Ein Schlaganfall bringt meist vielfältige Veränderungen mit sich, körperliche Beeinträchtigungen und geistige Störungen bringen den gesamten Alltag durcheinander. Gegenstände nicht mehr richtig halten zu können, das Autofahren aufzugeben oder nicht mehr in der Lage sein, sich allein anzuziehen. Aus einem selbstständigen, unabhängigen Menschen wird von einem Tag auf den anderen ein hilfsbedürftiger Patient, der sich oft Unterstützung bei den alltäglichen Verrichtungen erbeten muss. Diese großen Veränderungen bewirken nicht selten Unmut, Hoffnungslosigkeit und tiefe Traurigkeit. Oftmals verändert sich das ganze Wesen eines Schlaganfall-Überlebenden – aggressive Tendenzen, starke Stimmungsschwankungen und fehlender Antrieb gehören von nun an zum Alltag vieler Betroffener. Auch die Ausbildung von Angst- und Panikstörungen oder einer Alkoholsucht sind mögliche psychische Folgen.
Post-Stroke Depression
Neben den bekannten Folgen eines Schlaganfalls wie Lähmungen und Schwierigkeiten beim Sprechen treten sehr oft auch psychische Folgen auf. Man geht davon aus, dass mindestens jeder vierte Überlebende eines Apoplex mit Depressionen zu kämpfen hat. Dies betrifft vor allem solche Menschen, die einen ischämischen Schlaganfall erlitten haben.
Von einer sogenannten Post-Stroke Depression spricht man, wenn sich depressive Symptome auch über die 14-Tage-Frist hinaus zeigen. Dabei treten besonders Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Gewichtsveränderungen und Selbstmordgedanken in Erscheinung. Auch aggressives oder apathisches Verhalten sowie ausgeprägte Traurigkeit kann auf eine solche psychische Lage hinweisen. Vielfach ist die Abgrenzung zu einer bereits vor dem Schlaganfall aufgetretenen Depression schwierig.
Ursachen
Über die Ursachen herrscht nach wie vor Unklarheit. Zum einen werden Probleme im Umgang mit der neuen Situation als Auslöser vermutet. Das Bewusstsein, dem Tod so nahe gewesen zu sein, zu spüren, dass das Leben endlich ist, kann eine große Belastung für die Betroffenen sein. Besondere Schwierigkeiten bereitet auch das Leben mit den Einschränkungen, die für sie wesentlich mehr Abhängigkeit von anderen bedeutet: Viele sind nach dem Schlaganfall ein Pflegefall, können sich nicht ohne Hilfe fortbewegen, sind bei vielen Tätigkeiten auf Unterstützung angewiesen und haben Probleme, sich verständlich zu machen. Besonders gravierend ist die Umstellung für vormals Berufstätige, die diesen nun nicht mehr ausüben können. Der ganze Tagesablauf muss neu organisiert werden. Abhängig ist die Neigung zu Depressionen nach einem solchen Umsturz vor allem von den persönlichen Bewältigungsstrategien für solche gravierenden Veränderungen.
Andere Untersuchungen sehen die Ursachen für Depressionen in der Folge eines Schlaganfalls im körperlichen Bereich. Sie vermuten, dass der Hirninfarkt Veränderungen im Gehirn hervorruft. Einige Forschungsergebnisse zeigen Anomalien des Hirngewebes in dem Bereich, der für die Gefühlssteuerung verantwortlich gemacht wird.
Die diesbezüglich unklare Forschungslage macht die Behandlung der sogenannten Post-Stroke-Depressionen schwierig. Vielfach werden sie auch gar nicht erst erkannt, da Untersuchungen der Psyche nach einem Schlaganfall nicht zum Standardrepertoire gehören. Dabei geht man davon aus, dass Patienten mit solchen Folgeerscheinungen das Gesundheitssystem wesentlich mehr belasten als solche ohne depressive Symptome. Die Depressionen scheinen Auswirkungen sowohl auf den Erfolg der Rehabilitation als auch auf die Sterblichkeitsrate zu haben. Als Mittel der Therapie sind besonders Formen der aktiven Beteiligung der Patienten wirksam. Auch die Teilnahme an Bewegungsprogrammen im Rahmen der Rehabilitation hat sich als effektiv erwiesen. Keine sicheren Erkenntnisse gibt es über den Einsatz von Antidepressiva in der Behandlung.