Potenzschwäche durch Fahrrad fahren?

Kann Fahrrad fahren beim Mann eine Potenzschwäche auslösen?


Man kennt ihn aus dem Fernsehen. Sein Gesicht kann der interessierte Sportfan immer dann auf dem Bildschirm sehen, wenn große Radsportereignisse anstehen. Er ist der Prototyp des männlichen Radlers. Ein perfekt trainierter Körper, angespannte Muskeln, eng sitzendes Trikot. Wenn er auf seinen Rennräder Platz nimmt, ist er eins mit seinem Sportgerät. Der Körper wird zur gut funktionierenden Maschine. Der Asphalt rast vorbei, wenn er in die Pedale tritt. Der Schweiß tritt auf die Stirn, die Spucke läuft aus dem Mund. Die Anstrengungen sind ihm ins Gesicht geschrieben. Er mobilisiert seine letzten Kräfte, auch die Reserven werden angezapft, ein letzter Schluck aus der Flasche. Das Ziel liegt vor ihm. Nach dem Wettkampf, die Ehefrau gratuliert, beide wollen den Sieg feiern. Es wird gemütlich, es geht zur Sache, bis plötzlich nichts mehr geht. Erektionsstörung lautet die spätere Diagnose.

Altbekanntes Prinzip
Bereits zu Leonardo da Vincis Zeiten war das Fahrrad bekannt. Das bewährte, auch heute noch genutzte Prinzip der Ketten kann man im Codex Atlanticus – dem Werk, das alle bekannten Zeichnungen des Universalgenies enthält – ansehen. Auch der dort gezeigte Sattel ist dem unseren in seiner Form sehr ähnlich. Es ist die Standardvariante, an der Fronseite der nach vorne springende Teil, auch als Nase bezeichnet, eine glänzend schwarze Sitzfläche.

Die Anatomie des Mannes
Wenn der Mensch sitzt, wird sein gesamtes Gewicht von den sogenannten Sitzbeinhöckern in der Umgangssprache auch als Gesäßknochen bekannt, getragen. Diese Höcker sind mit keinerlei Organen, Nerven oder Arterien verbunden. Sie sind vom Fett und den Muskeln der Pobacken umschlossen. Außerdem ist dieses Gebiet sehr gut durchblutet. Auf den Pobacken kann der Mensch bequem für mehrere Stunden sitzen, ohne dass Schmerzen auftreten. Leider verlagern die meisten Radfahrer ihr Gewicht auf einen Sattel, der nicht breit genug ist, den Sitzbeinhöcker zu unterstützen. Als Folge rutschen sie weiter nach vorne und verlagern ihr Gewicht auf die Genitalien, um den nötigen Halt zu haben. Genau auf der Stelle, wo die Nerven und Arterien des Penis zusammenführen, dem Damm, liegt nun das gesamte Körpergewicht. Die Konsequenzen sind vorhersehbar, die Nerven- und Blutgefäße werden abgedrückt, die Schwellkörper gequetscht.

Weggeradelte Manneskraft
Bereits Hippokrates wies bereits im 9. Jahrhundert vor Christus auf die schädlichen Einflüsse vom Reiten auf die männliche Potenz hin. Dass auch das Radfahren impotent machen kann, ist inzwischen bewiesen. So leiden Profiradsportler überdurchschnittlich oft an Erektionsstörungen. Eine 1997 in Norwegen durchgeführte Untersuchung erbrachte den Nachweis, dass Männer, die viel Fahrrad fahren, besonders gefährdet sind, ihre empfindlichen Geschlechtsteile dauerhaft in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Forscher hatten männliche Amateurfahrer befragt, nachdem diese eine Strecke von 540 Kilometern gefahren waren. 22 Prozent der Gruppe berichtete von einem allgemeinen Sensibilitätsverlust und Taubheitsgefühl in den Genitalien, gar 13 Prozent beobachteten in den Tagen nach der Fahrt Erektionsstörungen. Der Bostoner Irwin Goldstein untermauerte die Ergebnisse mit Beobachtungen der Mitglieder eines Radvereins. Diese verbringen wöchentlich zwischen sechs und elf Stunden auf dem Rad. Auch sie klagten über anhaltende Taubheitsgefühle und Sensibilitätsverluste in der Genitalregion. Das Ausmaß der Schädigung ist demnach wesentlich von der Dauer abhängig, die Mann, auf dem Fahrradsattel verbringt. Umso länger die männliche Genitalregion unter Druck gesetzt wird, umso gravierender waren die beobachten Folgeerscheinungen.

