Positive Psychologie: Das Rezept zum Glück

Sie neigen auch dazu, immer nur Fehler an sich selbst zu sehen? Dann sollten Sie sich die positive Psychologie genauer ansehen.


Alles begann, als Martin Seligmann, seines Zeichens Psychologe, in seinem Garten Unkraut jäten wollte. Seine fünfjährige Tochter sollte helfen, sprang aber lieber vergnügt im Blumenbeet herum und spielte mit Schnecken. Als Seligmann der Geduldsfaden riss und er seine Tochter anschrie, erwiderte diese: „Das war das Schwierigste, was ich je gemacht habe. Und wenn ich aufhören kann zu weinen, kannst du auch aufhören, zu schimpfen und zu schreien.“ Die Tochter bezog sich damit auf die Tatsache, dass sie sich vor ein paar Monaten bewusst dazu entschlossen habe von einer Heulsuse zu einer erwachseneren Version ihrer selbst zu werden.
Soweit die Legende. Was folgte war ein aufsehenerregender Vortrag auf einer Psychologenkonferenz, auf der Seligmann sein Konzept der positiven Psychologie vorstellte. Man solle sich doch daran erinnern, welche Ziele man einst verfolgt habe. Und dazu gehörte neben der Behandlung psychischer Probleme eben auch die Verbesserung der Lebensqualität. Kurzum: Die Fachwelt war begeistert, Seligmann galt fortan als Wegbereiter der neuen Disziplin und Entdecker der Psychologie des Glücks.

Positive Psychologie - die Ziele
Die Ziele der positiven Psychologie lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Wie kann jeder einzelne daran arbeiten, ein besseres, erfolgreicheres und längeres Leben zu führen. Anstatt ständig an den Schwächen herumzudoktern und diese zu behandeln, sollte man lieber die vorhandenen Stärken trainieren – so die Idee. „Nur“ 30 Prozent aller Menschen erkranken irgendwann in ihrem Leben an einer psychischen Erkrankung, im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass all die anderen automatisch zufrieden und glücklich sind. Bei der positiven Psychologie geht es nun darum, die Gesunden zu unterstützen, bei der klassischen Form ist das Hauptziel, den Kranken zu helfen.
Seligmann selbst hat sich besonders der Erforschung des Optimismus verschrieben. Er ist der Meinung, dass jeder mithilfe der vorhandenen Stärken lernen kann, ein zufriedener Mensch zu sein.

Glück ist erlernbar
Gemäß der alten Volksweisheit „Glück ist machbar, Herr Nachbar“, ist Zufriedenheit kein Schicksalsweg sondern das Ergebnis von gezieltem Charakter- und Persönlichkeitstraining. In Studien kam heraus, dass in jeder Gesellschaft – ganz gleich ob es sich dabei um einen Stamm oder eine hochzivilisierte Kultur handelte – dieselben Tugenden geschätzt werden: Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigung, Transzendenz, Mut und Menschlichkeit. Diese Qualitäten sind für das Glück so wichtig wie für den Menschen der aufrechte Gang.
Besonders entscheidend für eine hohe Lebenszufriedenheit sind Humor, Dankbarkeit, Ausdauer und Enthusiasmus. Jahrelang haben wir gelernt, niemals zufrieden zu sein, weil dieses und jenes verbesserungswürdig ist. In der positiven Psychologie geht es nun darum, das bereits Vorhandene Positive zu finden und weiterzuentwickeln.

Zufriedenere Mitarbeiter dank positiver Psychologie
Ein großer Elektronikdiscounter zeigte bereits, was alles möglich ist, wenn man an die positive Psychologie glaubt. Hier wurden die Mitarbeiter gezielt einem Stärkentest unterzogen, herauskam, dass viele völlig fehlbesetzt waren. Nach großen Verschiebungen im Personalgefüge und etlichen gezielten Weiterbildungen konnte der Betrieb seinen Umsatz enorm steigern. Nicht zu vergessen: Die Motivation und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter stieg an, denn das Gefühl „Ich tue jeden Tag genau das, was ich am besten kann“, ist ein zuverlässiger Glücksgarant am Arbeitsplatz.