Eine der absonderlichsten Methoden, den eigenen Körper zu verändern, ist die Scarifikation. Die Vernarbung kann auf verschiedenen Wegen geschehen, die beiden häufigsten sind das Cutting und das Branding. Scarifikation ist wie auch die anderen Maßnahmen zur Veränderung des Körpers nicht von westlichen Gesellschaften erfunden worden, sondern schon lange Bestandteil alter Traditionen.
Kulturelle Hintergründe der Scarifikation
Andere Kulturkreise schließen das Einschneiden der Haut (Cutting) in Übergangs- und Initiationsriten ein. Im Sudan, beispielsweise erhalten Mädchen, die in einen neuen Lebensabschnitt eintreten diese Muster. Solche einschneidenden Ereignisse sind der Beginn der Pubertät oder die Hochzeit. Die schmückenden Narben sind darüber hinaus ein Schönheitsmerkmal. Frauen mit den narbigen Mustern werden als attraktiver wahrgenommen. Die dekorativen Narben vermitteln komplexe Botschaften über gesellschaftlichen Status und Identität. Sie dienen der Identifikation und sind ein Mitgliedsmerkmal. Männliche Träger beweisen damit ihren Mut, ihre Stärke und ihr individuelles Ansehen im Stamm.
Moderne Gesellschaften haben diese alte Form der Körperveränderung neu entdeckt und nutzen sie für ihre Zwecke. Bereits im 19. Jahrhundert nutzten Studentenverbindungen die dekorativen Schnitte. Mit Degen oder Florett werden meist auf der Wange, kleine Schnitte vorgenommen. Diese werden mit Essig behandelt. Der so genannte Schmiss symbolisiert den Mut des Mannes und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Burschenschaft.
Schmerzhafter Körperkult
Obwohl die schlagenden Verbindungen aus der Mode gekommen sind, haben viele Menschen das bewusste Zufügen von Schnitten zu einem Ritual ihres eigenen Körperkults erhoben. Bei der Scarifikation werden den willigen Kunden mithilfe eines Skalpells Muster in die Haut geschnitten. Der Vorgang selbst ist, dank Betäubung mit relativ wenig Schmerzen verbunden. Um das gewünschte Ergebnis- dicke erhabene Narben- so genannte Keloidnarben- zu erhalten, muss der normale Heilungsprozess über mehrere Wochen hinweg unterbrochen und verzögert werden. Immer wieder werden die verschorften Wunden geöffnet und mit verschiedenen Lösungen gereizt. Erst nach vielen Monaten kann das endgültige Ergebnis bewundert werden.
Nur vom Fachmann/-frau!!
Ein anatomisch ausgebildeter Künstler, sterile Instrumente aber auch besondere Sorgfalt bei der Behandlung der großflächigen Wunden verringern das Gesundheitsrisiko. Häufig entscheiden sich Männer für diesen Körperschmuck. Diese martialische Form der Veränderung kann als finale Steigerung in einem Körperveränderungswahn verstanden werden. Andererseits symbolisieren die Muster aber auch entscheidende Lebenserfahrungen oder Übergänge, ähnlich wie bei den afrikanischen Stämmen, die so auf die Haut übertragen werden. Überspitzt kann man es so formulieren: Frauen gehen zum Friseur und Männer lassen sich ein Muster einschneiden.