Patchworkfamilie mal anders

Trotz des anheimelnden Begriffs Patchworkfamilie sollten der Elternteil und der neue Partner nicht erwarten, dass sofort Harmonie innerhalb der Familie herrscht.


Die typische Kleinfamilie gibt es heute auch noch. Doch immer häufiger wird sie von der sogannten Patchworkfamilie verdrängt: Schätzungsweise jede siebte Familie in Deutschland ist eine Patchworkfamilie. Hinter diesem Begriff kann sich vieles verbergen, entweder bringt die Mutter oder der Vater Kinder mit in die Beziehung oder sogar beide Partner haben bereits einige Kinder, eventuell gibt es außerdem noch gemeinsame Kinder.

Von Fremden zur Familie

  • Genauso vielfältig wie die Patchwork Familie selbst, sind daher auch die Wege, wie aus einzelnen Personen, eine sich nahestehende Familie wird. Denn da jede Familie anders ist, gibt es natürlich auch kein Patentrezept. Generell sollten die Partner jedoch Rücksicht auf die Kinder nehmen. Denn für Kinder ist eine neue Beziehung oft ein großer Neuanfang. Ein neuer Erzieher tritt in ihr Leben, eventuell ändert sich auch die Umgebung, die Schule und dadurch die Freunde. 

Harmonie braucht Zeit

  • Auf keinen Fall sollten die Partner erwarten, dass mit dem Wohnen unter einem Dach sofort Harmonie entsteht. Deswegen sollten Mutter oder Vater sich genau überlegen, wann man den Partner seinen Kindern vorstellt und wann es sinnvoll ist, zusammenzuziehen. Auf jeden Fall sollte man dem Kind genug Zeit geben, sich an die Umstellung zu gewöhnen und den Partner langsam in die neue Familie einführen. 

Die Trennung der Eltern

  • Für Kleinkinder ist eine Trennung der Eltern noch nicht traumatisch, solange sie bei ihrer Hauptbezugsperson bleiben. Kinder, die bereits in den Kindergarten oder die Vorschule gehen, brauchen dagegen Zeit, um die Trennung zu verarbeiten, außerdem denken sie oft, die Trennung sei ihre Schuld. Der neue Partner wird zumeist skeptisch beäugt. Dies darf man keinesfalls persönlich nehmen. 
  • Für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren ist eine Trennung am schwierigsten, der neue Partner ist immer nur Ersatzvater oder -mutter. Kinder fühlen sich zwischen den Eltern hin- und hergerissen und fühlen sich dementsprechend oft schuldig, wenn sie den neuen Partner mögen. Deswegen sollte dieser nie versuchen, den Partner zu ersetzen, stattdessen sollte man sich lieber mit dem Kind anfreunden. Für Jugendliche ist es meist schwierig, den neuen Partner als Autorität anzuerkennen. 

Geschwister über Nacht

  • Neue Geschwister können als Konkurrenten um die Liebe betrachtet werden, deshalb sollte man dem Kind zeigen, dass Sie es genauso lieben wie vorher, dabei aber seine Sorgen ernst nehmen. Schließlich ist das Kind in einer komplett neuen Position: Vorher war es vielleicht das Jüngste, nun ist es das älteste Kind, oder es ist auf einmal nicht mehr Einzelkind. Alle Kinder sollten in der Patchworkfamilie als gleich wichtig betrachtet werden, das Paar sollte alle Kinder respektieren – auch wenn Sie die Kinder Ihres Partners natürlich nicht so lieben wie das eigene. 
  • Erwarten Sie mit Ihrem neuen Partner ein neues Kind, muss jedes andere Kind darin bestätigt werden, dass es immer noch wichtig ist und genauso geliebt wird wie vorher. Es braucht Zeit, bis sich alle Familienmitglieder aneinander gewöhnt haben. Doch das Leben in einer Patchwork Familie kann eine wertvolle Erfahrung sein: Alle lernen, Kompromisse zu schließen und auf Neues zu reagieren.