Paradiesdepression - wenn Nichtstun zur Qual wird

Ewiger Urlaub klingt für die meisten paradiesisch. Doch im Ruhestand entwickeln viele Menschen eine tiefe Unzufriedenheit - die Paradies Depression.


Sie werden von vielen beneidet: Ältere Menschen, die in Spanien eine traumhafte Villa mit Meerblick besitzen, in der sie unter paradiesischen Bedingungen ihren Lebensabend verbringen. Doch keiner ahnt, dass diese Menschen schwer erkrankt sind – denn sie gehören zu denjenigen, die an der sogenannten Paradiesdepression leiden.

Lifestyle-Krankheiten – Wenn die Gesellschaft krank macht
Der Begriff Lifestyle-Krankheit bezieht sich auf solche Zivilisationskrankheiten, die durch eine ungesunden Lebensstil beeinflusst oder erzeugt werden. Das Spektrum ist breit gefächert und reicht von körperlichen bis hin zu seelischen Erkrankungen. Gründe dieser Krankheiten sind beispielsweise schlechte materielle Lebensbedingungen, schädigende Lebensgewohnheiten als auch Wohlstandserkrankungen (wie Bewegungsmangel oder Überernährung) einer Überflussgesellschaft. Die sogenannte Paradiesdepression gehört ebenfalls zu den Lifestyle-Krankheiten, ist jedoch eher aus sozialmedizinischer Sicht von Belang, da sie zu der Gruppe der Krankheiten gehört, die psychosomatische Störungen auslösen. Hier spiegeln sich die Belastungen einer modernen Leistungsgesellschaft wie permanenter beruflicher Druck, zunehmender Stress, soziale Isolation, Reizüberflutung, Unsicherheit sowie Existenzangst wieder.

Paradiesdepression – was ist das?
Ursprünglich bezeichnet der Begriff den Zustand insbesondere älterer Menschen, die bereits im Ruhestand leben und ihren Wohnsitz in südlichere Gefilde verlegt haben. Dort erträumen sie sich einen Lebensabend, der einem ewigen Urlaub gleicht. In Wirklichkeit sind diese Menschen jedoch nicht mehr in der Lage Glücksgefühle zu empfinden, weil sie entweder sozial isoliert sind oder es versäumt haben, neue Interessen und Aktivitäten zu entwickeln. Das Resultat sind oftmals psychosomatische Erkrankungen oder die Entstehung ernsthafter Suchtprobleme.

Tatendrang verschwunden
Von Paradiesdepression spricht man auch, wenn der innere Tatendrang eines Menschen verloren gegangen ist oder dieser ohne jegliches Interesse an neuen Dingen ist. Die Gründe hierfür sind meist das heutzutage ständig wachsende Freizeitangebot und die vielseitigen Unterhaltungsmöglichkeiten, die schließlich zu einer Art Überstimulation des Menschen führen, der unfähig geworden ist, auf jegliche Art von Reiz zu reagieren. Abstumpfung sowie ein Gefühl der Leere und Langeweile sind schließlich die Konsequenz, welche den Menschen in die Paradiesdepression führen.