Phytoöstrogene - eine Alternative zur Hormontherapie?

Phytoöstrogene können eine Alternative zur Hormontherapie während der Wechseljahre sein...


Phytoöstrogene sind sekundäre Pflanzenstoffe, die im menschlichen Körper hormonähnliche Wirkung ausüben. Unter den Phytoöstrogenen sind drei große Gruppen hervorzuheben: die Isoflavone, die zu den Flavonoiden zählen, Lignane und Coumestane. Alle drei Strukturklassen zeichnen sich durch östrogene Aktivität aus. Die Phytoöstrogene haben im weiblichen Körper also ähnliche Wirkungsweise wie das Sexualhormon 17-β-Östradiol. Ihre Wirkung ist jedoch um ein vielfaches schwächer. Isoflavone können gezielt an einem Organ wirken. Sie haben einen positiven Einfluss auf Knochen, Herz und Kreislauf. Gebärmutter und Brust werden hingegen nicht beeinflusst.

 

Photoöstrogene und Wechseljahre
Bei wechseljahresbedingte Beschwerden sind in erster Linie die Isoflavone nützlich. Zu den Isoflavonen gehören Genistein, Daidzein, Glycitein, Biochanin A und Formononetin. Isoflavone sollen vorbeugende Effekte auf Osteoporose, Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlagfall haben. Darüber hinaus kann das Brustkrebsrisiko gesenkt und durch die antioxidativen Eigenschaften auch freie Radikale abgefangen werden. Die Wirkung von Phytoöstrogenen ist nicht einheitlich geklärt, so können sie entweder äußerst positiv wirken, aber auch einfach keinen merklichen Effekt haben. Phytoöstrogene sind insbesondere in Sojaprodukten, Rotklee, Bohnen und Erbsen vorhanden. Lignane sind in pflanzlichen Lebensmitteln sehr häufig, Vollkorn und Ölsaaten sind besonders reich daran. Coumestane sind eher von untergeordneter Bedeutung bei der Ernährung des Menschen, diese kommen nur gering in pflanzlichen Lebensmitteln vor (Sojasprossen, Kleesprossen). Die Aufnahme von Phytoöstrogenen ist durch die Nahrung  oder durch hoch dosierte, isolierte Präparate möglich. Bei schweren Beschwerden während der Wechseljahre nehmen letztere immer mehr an Bedeutung zu, besonders nachdem die Hormonbehandlung so in Verruf geraten ist. Die pflanzlichen Präparate müssen aber auch meist über einen langen Zeitraum eingenommen werden, um optimal wirken zu können. Sie wirken zwar bereits nach drei bis vier Wochen, jedoch setzen die Beschwerden wieder ein, sobald die Einnahme beendet wird.

Phytoöstrogene bei Hitzewallungen
Generell ist die Einnahme von Phytoöstrogenen sehr gut verträglich und die Wirkungen sind gerade bei Hitzewallungen als äußerst positiv einzustufen. Jedoch fehlen hier noch Langzeitstudien, die den Effekt bestätigen können. Zusätzliche Isoflavongabe als Konzentrat in Tabletten oder Lebensmitteln liegen in Studien meist bei 34 bis 74 Milligramm täglich. Diese Studien berufen sich aber im Durchschnitt nur um die zwölf Wochen Untersuchungsdauer. So sind die Ergebnisse nicht eindeutig, aber tendenziell scheint der Hormonersatz mithilfe von Phytoöstrogenen wirksam bei klimakterischen Beschwerden zu sein.

Phytoöstrogene bei Herz-Kreislauferkrankungen
Zur Prävention von Herzkreislauferkrankungen sind die Studien über den Einsatz von Phytoöstrogenen nicht einheitlich. Jedoch konnte in einigen Untersuchungen belegt werden, dass vor allem Sojaproteine den Cholesterinspiegel signifikant senken können.

