Nach der Fehlgeburt - langer Weg zur Besserung

In der Zeit nach der Fehlgeburt muss die Psyche Schwerstarbeit leisten, um dieses Erlebnis zu verarbeiten


Eine Fehlgeburt ist für werdende Eltern ein traumatischer Augenblick. Sie stellt nicht nur eine medizinische Ausnahmesituation dar, auch die Psyche muss Schwerstarbeit leisten, um dieses Erlebnis zu verarbeiten. Sehr wichtig in dieser schwierigen Zeit nach der Fehlgeburt ist die aktive Trauerarbeit, aber auch die Partnerschaft darf, ungeachtet des persönlichen Schmerzes, nicht vernachlässigt werden.

Der Seele Halt geben
Das Internet sowie staatliche Institutionen bieten kompetente Hilfe für Betroffene an. Caritas oder Pro Familia sind nur zwei der zahlreichen Anlaufstellen, an die sich Eltern wenden können. Die Initiative Regenbogen ist ein gutes Beispiel dieser ehrenamtlichen Hilfe. Gesprächskreise helfen bei der so wichtigen Versprachlichung der eigenen Gefühle und stellen hilfreiche Kontakte zu anderen Betroffenen her. Hier erhalten Eltern rund um die Uhr wertvolle Ratschläge und Unterstützung. Sie können ihr „Herz ausschütten“ und über ihren Schmerz sprechen. Psychologen glauben, dass gemeinsame Gespräche die wichtigste Grundlage für die erfolgreiche Verarbeitung einer Fehlgeburt darstellen. So kann dann auch, neben den vielfältigen Angeboten im Internet und den Organisationen im heimischen Umfeld, die erfahrene Hilfe eines ausgebildeten Therapeuten in Anspruch genommen werden.

Trauerarbeit ist wichtig
Vielen Eltern hilft der Abschied von ihrem Kind. Psychologen raten Eltern häufig, bestimmten Trauerritualen zu folgen, denn diese erleichtern die emotionale Trennung vom geliebten Menschen. Die Beerdigung bildet den ersten Schritt auf dem Weg zur Verarbeitung einer Fehlgeburt. Eltern haben nun einen Ort, an dem die Trauer ausgelebt werden kann.
Auch eine selbst zusammengestellte „Elternmappe“, bestehend aus Fotos, Fuß- und Handabdrücken und dem Namensschildchen, ist eine kleine Etappe hin zur Besserung. Bereits gekaufte Babykleidung kann symbolisch weggegeben werden, beispielsweise an Kindergärten oder karikative Einrichtungen.

Zusammen trauern statt Rückzug in den Schmerz
Eine Fehlgeburt stellt eine enorme Belastung für die Partnerschaft dar. In dieser schwierigen Phase müssen Paare lernen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam an der Aufarbeitung des Verlusts zu arbeiten. Besonders Männer neigen zum Rückzug, sprechen nicht über ihre Gefühle und entwickeln eine schützende Hülle, um nicht erneut verletzt zu werden. Frauen hingegen beschäftigen sich vornehmlich mir der Frage nach dem „Warum“, sie stellen ihren Körper in Frage und zweifeln an ihren mütterlichen Qualifikationen. In vielen Fällen ist eine intensive Paarberatung die einzige Möglichkeit, das Geschehene erfolgreich zu bewältigen. Gesprächstherapien gehören ebenso dazu wie eine erneute Annäherung an den Partner, denn oft wirkt sich eine Fehlgeburt auch auf die körperliche Beziehung der Partner aus. Intimität und die Fähigkeit miteinander zu sprechen, müssen häufig neu erlernt, Hemmungen abgebaut und neues Vertrauen aufgebaut werden.

Neues Leben planen
Einen verlorenen Menschen kann niemand ersetzen. Auch, wenn Eltern sich dazu entschließen erneut den Kinderwunsch in die Tat umzusetzen, sollte nichts übereilt werden. Nur wenn das Erlebte wirklich verarbeitet wurde, können die Eltern eine weitere Schwangerschaft möglichst angstfrei genießen. Neben der seelischen Unterstützung durch einen Psychologen sollten sich Eltern nach der Fehlgeburt auch an ihren Gynäkologen wenden, um das Risiko einer erneuten Fehlgeburt zu minimieren oder gar auszuschließen.