Notfallkapsel - Hinweise zum Kauf

Die SOS-Notfallkapsel wird von verschiedenen Anbietern propagiert und soll angeblich Leben retten können.


Notfallkapsel – clevere Idee oder Geschäftemacherei? Es gibt chronisch Kranke, die immer in der Gefahr leben, umzukippen und das Bewusstsein zu verlieren. Besonders bei Diabetes-Kranken eine schwebende Unsicherheit.
Verschiedene Anbieter haben eine Notfallkapsel aus Edelstahl zur unterschiedlichen Preisen herausgebracht. Die Idee: In dieser Kapsel befinden sich eine Mini-Krankenakte und die wichtigsten Anschriften wie die des Hausarztes und von Bezugspersonen. Eine Nadel an der Kleidung soll auf diese Kapsel hinweisen. Die soll der Patient am Schlüsselbund, in der Handtasche oder sonst an sicherer Stelle mit sich führen.

 

Nutzen

Die Grundidee mag ganz pfiffig sein. Sehr nützlich ist diese Kapsel kaum. Zum einen ist in Deutschland der Rettungsdienst gut organisiert und erscheint nach den entsprechenden Gesetzen der Länder innerhalb von zwölf Minuten am Ort des Geschehens – nicht nur der Krankenwagen mit ausgebildeten Rettungsanitätern, sondern auch ein spezialisierter Notarzt. Der braucht solche Informationen nicht. Er sorgt dafür, dass der Kranke stabilisiert wird und auf schnellste Weise – notfalls mit dem Rettungshubschrauber – in das nächstgelegene Krankenhaus kommt.

Die SOS-Notfallkapsel ist für die Praxis unbrauchbar

Wenn die Kapsel nützlich werden soll, muss ein Arzt die „Mini-Krankenakte“ aufstellen. Das kostet seine Zeit und wer bezahlt die? Die Krankenkassen jedenfalls nicht. Und ein von Laien aufgestellte derartige Minikrankenakte ist nichts wert. Wie man überdies erfährt, ist die SOS-Notfallkapsel auch weniger für Notarzt und Rettungssanitäter gedacht, sondern für den so genannten „Ersthelfer“. Nun ist zwar in diesem Lande fast jeder in Erster Hilfe ausgebildet, aber nach allen Erfahrungen ist im Ernstfall kaum jemand bereit, seine Kenntnisse anzuwenden. Und wenn, wird er allenfalls den Kranken in stabile Seitenlage bringen und alles Übrige den Fachleuten überlassen.

Wichtiger als die SOS-Notfallkapsel wäre die elektronische Gesundheitskarte

Aufgrund vieler Widerstände gibt es bislang in Deutschland nicht die elektronische Gesundheitskarte. Und wenn die eingeführt wird, wird sie kaum die komplette Krankenakte enthalten wie dies beispielsweise in Estland der Fall ist. Aber auch die könnte natürlich erst im Krankenhaus nützen – vorausgesetzt, der Patient hat die bei sich. So aber gaukelt die SOS-Notfallkapsel eine Sicherheit vor, die leider nicht gegeben ist. Deshalb: Finger weg!