Piercings - Körperverletzung oder Körperschmuck?

Piercings sind neben den Tätowierungen die beliebteste Körperverschönerung. Beim Body Piercing wird die entsprechende Stelle zunächst markiert und desinfiziert, um dann die Haut mit einer feinen Nadel zu durchstechen.


Geschichte des Piercings
Alles begann mit dem Ohrläppchen. Bereits kleine Mädchen ließen sich ihre Ohren durchstechen, um sich mit glitzernden Schmuckstücken zu behängen. Es ist bekannt, dass sich bereits 4500 vor Christi die Menschen ihre Ohren durchstechen ließen. Der vielleicht älteste Ohrringträger war der ägyptische Pharao Tutanchamun. Auch in anderen Kulturen war und ist das "Body Piercing" eine Methode, um gesellschaftlichen Status zu demonstrieren.

Teilweise hatte es aber auch religiöse Hintergründe, z.B. um den Göttern zu huldigen. Die westliche Zivilisation entdeckte das Piercen erst in den 90er Jahren des vergangenen Jahrtausends. Neben dem lange etablierten Durchstechen des Ohrläppchens entwickelte man nun auch vielfältige andere Möglichkeiten, den Körper zu löchern. Keine Körperstelle blieb verschont. Zu den beliebtesten Piercings gehören Augenbrauenpiercings, Nasenringe oder auch Zungenpiercings.

 

Piercings als Körperverletzung?
In Deutschland gelten Piercings offiziell als Körperverletzung. Sie können damit sogar strafrechtlich verfolgt werden. Denn Piercings sind erst mit 18 Jahren erlaubt. Minderjährige benötigen die Zustimmung ihrer Eltern. Liegt diese nicht vor, und der Piercer führt den Eingriff dennoch durch, macht er sich strafbar.
Hat man sich für ein Body Piercing entschieden, sollte man sich ausreichend über geeignete Studios informieren. Neben genereller Sauberkeit sollten alle verwendeten Instrumente einzeln verpackt sein und der Einsatz von Handschuhen zum hygienischen Standard gehören. Unter keinen Umständen darf das Durchstechen auf Festivals oder örtlichen Veranstaltungen stattfinden. Schon mancher hat solche Unbesonnenheit mit schweren Infektionen oder ernsten Krankheitserregern bezahlt.

 

Vorgehensweise
In dem Studio wird die entsprechende Stelle desinfiziert und markiert. Eine Zange fixiert die Haut, diese wird dann mit einer Kanüle durchstochen. Anschließend wird das Schmuckstück durch den entstandenen Stichkanal gezogen. Eine andere Möglichkeit ist der so genannte Dermal Punch. Hierbei wird etwa ein acht Millimeter großes Hautstück herausgestanzt. Die bei Piercings verwendeten Schmuckstücke, häufig Stifte mit beidseitig angeschraubten Kugeln (Barbels) oder Ringe, sind in der Regel aus 750er Gold, Titan, Platin oder medizinischem Stahl. Menschen, die sich das erste Mal durchstechen lassen, wird häufig Titanium oder Implantatstahl eingesetzt.
Natürlich ist der Vorgang selbst nicht immer frei von gesundheitlichen Gefahren. Bei falscher Anwendung können Nerven durchtrennt werden oder gefährliche Blutungen auftreten. Auch nach dem Eingriff kann es zu allergischen Reaktionen oder Entzündungen kommen. Um die Komplikationen so gering wie möglich zu halten, ist eine tägliche Pflege des Piercings sehr wichtig.

Piercings im Lippen- oder Zungenbereich können nach mehrjähriger Tragedauer zu Schäden der Zähne und des Zahnfleisches führen. Offen getragene Piercings werden bei extremer Kälte gefährlich, denn lokale Erfrierungsreaktionen sind nicht selten eine Folge von Minusgraden.
Die „freiwillige Körperverletzung“ eignet sich mittlerweile nicht mehr dazu, Aufsehen zu erregen. Fast jeder hat sich irgendein Körperteil durchbohren lassen. Vielmehr geht es nun darum, diese noch neue Form der Körperverschönerung gesellschaftlich zu integrieren. Denn nicht nur Randgruppenmitglieder, auch Sekretärinnen oder Banker haben Piercings. Die modischen Accessoires sind längst nicht mehr nur ein trendiges Lifestyleobjekt sondern alltägliches Allgemeingut.