Narkose Nebenwirkungen - Absterben der Gehirnzellen?

Viele Menschen haben Angst vor einer Operation, insbesondere vor den Narkose Nebenwirkungen. Risiken gibt es bei einem operativen Eingriff immer, aber sterben im Zusammenhang mit der Anästhesie wirklich Gehirnzellen ab?


Etliche Menschen haben panische Angst vor einer Narkose. Manchmal ist es gar nicht der Eingriff selbst, sondern die Furcht vor dem Zustand der Bewusstlosigkeit, der vielen schlaflose Nächte bereitet. Manche Menschen befürchten gar, nicht mehr aus ihr zu erwachen, andere haben Angst, etwas Privates preiszugeben und wieder andere sorgen sich, dass die Betäubung zu schwach ist, sodass sie alles bewusst miterleben, ohne sich bemerkbar machen zu können. Mediziner nennen diesen Zustand „awareness“. Auch die Angst, irreparable Schäden davonzutragen, quält viele Patienten über Gebühr hinaus. Von einem Schwund der Gehirnzellen bis hin unabänderlichen neurologischen Schäden, die mit dem Verlust existenzieller Fähigkeiten, wie sprechen und essen, einher geht, reichen die Horrorszenarien deutscher Patienten.

Ursprünge der Anästhesie
Die Angst der meisten Patienten kann sicherlich mit den Anfängen der Anästhesie erklärt werden. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein benutzten Ärzte für medizinische Eingriffe Ether (auch Äther oder Diethylether). Diese Narkosen wurden unter Zuhilfenahme der sogenannten Spontanatmung (Hypoventilation) durchgeführt. Zum einen ging eine solche Betäubung meist mit Übelkeit und Erbrechen einher. Zum anderen war die heute vorgeschriebene Überwachung der Sauerstoffsättigung des Blutes noch unbekannt. Durch die Narkotika trat die Spontanatmung sporadisch auf, da diese aber unzuverlässig und nur teilweise funktioniert, kam es oft zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff. Die Nervenzellen des Großhirns wurden nicht mehr ausreichend durchblutet und schließlich unwiederbringlich zerstört. Heute sind solche Unterversorgungen praktisch ausgeschlossen, weil zusätzlich künstliche Beatmungstechniken eingesetzt werden. Bekannt werden vor allem solche Fälle, in denen Patienten schwere neurologische Schäden davongetragen haben. Diese sind aber keine Folge der eingesetzten Anästhesiemedikamente, sondern die Konsequenzen technischer Defekte oder menschlicher Nachlässigkeiten.

Wird Kindergehirn durch Narkose Nebenwirkungen geschädigt?
Es ist bekannt, dass gesunde Menschen in der Regel keine negativen Narkose Nebenwirkungen zu befürchten haben. Solche Konsequenzen betreffen vor allem junge, alte und solche Menschen mit bestimmten chronischen Vorerkrankungen, beispielsweise Diabetes oder Erkrankungen der Herzkranzgefäße und bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck.
Besonders junge Patienten hätten einer neuesten Studie zufolge mit dem Verlust von Gehirnzellen zu rechnen. Denn die sich noch in der Entwicklung befindlichen (Gehirn-) Zellen sind besonders sensibel, was Neurotoxine- das Gehirn schädigende Substanzen- betrifft. Der amerikanische Neurologe Olney, der die Auswirkungen verschiedenster Substanzen auf das menschliche Gehirn untersuchte, gab jungen Ratten einen starken Narkosemix, der vornehmlich bei Kindern zum Einsatz kommt. Kurze Zeit später beobachtete er, dass die Medikamente den Prozess der Apoptose auslösten. Hierbei handelt es sich um einen gezielten Zelltod im menschlichen Organismus. Man kann es als eine Art Selbstmordkommando beschreiben, denn der Körper entsorgt so defekte oder überzählige Zellen. Die Entstehung oder Ausbreitung von bösartigen Tumoren kann so verhindert werden. Die Folgen des massiven Zelltods im Gehirn traten nach dem Erwachen zutage: die mit dem Medikamentencocktail in Tiefschlaf versetzten Tiere brauchten nun deutlich länger, neue Dinge zu lernen und vergaßen bereits Erlerntes schneller als die Kontrollgruppe. Überträgt man diese Ergebnisse auf den Menschen, hieße das, dass Kinder nach einer umfangreichen Narkose mit dauerhaften Gedächtnisstörungen und Lernschwierigkeiten zu rechnen hätten. Eine Narkose hätte demnach denselben Effekt wie Alkoholmissbrauch. Auch hier sterben Gehirnzellen ab, was sich in der Verlangsamung kognitiver Fähigkeiten ausdrückt.

Alzheimer-Risiko bei älteren Patienten erhöht
Die meisten älteren Patienten sind nach einer Narkose orientierungslos, manche leiden unter leichtem Gedächtnisverlust, manche zeigten sogar leichte Formen von Demenz. Bisher hatte man solche Ausfallerscheinungen immer der Narkose zugeschrieben, neuere Studien an Tieren kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass eine Narkose das Risiko degenerativer Gehirnerkrankungen- Alzheimer ist ein Beispiel für ein solches Leiden- bei betagten Menschen erhöht. Warum einige Menschen an Alzheimer erkranken und andere nicht, konnte bisher nicht zufriedenstellend geklärt werden. Eine Ursache wurde nun ausgemacht. Im Fokus der Wissenschaftler steht vor allem ein Medikament: Isofluran. Dieses verstärkt erwiesenermaßen die Aktivität des Enzyms Capase, welches eine wichtige Rolle bei der Apoptose spielt. Auch Halothan steht im Verdacht, das Alzheimer-Risiko zu erhöhen. Das Medikament kommt besonders in Asien und Afrika zum Einsatz, weil es billiger ist als ähnliche Präparate. Doch nicht nur diese beiden Narkosemittel, auch Desfluran und Sevofluran könnten Gehirnschäden verursachen, da sie in ihrer chemischen Struktur den beiden Stoffen Isofluran und Halothan stark ähneln. Bisher ist unklar, ob sich die Ergebnisse auch auf das menschliche Gehirn übertragen lassen, da die verschiedenen Versuche nur an isolierten Zellen und Tieren durchgeführt wurden.