Saporoshez: Das Kultauto aus der Ukraine

Der Saporoshez ist eine Erfolgsgeschichte ohne Beispiel: Wie die "Tajgatrommel" zu einem populären PKW wurde.


Die Entstehungsgeschichte des Saporoshez klingt wie ein Märchen. In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine echte Erfolgsgeschichte: Abram J. Koop, ein Russe mit deutschen Wurzeln, gründete 1863 ein Unternehmen aus vier bereits bestehenden Fabriken. Koop und seine Ahnen gehörten zu einer christlichen Minderheit, den sogenannten Mennoniten.
Nach der Gründung der Abram J. Koop Aktiengesellschaft konzentrierte sich das Unternehmen, aus dem die Saporischjaer Automobilwerke (ZAZ) hervorgingen, zunächst hauptsächlich auf die Herstellung von Maschinen für die Landwirtschaft. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts erweiterte sich die Produktion unter anderem auf Dreschmaschinen. Doch schon 1959 stellte das Unternehmen einen ersten Entwurf eines Automobils vor. Mit dem schwungvollen Namen „ZAZ-965 Saporoshez“ wurde das Fahrzeug ab 1960 serienmäßig produziert.

Eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang

Der nach der gleichnamigen Stadt Saporoschschja benannte Wagen mutierte in der Folgezeit, vor allem in den 60er Jahren, zu einem der beliebtesten und meistverkauften Autos in der UdSSR und ihren Anhängerstaaten in Osteuropa. Darüber hinaus fand der Saporoshez auch in mittel- und westeuropäischen Ländern, wie in Österreich, immer mehr Abnehmer. Dort erhielt er den eleganten Namen „Eliette“, in den übrigen Ländern des Westens hieß er „Yalta“. Über einige Jahre hinweg verlagerte ZAZ die Produktion teilweise nach Belgien, wo er als „Jalte“ auf den Markt gebracht wurde. Erst 1994 stellte das Unternehmen die Produktion des Saporoshez ein.

Ein Kultfahrzeug in mehreren Varianten

Während in den 50er und 60er Jahren vor allem italienische und französische Kleinwagen in vielen europäischen Ländern beliebt wurden, entpuppte sich der Saporoshez aus dem Osten als durchaus konkurrenzfähig. In puncto Design und Leistung ähnelte das erste Serienfahrzeug des Unternehmens dem zeitgleich gebauten Fiat 600 sehr. Angetrieben mit einem 26 PS-Motor und beinahe 900 Kubikzentimeter Hubraum hatte der Ukrainer sogar drei Pferdestärken mehr, als sein italienischer Konkurrent. Neben der selbsttragenden Karosserie, die dem Fiat ebenfalls ähnelte, hatte er einen luftgekühlten Motor im Heck, der komplett aus Aluminium bestand. Dieser erste Saporoshez, der von 1960-1963 produziert wurde, erhielt mit dem ZAZ-965A-Modell einen Nachfolger mit einer etwas besseren Motorisierung.
1965 begann für das als 'Tajgatrommel' verspottete Auto der Export in Länder des ehemaligen Ostblocks, aber auch zahlreiche westliche Länder kauften das Fahrzeug in größerer Stückzahl. Ein Absatz von einer Million Fahrzeuge im Jahr 1976 belegen die zunehmende Popularität des ZAZ-965A . Mit dem ab 1967 gebauten und verbesserten Modell ZAZ-966 versuchte das ukrainische Unternehmen nun, sich den internationalen Standards der Automobilindustrie anzupassen. Darum verpassten die Ingenieure der Baureihe einen neuen Motor mit mehr Hubraum.
Am Ende der Produktionsgeschichte des Saporoshez kamen schließlich das Spitzenmodell ZAZ-968 und die leicht verbesserte Variante ZAZ-968M auf den Markt. Beide Versionen wurden in der DDR produziert. Ein spritziger 45PS starker V4-Motor, der seine Leistung aus immerhin 1196 Kubikzentimeter Hubraum schöpft, machten das Auto alltagstauglich und vielseitig verwendbar. Besonders auf längeren Strecken erwies sich dieser PKW als zuverlässig.

Der Saporoshez als Kultobjekt und Alternative

Mindestens zwei Grundvoraussetzungen sind erforderlich, damit Personen und Sachgegenstände zum 'Kult' werden. Zum einen müssen sie über einen langen Zeitraum hinweg erfolgreich sein. Zum anderen hängt der Erfolg mit einem generationsübergreifenden und hohen Grad an Beliebtheit zusammen. Dies trifft beim Saporoshez auf jeden Fall zu. Nicht erst im Nachhinein, im Sinne einer Nostalgie, sondern bereits vom ersten Moment der Serienfertigung an, interessierten sich immer mehr Menschen für einen PKW, der im Westen oft abfällig als „Tajgatrommel“ oder „Solijankaschüssel“ bezeichnet wurde. Dabei war Abschätzigkeit gegenüber diesem Auto keineswegs berechtigt.

Qualitätsbeweis

In diesem Zusammenhang kann die Frage, ob und in welchem Maß der Saporoshez tatsächlich alltagstauglich war, letztlich nur durch einen seriösen Vergleich mit anderen Kleinwagen der Konkurrenz beantwortet werden: Platz- und Raumangebot waren beispielsweise beim ZAZ-965 und ZAZ-966 sogar etwas größer, als beim zu seiner Zeit erfolgreichen Fiat 600. Obwohl die Grundvariante des Ukrainers mit 650 Kilogramm rund siebzig Kilogramm schwerer war als das italienische Fahrzeug, verbrauchte jener nur 5,5 Liter im Durchschnitt.
Als sicher gilt: Wäre der weit über die Grenzen der Ukraine hinaus verkaufte PKW untauglich gewesen, hätte er sich nicht millionenfach verkaufen lassen. Die Zuverlässigkeit und Wertbeständigkeit der ZAZ-Modelle wird außerdem durch die Tatsache bestätigt, dass sich in den vergangenen Jahren mehrere Interessengemeinschaften rund um die ukrainische Automarke gebildet haben. Liebhaber von Youngtimern zahlen heutzutage hohe Summen, um einen Saporoshez ihr Eigen nennen zu können.