Phytoöstrogene zur Prävention von Osteoporose
Zur Prävention von Osteoporose unter Einfluss von Phytoöstrogenen sind zwar vielversprechende Ansätze bekannt, jedoch sind die Ergebnisse noch nicht belegt. In einigen Studien konnte gezeigt werden, dass die Zugabe von hoch dosierten synthetischen Isoflavonen eine positive Wirkung auf die Knochendichte aufweist. Hier reicht aber die Anzahl der Probandinnen noch nicht aus, um diesen Effekt als wissenschaftlich bestätigt anzusehen.

Phytoöstrogene und kognitive Leistung
Wie auch Östrogene sollen Isoflavone eine positive Wirkung auf die geistigen Fähigkeiten haben. Werden diese jedoch erst ab einem Alter von 60 Jahren eingesetzt, dann bleibt dieser Effekt aus. Eine Behandlung mit Phytoöstrogenen ist frühzeitig zu beginnen. Am Anfang der Wechseljahre ist die Gabe von Phytoöstrogenen also besonders effektiv.

Mögliche Nebenwirkung von Phytoöstrogenen
Da noch nicht genügend Langzeitstudien vorliegen, ist es schwer klare Angaben über den Nutzen und die Risiken von hoch dosierten Phytoöstrogenen zu machen. Im Allgemeinen scheint die Verträglichkeit der Produkte jedoch sehr gut zu sein, wenn sie die Menge von 40 bis 90 Milligramm pro Tag nicht überschreiten. Vereinzelt können Allergien ausgelöst werden, zum Beispiel durch Sojaeiweiß oder Inhaltsstoffe in Nüssen. Eine Kropfbildung durch hohen Sojakonsum könnte begünstigt werden. Daneben muss beachtet werden, dass eine hoch dosierte Einnahme von Phytohormonen wechseljahresbedingte Beschwerden auch nur verzögern, nicht aber gänzlich verdrängen kann. Die Aufnahme soll lediglich ausgleichend wirken. Darüber hinaus kann eine sehr hohe Dosierung und Überdosierung zu östrogenartigen Tumorentwicklungen führen. Einige der Zwischenprodukte, die beim Abbau der Phytoöstrogene im Körper entstehen, haben Ähnlichkeiten mit bekannten krebserregenden Stoffen.

 

Wirkung einzelner phytoöstrogenreicher Pflanzen
Es gibt einige bekannte und oft empfohlene pflanzliche Mittel, die Linderung bei Wechseljahresbeschwerden bewirken können. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte gut überlegt sein, da eine Überdosierung der enthaltenen Stoffe möglich wäre. Bei der Aufnahme von komplexen Lebensmitteln besteht ein natürlicher Schutz des Körpers vor einer Überdosierung. Gynäkologen raten zur Vorsicht vor hoch dosierten Nahrungsergänzungsmitteln, da die Sicherheit der Phytoöstrogene noch auf ihre medizinische Wirkung untersucht werden muss. Man geht davon aus, dass die Einnahme von pflanzlichen Mitteln nur im Gesamtkomplex wirklich wirksam ist. Isolierte Stoffe sind für den Körper nicht so einfach und natürlich zu verwerten.

 

Nebenwirkungen als Folge von Anwendungsfehlern?
Man muss sich generell darüber bewusst sein, dass der Nutzen von Nahrungsergänzungsmittel keiner medizinischen Bestätigung bedarf. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnt davor, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse der isolierten Isoflavone auf Wechseljahresbeschwerden noch nicht ausreichen, um derartige Präparate als sicher einzustufen. Es sind bereits unerwünschte Wirkungen bei der Einnahme von Rotklee und Sojaprodukte festgestellt worden. Jedoch ist hier davon auszugehen, dass die Einnahme in zu hohen Dosen stattfand. Denn bei Phytoöstrogene, wie auch bei Hormonen gilt nicht die Annahme „viel hilft viel“.