keine Sahne schlagen, weil diese sonst schlecht werden würde. Auch von Ansteckung mit dem unreinen Körpersaft ist die Rede. In der heutigen Zeit sterben derlei erheiternde Legenden zunehmend aus, doch eine hält sich hartnäckig. Von gleichzeitig menstruierenden Frauen ist da die Rede, eine Angleichung des Zyklus, eine Art Verschwisterung. Was ist nun tatsächlich dran an diesem Gerücht über die synchrone Menstruation?

Studentin mit einer extra Portion Ehrgeiz
Bereits in den 60er Jahren des vergangenen Jahrtausends wollte es eine ganz genau wissen: Martha McClintock, Biologie-Studentin am Wellesley College in Massachusetts. In einer von Männern dominierten Diskussionsrunde kam das Thema auf die weibliche Menstruation von Tieren. Pheromone sind bei Mäusen in der Lage, den Eisprung auszulösen, sodass das das Ei bei allen Tieren gleichzeitig reife. Selbstbewusst behauptete sie, dass es bei Frauen ähnlich sei, und machte sich alsbald daran, den wissenschaftlichen Beweis zu erbringen. Sie befragte 135 Studentinnen ihres Wohnheims und stellte fest: bei engen Freundinnen glich sich die Monatsblutung bis auf wenige Tage an umso länger die Frauen zusammenlebten. 1971 publizierte sie ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Nature“. Bis heute ist ihre Studie wegweisend. Sie belegt, dass soziale Interaktion in der Tat eine tragende Rolle beim weiblichen Fruchtbarkeitszyklus spielt.

Widersprüchliche Ergebnisse
Und so stellt McClinstocks Studie auch den einzigen wissenschaftlichen Nachweis dar, der die synchrone Menstruation von Frauen erklärt. Obwohl durchaus andere Studien ebenfalls versuchten, den Nachweis zu erbringen, lieferten sie zumeist widersprüchliche Ergebnisse. So untersuchte man beispielsweise lesbische Paare oder weibliche Basketballteams hinsichtlich deren Menstruation. Doch deutliche Angleichungen konnte keine dieser Studien aufzeigen. Teilweise sind diese Widersprüchlichkeiten in dem Untersuchungsgegenstand selbst begründet. Denn der weibliche Fruchtbarkeitszyklus ist alles andere als vorhersagbar. So gilt zwar eine ideale Dauer von 28 Tagen zwischen den einzelnen Blutungen als Musterbeispiel, dieses wird jedoch in den wenigsten Fällen auch wirklich erreicht. Unterschiedliche Faktoren beeinflussen den regelmäßigen Ablauf, so können Stress, sportliche Aktivität, Fernreisen oder spezielle Ernährungsgewohnheiten die Dauer des Zyklus verkürzen oder verlängern. Frauen, die regelmäßig die Antibabypille einnehmen, können ihren Zyklus gar selbstständig steuern.

Taktgeber- Achselschweiß sorgt für Verschwisterung
Eines scheint indes bewiesen: Pheromone können den normalen Gang einer individuellen Periode beeinflussen und ihn an den der besten Freundin anpassen. Genevieve M. Switz ist der Prototyp eines solchen Taktgebers: Frauen, die scheinbar mühelos in der Lage sind, sich Geschlechtsgenossinnen nicht nur emotional sondern auch biologisch anzunähern. In einem richtungsweisenden Versuch wurde Frauen der Duft von Wattebällchen auf die Oberlippe gegeben, diese waren zuvor mit dem Achselschweiß von Switz getränkt worden. Die Angleichung der Zyklen folgte quasi auf den Fuß. Nur der Grund für dieses Phänomen ist bislang noch unbekannt. Die einen sprechen selbstbewusst von einer tief greifenden Frauensolidarität, die anderen führen evolutionäre Erklärungen ins Feld.

Evolutionstheorie- Wettbewerb starker Männchen fördern
Schimpansen gehen indes den umgedrehten Weg. Weibliche Tiere vermeiden es, ihre Menstruation aneinander anzugleichen, um den Wettbewerb starker Männchen zu unterstützen. Die Forschergruppe um den Japaner Akiko Matsumoto-Oda untersuchte die Menschenaffen im Mahale Mountains Nationalpark und stellte fest, dass die Evolution einen wichtigen Zweck erfüllt; die Nicht-Angleichung stellt sicher, dass zumindest eines der stärksten Männchen zum Zuge kommt und als Vater des Nachwuchses zur Verfügung steht. „Damit ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich nur die hochrangigen Männchen mit den wünschenswerten sozialen und körperlichen Merkmalen mit den fruchtbaren Weibchen paaren“ so die Forscher.