Rückenschmerzen und Psyche

Seelische Belastungen und Stress können sich ebenfalls in Rückenschmerzen nierdeschlagen. Durch unsere Stimmung werden verschiedene Botenstoffe und Nerven aktiviert, die uns Verspannen lassen. Demnach hängen häufige Rückenschmerzen und Psyche oft zusammen.


Die Seele und der Körper sind unzertrennlich miteinander verbunden. Fühlen wir uns überfordert oder traurig, hat dies gravierende Auswirkungen auf unseren Körper, also auch auf den Rücken. Jeder dritte Schmerzpatient leidet an einer depressiven Stimmung und depressive Menschen haben überdurchschnittlich oft Rückenschmerzen. Rückenschmerzen und Psyche sind also oft miteinander verbunden. Im Rückgrat sitzt ein Teil unseres Zentralen Nervensystems (ZNS). Hier laufen alle Signale aus dem Körper zusammen und auch das Gehirn verteilt die Botschaften über das Rückenmark und die Spinalnerven. Bei Stress, Sorgen, Angst und Wut werden also auch die Nerven in unserem Rücken aktiviert. Dadurch wird die Rückenmuskulatur angespannt, was wiederum zu Schmerzen führt.

Die Botenstoffe
Botenstoffe des Gehirns und des ZNS übertragen unsere Gefühle auf den Körper. Wenn wir uns freuen, schüttet das Gehirn das Glückshormon Endorphin aus, das ein körpereigenes Schmerzmittel darstellt. Fühlen wir uns gut, empfinden wir auch weniger Schmerz. Aber nicht nur durch positive Gedanken werden diese Botenstoffe aktiviert. Auch bei Stress kommen sie zum Einsatz. Endorphine hemmen den Schmerz auch bei Stress, aber leider nur kurzfristig. In früheren Zeiten reichte dies aus, um vor einem Angriff eines Raubtiers zu fliehen oder einen Kampf zu überstehen. Ein weiteres Hormon, das Adrenalin, wird ebenfalls unter Stress ausgeschüttet. Es lässt den Blutdruck in die Höhe schnellen und unsere Muskeln spannen sich an. Jetzt könnten wir ebenfalls fliehen oder kämpfen. Das Problem besteht nun darin, dass wir weder das Eine noch das Andere tun müssen. Adrenalin wird nicht wieder abgebaut, wenn wir uns nicht bewegen, sondern stattdessen versuchen eine Lösung zu finden, wie wir beispielsweise die ganzen Rechnungen bezahlen oder den Job behalten können. Unser Körper bleibt in Alarmbereitschaft, genau wie die Muskeln. Diese Daueranspannung führt zu einer Verkrampfung und diese wiederum zu Schmerzen. Der dritte Botenstoff heißt Kortisol. Es wird ebenfalls in akuten Stresssituationen produziert und lässt uns den Schmerz vergessen. Stehen wir aber unter Dauerstress, fährt das Gehirn irgendwann die Produktion stark herunter und wir werden schmerzempfindlich.

Die Nerven
Es existieren zwei verschiedene Nervensysteme in unserem Körper. Der Sympathikus ist für Aktivität und Wachzustand verantwortlich, während der Parasympathikus für die Entspannung zuständig ist. Das sympathische Nervensystem fährt unser Herz-Kreislauf-System hoch, der Blutdruck steigt und die Haut wird weniger durchblutet. Die Körpertemperatur steigt an und wir fangen an zu schwitzen. Die Muskeln spannen sich an, die Verdauung ist herabgesetzt. Wir sind jetzt angespannt und hellwach. Der Sympathikus wird aktiviert, wenn wir unter Stress stehen, also wenn wir Ärger mit dem Chef oder den Kollegen haben, uns mit dem Partner streiten oder Auto fahren beziehungsweise im Stau stehen. Dieses sympathische System wurde in der Evolution früher entwickelt als das parasympathische System. Es ist dadurch stärker ausgebildet und öfter in Betrieb. Wir neigen aufgrund dessen eher dazu unter Stress zu stehen, als uns zu entspannen.
Der Parasympathikus, auf der anderen Seite, senkt die Muskelspannung, die Herzaktivität und den Blutdruck. Die Verdauung wird wieder angeregt. Man kann lernen das parasympathische System bewusst zu aktivieren. Man darf sich aber nicht unter Druck setzen, einen Entspannungszustand zu erreichen. Dies führt wieder zu Stress, bewirkt also genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Sie können durch Yoga, progressive Muskelentspannung oder autogenes Training Techniken erlernen, die Ihnen bei der Entspannung helfen.