Pickel durch fettes Essen?

Führt fettes Essen wie Hamburger und Co. zu Hautunreinheiten und Pickel?


Sonnabend. Seit einigen Minuten läuft der neue Fernsehkrimi. Wie immer steigert sich auch dieses Mal die Spannung ins Unerträgliche. Die Jagd nach dem Kriminellen der Woche gestaltet sich schwieriger und schleppender als gedacht. Gedankenlos greift man zu der Schüssel mit den Kartoffel-Chips, auch die Schokolade wird in solchen Momenten gern genossen. Cola und andere stark gesüßte Getränke stehen ebenfalls in Reichweite und werden hemmungslos und in großer Menge konsumiert. Ein paar Tage später, der Krimi ist längst vergessen, kann man dann das unschöne Ergebnis des gemütlichen Fernsehabends bewundern. Der Spiegel zeigt entzündete, rote Pickel, wo vorher glatte Haut war. Aber ist nun des fette Essen schuld oder nicht?

Das ist unsere Haut

  • Um dem Mythos auf die Spur zu kommen, ist es unabdingbar, die Abläufe bei der Entstehung von Hautunreinheiten zu verstehen. Grund für die gemeinhin als Pickel bekannte Akne sind zwei Faktoren: eine Verhornungsstörung und eine vermehrte Talgproduktion.
  • In der Haut entsteht Talg, der normalerweise über die sogenannten Follikelkanäle abfließt. Nun ist aber bei Aknepatienten zusätzlich eine Störung in der Bildung der Hornzellen zu beobachten. Diese Hautzellen kleben aneinander und verstopfen den Ausführungskanal, über den überschüssiges Talg abgeleitet wird.
  • Die Talgfollikel vergrößern sich und bilden zunächst die offenen oder geschlossenen Mitesser. Die schwarzen Pünktchen, medizinisch auch Komedonen genannt, sind nichts anderes als ein die Hautoberfläche verschließender Pfropfen aus Hornzellen. Aufgrund des eingelagertem Melanins zeigen sich Mitesser meist als schwarzer Punkt auf der Haut.
  • Wenn sich jetzt Bakterien – hier ist das Propionibakterium Acnes zu nennen – ansammeln, können sich die harmlosen Mitesser zu eitrigen Pusteln und Fisteln entwickeln, die nach dem Abheilen sogar Narben hinterlassen können. Die Auslöser der Verhornungs- und Talgbildungsstörung sind noch nicht hinreichend geklärt worden.
  • Eine biologische Ursache ist die vermehrte Hormonbildung, die vor allem pubertierenden Teenagern zum Verhängnis wird. Aber auch im Erwachsenenalter produzieren manche Menschen ein Zuviel an männlichen Hormonen (Androgene), die Folgen zeigen sich auf der Haut. Inwieweit nun auch äußere Faktoren, wie etwa die Ernährung, eine Rolle spielen, muss noch näher untersucht werden. 

Ernährung und Akne

  • Dem populären Ernährungsmythos zufolge werden Hautunreinheiten und Pickel zwar nicht ausschließlich, aber doch anteilig durch schlechte Ernährung und fettes Essen mitverursacht. Nicht nur Betroffene, auch Hautärzte sagen, dass eine auf Fett und Zucker basierende Ernährung die Entstehung von Hautproblemen begünstigen oder eine bereits bestehende Akne verschlimmern kann.
  • Vor allem stark fettreiche, intensiv gewürzte und süße Lebensmittel sollen an der Entwicklung einer Akne mitbeteiligt sein. Schokolade, Kartoffelchips, Nüsse und andere ungesunde Knabbereien stehen im Verdacht, einen Akneschub auszulösen. Diese Lebensmittel gelten als „provozierend“, das heißt sie können eine bereits vorhandene Veranlagung intensivieren.
  • Anhänger der Ernährungstheorie sagen, dass die ungesunden Ernährungsgewohnheiten in den westlichen Industrienationen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Akne spielen. Infolge der vermehrten Zufuhr von raffiniertem Zucker und stark kohlenhydratreichen Lebensmitteln steigt die Insulinausschüttung an. Zudem wird ein dem Insulin stark ähnlicher Stoff: IGF-1 gebildet.
  • Bedingt durch diese beiden Stoffe kommt es zu einem Überschuss an männlichen Hormonen (Androgene). Diese sind maßgeblich an der vermehrten Produktion von Talg in der Haut verantwortlich. Wenn man bemerkt, dass sich Hautprobleme nach dem Genuss besonderer Speisen einstellen, sollten Betroffene diese meiden.
  • Aber nicht nur der Konsum bestimmter Nahrungsmittel, auch der Mangel an bestimmten Nährstoffen wird für die unschönen Hautunreinheiten verantwortlich gemacht. Hautärzte sagen, dass vor allem Vitamin A, E und Zink zu einer gesunden Haut beitragen. Bei ausreichender Versorgung mit ebendiesen Nährstoffen heilen die Entzündungen in der Haut schneller ab, denn der Körper kann sich mithilfe der gesunden Vitalstoffe selbst heilen. Als Salbe aufgetragen, wirkt vor allem Zink antibakteriell. 

Hautunreinheiten kein rein biologisches Phänomen

  • Für die Ernährungstheorie spricht, dass bei Eskimos diese bei uns recht verbreiteten Hauterkrankungen unbekannt sind. Voraussetzung für eine gesunde Haut ist bei dieser Volksgruppe die traditionelle Kost, die aus gleichen Anteilen von Omega-6-Fettsäuren (entzündungsfördernd) und Omega-3-Fettsäuren besteht.
  • Sobald die Eskimos jedoch ihre Ernährung dem westlichen Standard angepasst haben, zeigen sich auch bei ihnen Veränderungen der Haut. Während der Zusammenhang zwischen Akne und Ernährung wissenschaftlich noch belegt werden muss, sind andere Faktoren erwiesenermaßen an der Entstehung von Hautunreinheiten beteiligt.
  • So kann eine nicht ausreichende Hygiene oder ein Zuviel an Pflegeaufwand diese Erkrankung begünstigen. Übermäßige Reinigung bewirkt einen gegenteiligen Effekt. Anstatt sich der lästigen Pickel zu entledigen, wird der wichtige Säureschutzmantel zerstört.
  • Auch die Anwendung falscher Pflege- und Kosmetikprodukte kann zu Unreinheiten führen. Falsch heißt in diesem Zusammenhang, dass die Pflege nicht auf den individuellen Hauttyp abgestimmt ist. Häufiger Kontakt mit den Händen, die Keimüberträger Nummer eins sind, und dem Gesicht führt ebenfalls zu Pickeln.
  • Das „Bearbeiten“ der bereits vorhandenen Stellen kann eine Ausbreitung der Entzündung im ganzen Gesicht noch zusätzlich fördern. Hauptursache ist aber ein Hormonungleichgewicht. Dieses kann durch ungeeignete Medikamente oder eine auf die individuelle Situation nicht angepasste Antibabypille noch verstärkt werden, sodass sich verstärkt Hautprobleme zeigen.
  • Auch kurz vor und nach der Menstruation beobachten Frauen eine verstärkte Neigung zu Pickelchen. Starker Stress, Schlafmangel, aber auch starker Zigaretten- und Alkoholkonsum haben - neben fettem Essen - ebenfalls einen großen Einfluss auf die Haut.