Schleudertrauma und Versicherung: Wann besteht Schadensersatzanspruch?

Schleudertrauma – eine Entschädigung gibt es meist erst nach rechtlichen Auseinandersetzungen mit der Versicherung.


Sie stehen mit Ihrem Fahrzeug an der Ampel. Plötzlich werden Sie in Ihrem Sitz erst nach vorn und dann ruckartig nach hinten geschleudert. Der nachfolgende Fahrer war unaufmerksam und ist von hinten auf Ihr Auto aufgefahren. Alles ist glimpflich verlaufen, Schmerzen spüren Sie nicht. Sie tauschen mit dem anderen Fahrer die Personalien aus und setzen Ihre Fahrt fort. Stunden später beginnt es: Sie können Ihren Kopf nicht mehr richtig bewegen, der Hals schmerzt, Schluckbeschwerden, Taubheitsgefühle in den Händen oder sogar Hör- und Sehstörungen treten auf. Dies sind Indizien für ein Schleudertrauma. Ein umgehender Arztbesuch ist notwendig. Nur mit der korrekten ärztlichen Dokumentation und einem Attest haben Sie überhaupt die Chance, bei der gegnerischen Versicherung später eine Schadensersatzforderung durchzusetzen.

Die Voraussetzungen für einen juristischen Anspruch sind klar geregelt

  • Juristisch kann jedes Unfallopfer einen Anspruch auf Schmerzensgeld bei der gegnerischen Versicherung geltend machen, wenn klar nachgewiesen werden kann, dass das Opfer den Unfall nicht verschuldet hat.
  • Bei einem unklaren Unfallablauf sollten Sie unbedingt die Polizei alarmieren, die den Unfallhergang dokumentiert. Dies ist wichtig, weil die Versicherungen auf den Nachweis bestehen, dass Ihr Fahrzeug durch den Aufprall um mehr als zehn Kilometer pro Stunde beschleunigt wurde.

Das Schleudertrauma – vor Gerichten schon lange ein Thema

  • Meistens weigern sich die Versicherungen, Zahlungen zu leisten. Sie berufen sich auf die Tatsache, dass ein Schleudertrauma medizinisch nur schwer nachzuweisen ist. Und: Das Opfer muss eindeutig belegen, dass das Schleudertrauma erst durch den Unfall eingetreten ist.
  • Oft argumentieren die Versicherungen, das Schleudertrauma sei aufgetreten, weil eine degenerative Vorerkrankung der Halswirbelsäule vorgelegen habe. So enden viele Fälle vor Gericht. Und damit entstehen dem Geschädigten erst einmal Anwaltskosten. Diese muss die gegnerische Versicherung, wenn sie zur Zahlung verurteilt wird, natürlich übernehmen. Kommt es zu einem für Sie abschlägigen Urteil, werden Ihre Anwaltskosten allerdings nicht erstattet.
  • Folgende Sätze von Schmerzensgeld sind üblich: bei zweiwöchiger Krankschreibung 250 bis 300 Euro, über vier Wochen 500 bis 600 Euro, bei noch längerer Krankheitsdauer bis 1.000 Euro. Vor dem Gang zu Gericht sollten Sie genau wissen, welche Anwaltskosten auf Sie zukommen.