Selbstverletzendes Verhalten - wenn man sich selbst verwundet

Selbstverletzendes Verhalten ist der Ausdruck tiefgreifender Gefühle und meist ein Hilferuf nach mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit.


Selbstverletzendes Verhalten schockiert Freunde und Verwandte meist. Selbst die eigenen Eltern stehen diesem Problem ratlos gegenüber. Wenn ein Familienmitglied beginnt, sich selbst mit Rasierklingen Wunden zuzufügen, fühlen sich nahestehende Personen völlig überfordert. Denn für einen gesunden Menschen ist der Gedanke, sich freiwillig die Haut aufzuritzen, völlig abstrus und befremdlich. Zumal der Auslöser für eine solche Tat nicht nachvollziehbar ist.

Hilflos zusehen?
Zwar wissen die wenigsten Angehörigen der Betroffenen, wie sie helfen können. Dennoch ist es geradezu fatal, jemanden in einer solchen Situation alleine zu lassen. Denn die Selbstzerstörung ist der Ausdruck tiefgreifender Gefühle. Diesen Menschen ist es nicht mehr möglich, ihre emotionalen Spannungen durch ein ausgeprägtes Weinen zu lösen. Erst die Form der Selbstzerstörung kann den inneren Konflikt gleich des Weinens bei einem gesunden Menschen auflösen. Gerade Menschen, denen es als Kinder verboten wurde, zu weinen, um keine Schwäche zu zeigen, gelten als besonders gefährdet. In besonders schweren Fällen kommt es auch zu permanenten Verletzungen bis hin zu schlimmen Infektionen der Wunden.

Ein Erklärungsversuch
Besonders dann, wenn die Betroffenen solch starke Gefühle haben, dass sie diese nicht mehr kontrollieren können, ist das „Ritzen“ die einzige für sie erkennbare Methode, um ihre Aggression und Verzweiflung abzubauen. Bevor diese Menschen andere verletzen, richtet sich die angestaute Wut hervorgerufen durch eine Konfliktsituation im ersten Schritt gegen sie selbst. Leider geschieht diese Form der Selbstzerstörung versteckt und somit schleppen Betroffene diese Problematik oft Jahre mit sich herum. Die Scharm und das Unverständnis ihrer Umwelt machen es ihnen schwer, Hilfe zu suchen und sich anderen Menschen anzuvertrauen.

Formen der Selbstzerstörung
Der Prozess der Selbstzerstörung beginnt nicht von heute auf morgen. Die Symptomatik entwickelt sich eher schleppend. Erste Anzeichen können das Aufritzen der Haut an Händen, Beinen oder in manchen Fällen sogar im Gesicht sein. Nicht selten verletzen sich Jugendliche, besonders Mädchen, an ihren Brüsten oder Genitalien. Andere fügen sich Verbrennungen zu oder beginnen, sich selbst zu skalpieren. Manchmal beginnen sie auch sinnlos gegen Wände zu schlagen. Es gibt viele Formen der Selbstzerstörung und in allen ist die Handlung gegen sich selbst verbunden mit den Schmerzen eher ein Hilfeschrei, als das Bedürfnis, sich selbst weh zu tun.

Möglichkeiten zur Selbsthilfe
Die meisten Menschen, die sich selbst solche Verletzungen zufügen, würden liebend gerne damit aufhören. Aber leider gelingt es den wenigsten. Zu stark sind die alten Verhaltensmuster. Erst wenn es gelingt, diese aufzulösen und neue Wege des Stressabbaus und der Umgang mit Aggression zu finden, kann dieses Vorhaben gelingen.

Im ersten Schritt steht, wie bei allen anderen Problemen, Süchten oder Verhaltensweisen die Selbsterkenntnis. Die Einsicht, zu erkennen, dass man wirklich ein Problem hat und nun bereit ist, dieses zu lösen. Manche Menschen müssen daher nicht nur ihr Verhalten sondern auch die Umstände, die zu diesem Verhalten geführt haben, verstehen. Es gibt sehr viele und unterschiedliche Methoden, um mit der Selbstzerstörung Schluss zu machen. Wie bei allem muss man sie erst ausprobieren, um zu sehen, ob sie für einem selbst funktionieren.

Hier eine Anregungen und Vorschläge

  • Versuchen Sie sich darüber klar zu werden, welche Erlebnisse oder Situationen Sie dazu veranlassen, sich selbst zu verletzen. Versuchen Sie diese zu analysieren und in Zukunft zu vermeiden.
  • Manchmal hilft es auch, wenn Sie beim akuten Vorhaben, sich selbst weh zu tun rückwärts von zehn bis eins zählen.
  • Atmen Sie langsam durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus
  • Legen Sie Ihre Hände in eine Schüssel voller Eiswürfel
  • Wenn es nicht besser wird, nehmen Sie einen Eiswürfel und fahren Sie sich damit über die Haut

Sicherlich sind diese Tipps kein Wundermittel, aber vielleicht können Sie Ihnen helfen, die Kontrolle über sich selbst wieder zu erlangen. Therapeutische Gespräche können ebenfalls helfen, um die alten Verhaltensmuster, die selbstverletzendes Verhalten auslösen, aufzulösen.