Angst hat jeder schon gehabt. Angst ist sogar wichtig und hält uns davon ab, uns in Lebensgefahr zu begeben. Angststörungen, also behandlungsbedürftige Angst unterscheiden sich hingegen dadurch, dass sie in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr stehen und das Leben des Betroffenen so unnötig einschränken. In der Folge wird der Umstand, der sie ausgelöst hat, möglichst vermieden. Mit dem Resultat, dass sich die Angst verstärkt. Wenn sie sich auf einen bestimmten Gegenstand, eine Situation oder Personen bezieht, spricht man von einer Phobie.
Was ist eine Phobie?
Vermutlich kennt jeder Menschen, die vor Hunden die Flucht ergreifen, sich nicht in einen Fahrstuhl trauen, nie in ein Flugzeug steigen würden oder zitternd und mit hochrotem Kopf einen Vortrag halten. Natürlich können Hunde eine Gefahr darstellen. Wenn jedoch schon der Anblick eines Hundes an der Leine oder nur der Gedanke daran Angst und Fluchtreflexe auslöst, liegt eine Phobie vor. Diese und andere Phobien sind weiter verbreitet als man meint. Etwa jeder Zehnte erkrankt irgendwann im Leben einmal an einer dieser Störungen. Frauen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Behandlung
Nicht jede Phobie ist dringend behandlungsbedürftig. Abhängig ist dies davon, inwieweit die bestimmte Situation vermieden werden kann, ohne die Lebensqualität einzuschränken. Mit Flugangst kann man sehr gut leben, wenn man ohnehin lieber innerhalb des eigenen Landes unterwegs ist. Andere Menschen, beispielsweise bei schlimmen Formen der sozialen Phobie, sind in ihrer Angst derart eingeschränkt, dass sie sich nicht mehr aus dem Haus wagen. Phobien können also mitunter das ganze Leben so weit einschränken, dass Menschen arbeitsunfähig werden, wichtige soziale Kontakte abbrechen und sich vollkommen zurückziehen. Spätestens in solchen Fällen ist eine Therapie dringend angeraten, denn Phobien sind sehr gut heilbar. Unbehandelt können sie sich unter Umständen auf andere Situationen ausbreiten oder andere psychische Krankheiten nach sich ziehen. Häufige Folgeerscheinungen der sozialen Phobie, der Angst vor dem Versagen in sozialen Situationen, sind Alkoholismus und Depressionen.
Häufige Formen
Man unterscheidet drei verschiedene Arten von Phobien. Agoraphobie nennt man die Angst an Orten, an denen Flucht schwer möglich ist. So äußert sie sich zum Beispiel auf freien Plätzen, Straßen oder in Menschenansammlungen. Bei der Gruppe der spezifischen Phobien fürchtet sich der Betroffene vor einem bestimmten Objekt, einer Situation oder einem Lebewesen. Tierphobien zählen zu den bekanntesten: Spinnen, Mäuse, Hunde, Vögel, aber auch andere Arten können Angstauslöser sein. Die sogenannte „Fahrstuhlangst“ gehört als eine Ausprägung der Klaustrophobie, der Furcht in geschlossenen Räumen, in diese Gruppe. Weitere häufig auftretende spezifische Phobien sind die Höhenangst, Flugangst, überzogene Angst vor Gewitter, vor Blut und Spritzen. Bei der sozialen Phobie, der dritten Art der Phobien, bezieht sich die Angst auf soziale Situationen, in denen die Aufmerksamkeit auf die eigene Person gerichtet ist oder so empfunden wird. Die potenzielle Gefahr, unangenehm aufzufallen, lässt Betroffene beispielsweise das Sprechen vor Gruppen, das Essen in der Öffentlichkeit oder allgemein soziale Begegnungen meiden.
Ursachen
Die meisten Phobien treten erst im Erwachsenenalter auf. Angelegt werden sie aber häufig schon im Kindesalter. Zu den genauen Ursachen gibt es verschiedene Erklärungsansätze. In der Regel spielen Lernprozesse eine Rolle. Auslöser ist oft eine unangenehme Erfahrung mit einem bestimmten Gegenstand, Personen oder einer Situation in der Vergangenheit. Die dabei wahrgenommenen negativen Empfindungen werden dabei so eng mit der Situation oder dem Gegenstand verknüpft, dass zukünftig schon die Situation an sich als Bedrohung angesehen wird. Auch die Veranlagung kann eine Rolle spielen. Phobien können sich unter Umständen von den Eltern auf die Kinder übertragen, wie Psychologen bestätigen. Der entscheidende Schritt zur Entwicklung einer ausgeprägten Phobie ist es, die vermeintliche Bedrohung von nun an zu meiden. Aus Sicht der Betroffenen macht dieses Verhalten durchaus Sinn. Schließlich lässt so die Angst nach. Langfristig führt dies jedoch zu einer Verschlimmerung und unter Umständen kann sich die Phobie auch auf andere Situationen oder Objekte ausweiten. Daher ist es wichtig, der Angst auslösenden Situation nicht auszuweichen, sondern sich ihr zu stellen.