Nikotinsucht: Gefährliche Zigaretten

Was passiert bei einer Nikotinsucht im Körper? Zigaretten enthalten viele Substanzen, die sich in ihrer Suchtwirkung potenzieren. Mehr Informationen!


Zigaretten enthalten viele Substanzen, die sich in ihrer Suchtwirkung potenzieren. Neben dem Nervengift Nikotin sorgen viele andere Stoffe für die körperliche und psychische Abhängigkeit. Die Hersteller setzen bei der Verarbeitung etwa 600 Zusatzstoffe zu, welche die Aufnahme des Nikotins noch erleichtern und so die Suchtwirkung verstärken sollen.

 

Obwohl die Menge des enthaltenen Tabaks in den letzten Jahren gesunken ist, sind es diese Substanzen, die die Gefährlichkeit einer Zigarette um ein weiteres steigern. Von Harnstoff, Zucker, Ammoniak bis hin zu Geschmacksstoffen und Aromen, alles soll den Rauch und den natürlichen Tabakgeruch und -geschmack so angenehm wie möglich machen. So wird der Rauch tiefer und länger inhaliert; mehr des schädlichen Nikotins gelangt ins Gehirn; die Suchtgefahr steigt.
Tabakfirmen setzen beispielsweise bevorzugt Menthol und Gewürznelken ein, um den beißenden Tabakgeruch zu überdecken, aber auch, um die Lunge zu kühlen und zu beruhigen, so werden Zigaretten selbst für Kinder attraktiv. Auch Lakritze, Kakao, Honig oder Kaffee erhöhen den Reiz für Minderjährige. Der unangenehme Tabakgeruch und -geschmack wird überdeckt und erhält eine angenehme süße Note. Zudem wird der normalerweise entstehende Hustenreiz unterdrückt.
Ammoniak ist ein weiterer Zusatzstoff. Es beschleunigt die Aufnahme des Nikotins in der Lunge und des Anflutens im Gehirn. Die Folge: Das Nikotin wirkt schneller und länger. Auch Ammonium und Zucker gehören in die lange Liste der Zusatzstoffe. Letzter verbrennt beim Rauchen und setzt Acetaldehyd – einen hoch süchtig machenden Stoff – frei.

Laut einer EU-Verordnung, dem Paragrafen 5 der Tabakprodukt-Verordnung, sind alle Hersteller und Einführer verpflichtet, ihre Zusatzstoffe zu veröffentlichen. Raucher sollten nicht davor zurückschrecken, in der Liste nach ihrer Marke zu suchen und sich über die enthaltenen Zusatzstoffe zu informieren.

Nikotinsucht
Einige Suchtkriterien lassen jeden erkennen, ob er gefährdet ist, an der Nikotinsucht zu erkranken oder bereits im Teufelskreis der Abhängigkeit steckt. Beobachtet man ein starkes Verlangen nach einer Zigarette oder gar den Zwang zu rauchen, so ist der Zwang an die Stelle des freien Willens getreten und man kann bereits von einer Sucht sprechen. Haben Sie die Kontrolle über die Anzahl der gerauchten Zigaretten verloren? Besteht der Wunsch den Konsum einzuschränken oder gar aufzuhören? Treten körperliche Entzugserscheinungen nach einer längeren Abstinenz auf? Haben Sie bereits mehrfach erfolglos versucht aufzuhören? Rauchen Sie weiter, obwohl Sie verschiedene gesundheitliche Beschwerden, etwa Raucherhusten, Kopfschmerzen oder Durchblutungsstörungen, beobachtet haben?

Psychische Abhängigkeit
Auch die psychische Suchtkomponente darf nicht vernachlässigt werden. Die anfänglichen Motive, mit dem Rauchen anzufangen, verändern sich mit der Zeit. Ursprünglich war der Griff zur Zigarettenschachtel vielleicht ein Zeichen, soziale Zugehörigkeit zu signalisieren. Aber im Laufe der Zeit ist die Zigarette immer mehr zum Bestandteil vieler alltäglicher Lebenssituationen geworden. Ein schmackhaftes Essen wird mit einer Zigarette abgerundet, ein lustiger Kneipenabend ist nur noch halb so lustig, wenn der Glimmstängel fehlt, und selbst nach dem zärtlichen Beischlaf vollendet eine Zigarette das Beisammensein.