Gestörte Manneskraft bis in alle Ewigkeit?
Bislang liegen keine Studien zu den Langzeitfolgen intensiven Radfahrens vor, doch es gibt Anzeichen, dass dauerhaftes Radfahren sehr schädlich für die männlichen Genitalien ist. Zu den bekannten Störfaktoren zählen die chronische Erektile Dysfunktion (ED), ein Hodentrauma, eine Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis) und der Nebenhodenzysten. Auch das sogenannte „Saddle Trauma“, eine stumpfe Prellung an Hoden und Penis, wurde bereits vereinzelt beobachtet. Außerdem können die Schwellkörper dauerhaft geschädigt werden, sodass eine Erektion überhaupt nicht mehr möglich ist. Auch das Risiko an einem Hodentumor zu erkranken, steigt an: Bei Profisportlern ist es etwa doppelt so hoch wie bei nicht-Rad-fahrenden Menschen. Die meisten Beeinträchtigungen jedoch treten nur kurzzeitig auf und verschwinden nach einiger Zeit von selbst.

Der Sattel
Es ist ein bisschen wie mit dem Schuhkauf, bekanntlich ist ja jeder Fuß unterschiedlich. Auch das menschliche Hinterteil kommt in tausend verschiedenen Formen und Größen daher. Den richtigen Sattel zu finden, kann sich daher enorm schwierig gestalten. Nicht die Polsterung sorgt für das optimale Wohlgefühl, sondern die Sattelform. In guten Geschäften wird der Händler einen Abdruck vom Po nehmen und die Sitzhöcker vermessen, um den idealen Sattel zu empfehlen. Desto schlechter ein Sattel an die anatomischen Gegebenheiten des Fahrers angepasst ist, umso größer ist der Druck auf die Blutgefäße und die Nerven. Die ideale Wahl ist ein ergonomisch geformter Sattel, der die Sitzbeinhöcker des Gesäßes unterstützt und eine Entlastungszone im Genitalbereich bietet. Ein breiter Sattel ist grundsätzlich besser geeignet als ein schmaler, so Sportmediziner. Denn ein schmaler Sattel führt auf Dauer zu Quetschungen, da er einen hohen Druck auf den Damm ausübt.

Rat der Sportmediziner
Aber nicht nur der Sattel selbst hat einen entscheidenden Einfluss auf die Manneskraft. Auch die befahrene Strecke spielt eine große Rolle, so sind ebene Straßen besser als ein Wald- und Wiesen-Kurs, weil sie keine Stöße auf den empfindlichen Genitalbereich verursachen. Auch sollte man auf längeren Touren immer mal wieder die Position wechseln. Der Übergang zwischen stehendem und sitzendem Fahren ist bei längeren Strecken durchaus angezeigt.
Menschen, die viel Rad fahren, sollten sich spezielle Kleidung zulegen, zum wichtigsten Utensil gehört die nahtlose, im Schritt verstärkte, Radlerhose. Fahrrad fahren sollte optimal auf die Begebenheiten des Fahrers abgestimmt sein, um mögliche Schäden der Genitalien zu verhindern. Die richtige Höhenjustierung gehört ebenso dazu wie die korrekte Sattelposition – der Sattel sollte waagerecht zum Lenker bis leicht nach vorne gebeugt ausgerichtet sein.
Freizeitradler aber auch Profisportler sollten auf die typische „Nase“- den vorspringenden vorderen Teil des Sattels, verzichten und stattdessen einen auf die individuellen Bedürfnisse angepassten Sitz mit Aussparungen für die Genitalien zurückgreifen.

Das Fahrrad als Potenzhilfe
Besonders aktive Pedalritter können sich ausgezeichneter Gesundheit erfreuen, so ist Radfahren eine ideale Möglichkeit, das gesamte Herz-Kreislauf-System zu stärken und lange vital zu bleiben. Es ist mittlerweile erwiesen, dass das Herzinfarktrisiko radelnder Menschen 50 Prozent geringer liegt. Die Erklärung ist einleuchtend. Durch das regelmäßige Training erhöht sich das Schlagvolumen, die Pumpleistung geht zurück; kurz: Das Herz arbeitet ökonomischer und wird weniger belastet. Andere Gesund-Effekte sind ebenso beeindruckend. So wird das positive HDL-Cholesterin erhöht, während die schlechte LDL-Form während des Fahrens vom Körper abgebaut wird. LDL-Cholesterin ist besonders schädlich, weil es zu den gefährlichen Ablagerungen in den Arterien führt, die langfristig eine Sklerose und schließlich zum Infarkt führen. Wenn das Rad auf die individuellen Bedürfnisse des Radfahrers abgestimmt ist, das Zubehör richtig eingestellt ist und die Fahrposition stimmt, kann Radfahren sogar die Potenz stärken, denn eine gute gesamtkörperliche Kondition wirkt sich positiv auf die Ausdauer aus.