Raucherentwöhung durch Aversionstherapie

Zur Raucherentwöhnung gibt es immer mehr Strategien. Die Aversionstherapie ist eine Verhaltenstherapie, die bei den verschiedensten Suchtkrankheiten zum Einsatz kommt.


Die Aversionstherapie ist eine Form der Verhaltenstherapie. Sie wird bevorzugt bei Suchtkrankheiten, wie zur Raucherentwöhnung, eingesetzt und folgt dem Grundsatz „Was erlernt werden kann, kann auch wieder verlernt werden.“ Zu diesem Zweck nutzt sie das Prinzip der Konditionierung. Mithilfe verschiedener Reize soll neues Verhalten erlernt werden.

 

Die umgekehrte Konditionierung funktioniert nun folgendermaßen: mit der angenehmen Erfahrung des Rauchens – diese entsteht vornehmlich durch die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin –wird ein negativer Stimulus kombiniert. Diese unschöne Erfahrung kann auf unterschiedliche Weise erzeugt werden. Häufig kommen leichte Elektroschocks zum Einsatz, die dem Raucher verabreicht werden, wenn er zur Zigarette greift oder raucht. Vielfach wird auch die Methode der Visualisierung eingesetzt. Hierbei werden die mit dem Rauchen verbundenen positiven Assoziationen durch negative Gedanken und Bilder ersetzt. Um diese zu erzeugen, werden dem Raucher beim Rauchen Bilder von schwarzen Lungen oder Raucherbeinen gezeigt. Die am häufigsten zum Einsatz kommende Methode ist jedoch die des exzessiven Rauchens. Der Raucher soll so viele Zigaretten rauchen, bis ihm übel wird. Wenn er das nächste Mal das Verlangen nach einer Zigarette verspürt, sollen diese Beschwerden ihn davon abhalten.

Kritik
Eindeutige Studien zur Wirksamkeit dieses Verfahrens existieren nicht. Während manche Forscher der Methode eine sehr hohe Erfolgsrate bescheinigen, sagen andere, dass die Aversionstherapie zur Nikotinentwöhnung gänzlich ungeeignet ist. Zudem ist besonders das exzessive Rauchen nicht ganz ungefährlich. Durch die in kurzer Zeit zugeführten hohen Nikotinwerte, ist eine Vergiftung möglich. Deshalb sollten nur gesunde Personen überhaupt eine solche Therapie in Erwägung ziehen.

Hohe Schockwirkung – hoher Erfolg?
Auch die Wirksamkeit der eingesetzten Schockeffekte ist stark umstritten. So kann selbst ein sehr starker Reiz einen Rückfall in alte Gewohnheiten nicht ausschließen. In den 1960er Jahren, hier hatte die Aversionstherapie ihre große Blüte, sollten Alkoholiker von ihrer Sucht entwöhnt werden. Den Testpersonen wurde direkt nach dem Konsum alkoholischer Getränke, ohne ihr Wissen, ein muskellähmendes Medikament injiziert. Infolgedessen waren die Teilnehmer vollständig unbeweglich, auch die Atmung setzte aus, manche mussten gar künstlich beatmet werden. Obwohl die Teilnehmer bei dem Experiment selbst Todesangst verspürt hatten, waren die Ergebnisse sehr gemischt. Einige rührten nie wieder einen Tropfen Alkohol an, andere mussten den Schock mit Whiskey verarbeiten und einer der Probanden konnte seine Frau nicht mehr küssen, nachdem sie Alkohol getrunken hatte. Nach einem Jahr hatte die Mehrzahl der Teilnehmer wieder angefangen zu trinken. Zur Raucherentwöhnung ist diese extreme Form der Schocktherapie also nicht geeignet.