Orthorexia nervosa - Gesundes Essen als Störung?

Eine, noch nicht anerkannte Form der Essstörung, ist die Orthorexia nervosa. Die Betroffenen verfallen einem Gesundheitswahn, der tödlich enden kann.


Orthorexia nervosa bezeichnet den Zwang sich so gesund wie möglich zu ernähren. Der Arzt Steven Bratman beschrieb die Anzeichen eines derart gestörten Essverhaltens 1992 als Erster. Der Arzt litt nach eigenen Angaben selbst an dieser Krankheit und stellt auf seiner Homepage Informationen darüber zur Verfügung. Die Essstörung ist zurzeit noch nicht als Krankheit anerkannt. Experten sind sich nicht darüber einig, ob überhaupt eine Störung des Essverhaltens vorliegt. Allerdings kann dieser Zwang zur gesunden Ernährung Symptome und Folgeschäden nach sich ziehen, wie sie auch bei anderen Essstörungen auftreten. Betroffene, meist im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, beschäftigen sich den ganzen Tag nur noch mit der Frage, ob die Nahrung, die sie zu sich nehmen auch gesund ist, etwa mit der Frage, ob die Lebensmittel Schadstoffe, zu viel Fett und Kalorien oder Krankheitserreger enthalten könnten. Das Essen muss frisch sein, am besten aus dem Bioladen, vom Bauern oder direkt aus dem eigenen Garten. Diese Fragen sind im Prinzip richtig und jeder sollte auf so etwas achten. Und genau das ist das Problem bei dieser Krankheit. Wie soll man einem Menschen erklären, dass er sich zu gesund ernährt? Der Erkrankte fühlt sich gesund, schlank und sportlich. Man hat sein Leben im Griff und folgt den heute gepredigten Richtlinien für ein langes und glückliches Leben.

Wie kommt es zu Orthorexie?
Viele Ärzte und Ernährungswissenschaftler raten uns zu einer gesunden Ernährung aus möglichst naturbelassenen Produkten. Es wird eine Vielzahl an Diäten und Ernährungsprogrammen angeboten, die zu einer besseren Gesundheit verhelfen sollen. Doch sollte man diese in Maßen anwenden. Irgendwann ist die Grenze zu einer Essstörung überschritten. Die Lebensqualität wird durch die Ernährung nicht mehr verbessert sondern verschlechtert. Der Tagesablauf ist nun durch nagende Gedanken an Nahrungsmittel und deren Qualität bestimmt. Probleme mit Ehepartnern, in der Firma oder im Freundeskreis werden zweitrangig.