Wer kennt das nicht von früher: Kleine Hänseleien und Gerangel in der Pause gehörten zur Schule wie das tägliche Butterbrot von Mama. Ist „Mobbing“ also nur ein neues Wort für etwas Altbekanntes oder steckt mehr dahinter? Mobbing in der Schule ist kein harmloses Necken, sondern bedeutet psychischen und seelischen Stress für Kinder. Sie sind Opfer von Demütigungen, Drohungen und Verleumdungen.
Täter sind auch oft Opfer
In einigen Fällen kommt es sogar zur Gewaltanwendung, wobei das Entwenden von Handys oder Schuhen als die harmlosere Variante angesehen werden kann. Aus einer Studie der Uni Koblenz geht hervor, dass jährlich 370 000 Schüler verunglücken. 26 Prozent sind Opfer von Gewalttaten, sie wurden von ihren Mitschülern geschlagen, geboxt und getreten. Die Mehrzahl der Mobbing-Opfer ist zwischen 10 und 15 Jahre alt. Die Täter zeichnen sich durch ein geringes Selbstwertgefühl aus, das sie durch ihre Aggressionen gegen andere Kinder vertuschen wollen. Sie suchen sich gezielt Opfer aus, die schüchtern sind oder offensichtliche Schwächen haben: beispielsweise Kinder, die unter einem Sprachfehler leiden.
Mobbing erkennen
Das Fatale daran ist, dass die soziale Stellung und die psychische Verfassung der Opfer dabei immer weiter geschwächt wird und die Täter im Gegenzug immer dreister handeln können. Eltern und Lehrer bemerken die Anzeichen für Mobbing meistens erst sehr spät. Denn die misshandelten Kinder versuchen oft, ihre Probleme für sich zu behalten, weil sie sich schämen. Trotzdem gibt es Signale, die Eltern lesen können. Wenn das Kind mit zerrissenen Kleidungsstücken und zerfetzten Büchern nach Hause kommt oder Verletzungen hat, sind das offensichtliche Anzeichen für Mobbing.
Etwas unauffälliger sind emotionale Veränderungen oder Auswirkungen auf das Sozialverhalten: Das Kind wird durch Mobbing in der Schule schlechter, es ist verschlossener als früher, tyrannisiert kleinere Geschwister, nimmt Freunde nicht mehr mit zu sich nach Hause oder möchte nicht gerne in die Schule gehen. Auch Essprobleme, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen können auftreten. Besonders bei Mädchen sind die Anzeichen meist unauffällig, da Mädchen anders mobben und gemobbt werden als Jungs: Sie verbreiten eher Gerüchte statt zu schlagen oder zu treten.
Helfen Sie Ihrem Kind!
Entdecken Eltern Mobbing-Symptome bei ihrem Nachwuchs, sollten sie nicht übereilt handeln, sondern die Meinung ihres Kindes einholen. Zunächst sollte vorsichtig nachgefragt werden, ob an dem Verdacht etwas dran sein könnte. Bestätigt sich die Vermutung, sollten Eltern ihrem Kind vor allem klar machen, dass sie hinter ihm stehen. Lehrer oder Schulpsychologen können in dieser Situation helfen und sollten daher ins Vertrauen gezogen werden. Die Täter-Kinder oder deren Eltern mit dem Vorwurf zu konfrontieren bringt häufig nichts. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass auch den Tätern geholfen werden muss, denn sie tragen sonst immer weiter die Probleme mit sich herum, die zu ihrem Verhalten geführt haben.