Plastination: Anatomisch perfekter Grusel

Plastination ist vor allem durch die Ausstellung "Körperwelten" bekannt geworden.


Vielen Menschen graust es vor der Vorstellung, nach dem Tod von Maden zerfressen oder eingeäschert zu werden. Wer diesen eher unappetitlichen Bestattungsformen entgehen will, hat mit der Plastination eine andere – wenn auch nicht ganz unumstrittene Alternative. Das vor allem für wissenschaftliche Zwecke eingesetzte Verfahren ist erst seit Gunter von Hagens Wanderausstellung „Körperwelten“ ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Der Heidelberger Medizinprofessor Hagen entwickelte ein neuartiges Verfahren, mit dessen Hilfe auch größere Objekte konserviert werden konnten.

Einwilligung zur Körperspende

  • Menschen, die ihren Körper der Wissenschaft spenden möchten, müssen eine Willenserklärung unterschreiben, die jedoch – ohne Angabe von Gründen – jederzeit wiederrufen werden kann. 
  • Eine finanzielle Entschädigung für diese noble Geste gibt es nicht. Was es jedoch – zumindest bei von Hagen – völlig gratis gibt, ist der posthume Ruhm und die Gewissheit in einer Ausstellung zu unterhalten, gruseln und zu lehren. 

Verfahren der Plastination

  • Das Verfahren zur Konservierung von Gewebe lässt sich in vier Schritte unterteilen. 

1. Zunächst wird das Gewebe in Formalin gelegt und so stabilisiert. Es kann nun nicht mehr verfallen oder sich zersetzen.
2. Im nächsten Schritt erfolgt die Entwässerung und Entfettung des Gewebes. Dies geschieht mithilfe eines Aceton-Bades, das eine Temperatur von -25 Grad hat. Das Gewebswasser gefriert und das Aceton löst Wasser und Fett aus den Zellen. Am Ende dieses Prozesses ist jegliche Zellflüssigkeit durch Aceton ersetzt.
3. Der dritte Schritt nennt sich „Forcierte Imprägnierung“. Hierbei wird das Präparat in einer Kunststofflösung unter Vakuum gesetzt. Das Aceton verlässt das Gewebe, der Volumendefizit wird durch den Kunststoff ausgeglichen. Das Gewebe ist nun vollständig mit Kunststoff durchsetzt
4. Letztendlich erfolgt die Härtung des Kunststoffs, entweder durch Wärme oder UV-Licht.

  • So vorbereitet kann das Organ oder die Leichen in Scheiben geschnitten werden (Scheibenplastinate). Durch das von Hagen entwickelte Verfahren sind auch Vollplastinate möglich, das heißt der ganze Körper kann in seiner konservierten Form genutzt werden.

Kritik an den „Körperwelten“

  • Durch die „Körperwelten“-Ausstellung ist in Vergessenheit geraten, dass das Verfahren der Plastination vor allem einen lehrenden Sinn haben und Medizinstudenten die Anatomie des Menschen näherbringen sollen. Obwohl auch von Hagen gern betont, dass er ein didaktisches Ziel verfolgt und den Menschen mit den Plastinaten ihren eigenen Körper mitsamt seiner vielen Funktionen zeigen möchte, scheint es oft, als gehe es nicht so sehr um den anatomischen Lehrwert sondern um eine möglichst spektakuläre Präsentation der Leichen. 
  • Hagen selbst sagt über seine Ausstellung: „Es ist das anatomische Theater der Moderne.“ Und mit einem Schauspiel lassen sich viele Szenen auch ganz gut beschreiben. so etwa eine tote Schwangere, die uns ihr Ungeborenes zeigt. Oder neu im Programm: zwei Menschen, die ein romantisches Schäferstündchen genießen. Das Pikante: Die beiden Spender kannten sich im Leben nicht, sondern fanden erst im Tod zueinander.