Phytotherapie

Die Phytotherapie zählt zu den bekanntesten alternativen Verfahren. Hierbei kommen verschiedene Pflanzen besziehungsweise deren Teile zur Anwendung, die langfristig ihre Wirkungen entfalten sollen.


Die Phytotherapie, der Einsatz von Pflanzen zur Heilung diverser Beschwerden, ist in allen traditionellen Naturheilkunderichtungen vertreten, von der traditionellen chinesischen Medizin bis hin zum indischen Ayurveda. Auch in Europa ist die Tradition der Kräuterkunde lang und reicht beispielsweise bis zu christlichen Mönchen, die in den Klostergärten verschiedene Kräuter anpflanzten. Bekannte Heilpflanzenkundige sind hierzulande die heilige Hildegard von Bingen oder Sebastian Kneipp. Lange bevor moderne medizinische Verfahren und Arzneimittel bekannt waren, wurde das, was die Natur hergab, zur Heilung eingesetzt. Selbst von Tieren ist die Anwendung von Pflanzen zur Behandlung von Verletzungen und Krankheiten bekannt.

  

Für viele moderne naturkundliche Therapeuten ist die Phytotherapie eine der wesentlichen Grundlagen ihrer Arbeit – damit nutzen sie jahrhundertealtes Wissen, das auch für viele der heutigen synthetischen Medikamente die Basis darstellte.

  

Die Phytotherapie ist nicht mit der Homöopathie zu verwechseln. Während die Pflanzenheilkunde von dem heilsamen Effekt höherer Konzentrationen der Wirkstoffe ausgeht, arbeitet die Homöopathie mit stark verdünnten Potenzen. Durch die verschiedenen Herangehensweisen kann eine Pflanze in den verschiedenen Methoden unterschiedliche Bedeutungen und Anwendungsbereiche haben.

  

Mittlerweile werden die Erkenntnisse der Phytologie sehr vielfältig, sogar zu schulmedizinischen Zwecken, eingesetzt. Diese Entwicklung ermöglichte vor allem das im letzten Jahrhundert entstandene Verfahren, einzelne Wirkstoffe von Pflanzen zu isolieren und somit effektiver und vor allem mit stark vermindertem Risiko dosieren zu können. 

  

Anwendung
In der Phythotherapie werden die Heilpflanzen je nach Einsatzgebiet auf verschiedenste Art und Weise eingesetzt. Kräuterzubereitungen können innerlich angewandt als Tee, Pulver, Tablette, Saft oder Sirup eingenommen oder aber inhaliert werden. Auch Gurgellösungen werden hergestellt. Äußerlich verwendet man die Pflanzenextrakte als Bäder, Umschläge, Auflagen, Tinkturen oder Waschungen. Dabei kommen unterschiedliche Teile der Pflanzen zum Einsatz – von Wurzeln, Samen und Zwiebeln über Rinden und Hölzer bis hin zu Blüten, Blättern, Flechten, Früchten oder Kräutern. 

  

Verschiedene Präparate die auch bei stärkeren Dosierungen weitestgehend unschädlich für den Organismus sind, können vom Patienten je nach Beschwerde eingenommen werden (beispielsweise Kamillentee). Stärker wirkende beziehungsweise zum Teil sogar toxische Heilpflanzen sollten nur dann angewendet werden, wenn ein Arzt diese, nach Analyse des Krankheitsbildes, verordnet hat. Auch die Dosierung und Intensität richtet sich in diesem Fall nach der Diagnose des Mediziners. 

  

Wirkung
Aus Pflanzen gewonnene Heilmittel können bei einer Vielzahl verschiedener Krankheiten angewandt werden. Bekannt ist etwa die Einnahme von Baldrian und Hopfen bei Nervosität und Schlaflosigkeit, Johanniskraut soll bei depressiven Verstimmungen Abhilfe schaffen und Kamille wirkt beruhigend und entzündungshemmend auf Magen und Haut. Wirksam sind verschiedene Bestandteile der Kräuter und Pflanzen, wobei gilt: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

  

Die Phytotherapie ist auf eine längerfristige Anwendung hin ausgelegt und nicht für Akut- oder Notfälle geeignet. Im Bereich ihrer Möglichkeiten kann sie aber durchaus eine wirksame und meist sehr gut verträgliche Alternative zu chemisch hergestellten Medikamenten darstellen.
Auch für Kinder ist der Einsatz milder Pflanzenwirkstoffe (Kamille, Pfefferminz, etc.) geeignet, sollte jedoch gegebenenfalls mit einem Arzt besprochen werden. Der Einsatz stärker wirkender Pflanzen sollte nur nach Verordnung erfolgen. 

  

Einschränkungen
Obwohl pflanzliche Medikamente gemeinhin als unbedenklich gelten, ist in vielen Fällen dennoch Vorsicht angesagt, besonders bei der Selbstbehandlung. Ein fachkundiger Therapeut sollte zurate gezogen werden, damit die Dosierung genau auf die Diagnose abgestimmt wird und Wirksamkeit, Freiheit von Nebenwirkungen und Verträglichkeit gesichert sind. Denn auf die Dauer oder in zu hoher Dosierung können auch pflanzliche Medikamente toxisch wirken. Wenn sich während der Behandlung kein Heilungserfolg einstellt oder sich der Zustand sogar verschlimmert, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen.

  

Zudem ist die Wirkung eher mild, daher sollte die Phytotherapie bei ernsthaften Erkrankungen keine Alternative zur konventionellen Behandlung darstellen, sondern diese unterstützen.
Während bei einigen pflanzlichen Heilmitteln die Wirkung wissenschaftlich bestätigt werden konnte, fehlt bei anderen der Nachweis der Wirksamkeit.