Psychologie des Wohnens: Entdecke dich selbst

In der Psychologie des Wohnens geht es darum, sich in den eigenen vier Wänden rundum wohlzufühlen.


Menschen wohnen höchst unterschiedlich. Die einen nennen ein 300 Quadratmeter großes Loft im Herzen einer Großstadt ihr Eigen, die mit Designermöbeln und dem gewissen Hauch Luxus ausgestattet ist. Andere wiederum haben es sich in einer 2-Zimmer-Wohnung am Stadtrand gemütlich gemacht. Die Einrichtung besteht aus Erinnerungs- und Erbstücken sowie buntem Kitsch und Tand. Nostalgie und Gemütlichkeit strömen aus jeder Pore des Heims, sodass sich jeder Gast sogleich wie zuhause fühlen wird. Ein wenig Staub wird man hier immer finden, gleichwohl aber auch das Gefühl jederzeit willkommen zu sein. Was jedoch allen gemein ist, dass sie sich abseits der Arbeits- und Geschäftswelt ein Refugium geschaffen haben, eingerichtet mit Dingen des persönlichen Geschmacks, geliebten Objekten und dekorativen Gegenständen. Nicht immer ist jedoch klar, warum gerade dieses oder jene Bild soviel Glücksseligkeit in uns auslöst.

Sich in die eigenen vier Wände zurückziehen: Cocooning
Vor ein paar Jahren hörte man es überall, das Zauberwort Cocooning, jenen seltsamen Zustand abseits der Realität, der Berufstätige, Mittelständler und Studenten vermehrt dazu antrieb, sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen. Trendforscherin Faith Popcorn betitelte das Lebensgefühl des Rückzugs in das eigene Selbst, das zuvor bereits unter den Namen „Cosy Home“ bekannt gewesen war. Cocooning, das Einhüllen, das Zurückziehen, der vorübergehende Ausstieg aus der Welt wurde alsbald vom „Homing“ abgelöst. Auch hier ist das Zuhause wieder der Lebensmittelpunkt. Im Gegensatz zum Cocooning aber findet das soziale Leben weiterhin statt, jetzt jedoch im kuscheligen Zuhause anstatt in einer anonymen Kneipe oder einem überfüllten Café. Man lässt andere teilhaben am Zuhause-Gefühl, lässt andere ein, in seine individuell gestaltete Welt.

Trautes Heim, Glück allein
Selbst wer sich ausschließlich mit Möbeln des Schwedendiscounters einrichtet, trägt ein Stück seiner Persönlichkeit in die eigenen Räume. Denn die funktionalen Einfachmöbel verkörpern Modernität, Jugendlichkeit und meist die Entscheidung, mit dem Strom zu schwimmen. Das Haus oder die Wohnung wird zum Spiegel unseres Selbst. Aber egal ob die Einrichtung ein Sammelsurium aus Flohmarkt und Sperrmüll ist oder sich aus antiken Erbstücken unserer Vorfahren zusammensetzt – solange wir die Wahl getroffen haben, was wir in unserem Umfeld möchten, stellt sich das Zuhause-Gefühl ganz automatisch ein. Anders ist es beispielsweise in einem Hotelzimmer oder fertig eingerichteten Wohnungen – denn Psychologen haben festgestellt, dass das Zuhause-Gefühl eng mit unserer Persönlichkeit verknüpft ist. Kindheitserinnerungen, etwa ein Bild an der Wand des Elternwohnzimmers oder der Duft eines frisch gebackenen Kuchens haben unbewusst Einfluss auf zukünftige Kaufentscheidungen. Möbel, die uns an das Elternhaus erinnern, vermitteln ein gutes Gefühl, das wir auch in den eigenen vier Wänden wieder herstellen möchten.
Laut Psychotherapeut Carl Gustav Jung ist der Schlüssel zu diesen diffusen Gefühl unser Unterbewusstes. So werden wir immer nach der Wohnumgebung suchen, die dem aktuellen Stand unserer Persönlichkeit entspricht. Traut man also seiner Intuition und lässt sein Unterbewusstes ans Tageslicht, kann man viel über sich selbst erfahren.

Pantoffeltouren: Entdeckungstouren durch Museen des Alltags
Wer einmal das Innenleben anderer Menschen entdecken möchte, kann dies seit ein paar Jahren auf der sogenannten „Pantoffeltour“. Den Namen bekam der Rundgang durch fremde Wohnungen, weil sich die Besucher vor Betreten der Räume Filzpantoffeln überstreifen. Erfindern ist eine Berlinerin, die nun Interessierten Einblicke, nicht nur in andere Einrichtungsstile, sondern auch die Skurrilitäten des menschlichen Alltags eröffnet. Die ausgewählten Wohnungen sollen einen repräsentativen Querschnitt durch das ganz normale Leben sein, betont Initiatorin Kerstin Kliemt.

In den folgenden Artikeln gehen wir dem Phänomen Wohnen auf den Grund. Wie entsteht das typische Zuhause-Gefühl, wie wirkt sich der Bau eines Eigenheims auf eine Paarbeziehung aus und welche Wirkung haben Farben auf das Wohngefühl?