Schlanganfall verarbeiten

Alle Schlaganfallpatienten müssen nach dem Infarkt mit diesem \"Schicksalsschag\" umgehen lernen. In der Regel durchläuft der Patient vier Phasen, um den Schlaganfall verarbeiten zu können.


Ein Schlaganfall verändert das gesamte Leben. Mit diesen dramatischen Umwälzungen müssen sich der Betroffene und die Angehörigen in einem langwierigen Prozess auseinandersetzen. Diesen Bewältigungsprozess nennt der Fachmann “coping”, was übersetzt etwa Stressbewältigung bedeutet. Starke Gefühle und einschneidende Lebensveränderungen prägen das Leben nach dem Hirninfarkt. Wird keine adäquate Therapie begonnen, können sich Angstzustände und Depressionen entwickeln, die weitaus schwieriger zu behandeln sind als normale Trauergefühle. Das Bewusstsein um die eigene Sterblichkeit, emotionale Prozesse und das daraus resultierende Verhalten prägen die nachfolgenden psychotherapeutischen Therapien.

 

Schlaganfall verarbeiten - verschiedene Phasen

Will der Betroffene den Schlaganfall verarbeiten, so kommt es in der Regel zu vier aufeinanderfolgenden Phasen. In der ersten Zeit nach dem Erleiden eines Schlaganfalls steht vor allem die Stabilisierung der Vitalfunktionen im Vordergrund. Dann, schon wenige Tage nach dem Infarkt, beginnt der lange Erkennens- und Bewältigungsprozess, den alle Schlaganfallpatienten durchlaufen müssen? Wie soll mein Leben weitergehen? Muss ich meine Zukunftspläne aufgeben?

1. Aktionismus
Vielfach wird beobachtet, dass in der ersten Zeit nach einem Hirninfarkt zunächst die Phase des Aktionismus einsetzt. Der Betroffene geht zumeist davon aus, dass es sich bei den Schlaganfall und seinen Folgen um ein zeitlich begrenztes Problem handelt. Zwar hat man jetzt noch Schmerzen und körperliche Beeinträchtigungen, aber diese werden doch schon bald wieder von alleine verschwinden. Zudem herrscht bei den meisten Patienten eine große Betroffenheit über die Langzeitauswirkungen und die lebensverändernden Einschnitte eines solchen Vorfalls. Ein Großteil der Patienten folgt der Strategie der Verdrängung und leugnet schlicht, dass der Schlaganfall das gesamte restliche Leben beeinflussen wird.

2. Wut
Nach der Verdrängung setzt die Wut ein, oft gepaart mit aggressiven Tendenzen, denn langsam setzt die Erkenntnis ein, dass die Folgen des Infarkts weitaus länger ein Bestandteil des eigenen Lebens sein werden. Die bisher geschmiedeten Lebenspläne müssen aufgegeben werden. In dieser Zeit trennen sich viele Paare, ältere Patienten werden oft in spezielle Versorgungs- und Pflegeeinrichtungen gegeben.

3. Trauer
Nun folgt die tiefe Traurigkeit, die ein völlig normaler Teil des Bewältigungsprozesses ist. Der Körper funktioniert nicht mehr wie vorher, die geistigen Fähigkeiten sind vielleicht nicht mehr auf dem Stand vor dem Infarkt. Kurzum: Das ganze Leben muss neu organisiert werden. Solche lebensverändernden Entscheidungen und Prozesse sind auch immer mit Trauergefühlen verbunden. In dieser Phase ist es sehr wichtig, dass Gespräche mit Psychologen und Psychotherapeuten stattfinden, denn oft entwickelt sich aus dem Gefühl der Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit eine tiefe und ernstzunehmende Depression.

4. Akzeptanz
Doch im Regelfall wird auch diese Phase erfolgreich überwunden und die finale Akzeptanz des “Schicksalsschlags” setzt ein. Die Betroffenen lernen, dass ein Schlaganfall eine Chance ist, das Leben in anderen Bahnen als bisher zu führen. Es werden neue Pläne für die Zukunft geschmiedet, neue soziale Kontakte geknüpft, neue Hobbys ausgeübt. Erst wenn die neue Situation akzeptiert wird, kann auch die psychische Gesundung erfolgen und die Lebensqualität entscheidend verbessert werden. Erst wenn Schlaganfallpatienten verstehen, dass ein Schlaganfall nicht bedeutet, dass man ein passives Opfer ist, sondern ein Warnschuss des Körpers und die Chance auf einen Neubeginn bedeutet, ist der Grundstein für eine erfolgreiche Wiedereingliederung ins Leben gegeben.