So entsteht die Nikotinsucht
Alle Phasen der Nikotinsucht, vom ersten Rausch über den Rückfall und dem Verlangen (engl. craving), spielen sich im gleichen kleinen Gehirnbereich ab: dem Belohnungszentrum. Im Laufe der menschlichen Evolution kam diesem Wulst aus Nervenzellen eine überaus wichtige Rolle zu, er verband so essenzielle Abläufe wie essen, schlafen oder Sex mit einem angenehmen Gefühl. Dieses Hochgefühl entsteht immer dann, wenn im Belohnungszentrum Botenstoffe wie Dopamin ausgeschüttet werden. Nikotin steigert die Bildung dieser Transmitter sogar noch, die Stimmung bessert sich bis ins Euphorische. Das Unterbewusstsein merkt sich, dass die Tätigkeit des Rauchens mit schönen Gefühlen in Verbindung steht. Dieser geistige Speicher- auch „Suchtgedächtnis“ genannt- wird jedes Mal aktiv, wenn der Spiegel der Botenstoffe im Gehirn nachlässt.
Im Laufe der Jahre seiner Abhängigkeit gewöhnt sich der Raucher immer mehr an seine Sucht. Stoffwechselvorgänge geraten aus dem Gleichgewicht und im Gehirn bilden sich immer mehr Rezeptoren, die nach Nikotin verlangen. Untersuchungen an den Gehirnen toter Raucher haben gezeigt, dass diese eine doppelt so hohe Anzahl dieser Rezeptoren aufwiesen wie Nichtraucher. Auch die körpereigene Produktion der Botenstoffe und derjenigen chemischen Substanzen (Neuromodulatoren), welche die Arbeit des Nervensystems regeln, wird zunehmend beeinträchtigt. Wird dem Körper kein weiteres Nikotin mehr zugeführt, verringert sich die Anzahl der Botenstoffe, die Entzugserscheinungen setzen ein. Diese können, je nach Grad der körperlichen Abhängigkeit, ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Weil auch das Nikotin individuell wirkt, sind auch die nach dem Entzug auftretenden Symptome einmalig. Einige Raucher berichten über eine starke Unruhe, Schweißausbrüche und Benommenheit. Andere sind gereizt, leiden unter starken Kopfschmerzen. Da nun auch die glücklich machenden Botenstoffe nicht mehr ausgeschüttet werden, leiden frische Nichtraucher auch unter Stimmungsschwankungen, ständiger Gereiztheit und Launenhaftigkeit. Bei manchen Menschen dauern diese Symptome lediglich einige Tage an, andere jedoch haben mehrere Wochen unter den Erscheinungen des Entzugs zu leiden. Das Verlangen nach der Zigarette kann sogar noch Monate nach dem körperlichen Entzug auftreten. Interessant zu wissen: Der Nikotinhunger selbst nimmt in den ersten drei Minuten nach seinem Auftreten an Intensität zu, danach nimmt er langsam ab. Im Verlauf der Monate tritt er immer weniger auf und verschwindet schließlich ganz.

Zusammenspiel vieler Faktoren
Die Nikotinabhängigkeit entsteht aus einer Vielzahl von Ursachen heraus, die in einem einzigartigen Zusammenspiel auf den Raucher einwirken. Neben den biologischen und psychologischen Wirkungen darf auch die charakteristische Wirkung von Nikotin selbst nicht vergessen werden. Die psychoaktive Eigenschaft verstärkt vorhandene positive Emotionen, vermindert unangenehme Stimmungen und sorgt für ein allgemeines Hochgefühl.
Soziale Rahmenbedingungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei dem Griff zur Zigarette. Wenn die Freunde rauchen, die Kollegen in der Pause auf dem Hof verschwinden oder der Partner öfter zur Zigarette greift, ist ein gesellschaftlich angepasstes Verhalten vorprogrammiert.

Genetische Vorbelastung
Bei manchen Rauchern kann sogar eine genetische Prädisposition eine Nikotinabhängigkeit erklären. Eine internationale Wissenschaftsgruppe fand zwei Gene, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer Nikotinsucht spielen. Anhand von 4.300 Probanden wurde das Zusammenspiel aus Rauchverhalten und Zusammensetzung des Erbgutes untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass die Gene THP-1 und THP-2 die Abhängigkeit in erheblicher Weise begünstigen. Diese beiden Gene sind maßgeblich an der Produktion des Gehirnbotenstoffs (Neurotransmitter) Serotonin beteiligt, der für positive Gefühle verantwortlich ist. Ein Mangel an diesem Gehirnstoff wird häufig mit einer Depression in Verbindung gebracht, auch eine generelle Neigung zu Suchtverhalten ist bei einem niedrigen Serotoninspiegel sehr wahrscheinlich. THP-1 erhöht das Risiko, früher oder später im Leben, eine Nikotinabhängigkeit zu entwickeln, während eine winzige Veränderung des THP-2 Gens dafür verantwortlich ist, dass Menschen viel früher zur Zigarette greifen. Wenn dieses spezielle Gen in veränderter Form vorliegt, erhöht das die Chance, nikotinabhängig zu werden um 75 Prozent.
Die Träger eines solchen mutierten Gens sind auch ängstlicher als andere Menschen. Es ist bekannt, dass psychische Labilität, Unsicherheit und Nervosität wichtige Auslöser für den Griff zur Zigarette sind.
Die Wissenschaftler halten ebenfalls fest, dass auch die Umweltfaktoren eine essenzielle Rolle bei der Nikotinsucht spielen. So könnten frühe und schlechte Vorbilder, beispielsweise die Eltern oder die Geschwister, eine spätere Abhängigkeit erklären. Auch Ausnahmesituationen, wie ein arbeitsintensiver Beruf begünstigt eine Sucht.