Ein Job ist eine zeitlich begrenzte Aufgabe, die von Zeit zu Zeit gewechselt wird. Ein Beruf umfasst eine längerfristige Planung, obwohl auch er gewechselt werden kann. Daneben gibt es die Berufung, die auf eine langfristige Bindung hinausläuft. Die Entscheidung für das Noviziat fällt ohne Zweifel in die letzte Kategorie. So ist es eine Entscheidung fürs Leben, wenn eine Frau Novizin wird, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch die Möglichkeit hat, von ihrer Entscheidung zurückzutreten.
Die Novizin bereitet sich auf die Profess vor
Bevor eine Frau die Entscheidung trifft, fest einer christlichen Ordensgemeinschaft beizutreten und nach deren strengen Regeln zu leben, lebt sie eine Weile als Anwärterin mit der Gemeinschaft zusammen. Diese Zeit des Noviziats dient dazu, sich persönlich nochmals genau zu überprüfen, ob man zu diesem Weg tatsächlich bereit ist. Die Novizin trägt bereits eine typische Ordenstracht und kann auch schon einen Ordensnamen anstelle ihres bürgerlichen Namens tragen, obwohl in vielen Ordensgemeinschaften der Ordensname erst mit der sogenannten Profess, dem Ordensgelübde, übertragen wird. Auch wenn die Profess in der Regel in modernen Konvents nicht sofort das ewige Gelübde, sondern zunächst ein zeitliches Gelübde umfasst, von dem man auch noch einmal zurücktreten kann, wird die Novizin auf ihr Ordensdasein gründlich vorbereitet. Dazu gehört auch eine fachliche Ausbildung in Bibelkunde, Kirchengeschichte, Historie der Kirchenväter und Ordensgeschichte.
Novizin kann nicht jede werden
Das Noviziat darf nicht als Schnupperkurs in Sachen Ordensleben missverstanden werden. Als Novizin wird noch lange nicht jede Interessierte angenommen. Zwar muss man nach dem Noviziat nicht die Profess ablegen, sondern kann zurück ins weltliche Leben kehren, dennoch ist eine hohe Fluktuation bei den Ordensgemeinschaften nicht gewünscht. Manche Klöster bieten die Möglichkeit, zeitlich begrenzt im Kloster zu leben, ohne in das Noviziat einzutreten. Diese Phase dient eigentlich der Selbstfindung und Orientierung. Hierauf lässt sich ein, wer es nur einmal für eine Weile testen möchte, ob er für das Klosterleben geschaffen sein könnte. Entscheidet sich eine Frau dazu Novizin zu werden, steht für sie eigentlich schon fest, dass sie dem Konvent angehören und dass sie nach den Evangelischen Räten, das heißt in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam, leben möchte. Da Klostergemeinden in der Regel sehr erfahren im Umgang mit Interessentinnen sind und durchaus unterscheiden können, ob es einer Frau wirklich ernst ist mit dem Klosterleben oder ob sie innerlich nicht bereit dazu ist, wird nicht aus jeder Interessentin eine Novizin. Wer für das Noviziat zugelassen wird, hat demnach schon eine Herzensentscheidung fürs Leben getroffen und ist sich ziemlich sicher, dass dies der richtige Weg für sie wird.