Sex im Alter - Lust statt Frust

Dass Sex und Alter sich ausschließen, ist ein gewaltiger Irrtum. Sexualität und Lust bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte verändert sich zwar, kann aber ebenso gelebt werden und sogar noch erfüllender sein. Auch mit Störfaktoren wie Krankheiten kann man in der Regel umgehen und - gemeinsam mit einem Arzt - nach Lösungsmöglichkeiten suchen.


Lange Zeit war Sex im Alter nahezu ein Tabuthema. Die Medien, die in der Vergangenheit Sexualität vorzugsweise als ein Privileg der Jugend darstellten, leisteten ihren Beitrag dazu. Doch unsere Gesellschaft wird immer älter. Gleichzeitig sind Senioren heutzutage jung geblieben wie nie zuvor. Viele Menschen jenseits der 50 praktizieren ein aktives Liebesleben bis ins hohe Alter.

Sex und Lebensqualität

  • Mehrere groß angelegte Studien und Umfragen bestätigen, dass fast alle älteren Menschen häufig Lust auf Sex haben. Eine nicht zu unterschätzende Mehrheit ist bis ins hohe Alter sogar sexuell aktiv, sofern sie nicht ihren (Ehe-)Partner verloren haben oder sie eine Krankheit am Sex hindert.
  • Eine aktiv gelebte Sexualität im Alter fördert nach Ansicht der Befragten nicht nur die Lebensqualität und allgemeine Vitalität. Sie hat auch positive gesundheitliche Auswirkungen: So wird beispielsweise die Durchblutung gefördert und die Beckenmuskulatur trainiert. Darüber hinaus werden Stoffwechselprozesse angeregt und die Hormonproduktion auf natürliche Art und Weise stimuliert. Dennoch klagen mehr als die Hälfte aller Menschen, die auch im Alter sexuell aktiv sind, über sexuelle Probleme.

Störfaktoren

  • Körperliche Defizite, Erkrankungen oder Schmerzen stellen jedoch Störfaktoren dar, die den Sex erheblich beeinträchtigen können. Krankheiten wie Rheuma, Diabetes oder Bluthochdruck treten im Alter häufiger auf. Sie haben daher negativen Einfluss sowohl auf die Erregbarkeit als auch die Lust am Sex.
  • Notwendige Medikamenteneinnahmen oder eine Prostataoperation können beispielsweise zu Potenzproblemen bei Männern führen. Zudem mindern eine zu hohe Erwartungshaltung oder seelische Probleme die Erektionsfähigkeit.
  • Frauen in der zweiten Lebenshälfte hingegen klagen oftmals über einen zu trockenen Genitalbereich, Inkontinenz oder Entzündungen in der Scheide. Diese Symptome sind oftmals Folgen von Störungen des Hormonhaushalts. Diese biologische Einschnitte in das Leben einer Frau sind gemeinhin als Wechseljahre bekannt.

Kein Verzicht

  • Die Wechseljahre sind keine Krankheit. Dennoch stehen der modernen Medizin gute Hilfsmittel zur Verfügung. Wenden Sie sich in einem vertrauensvollen Gespräch an Ihren Haus- oder Frauenarzt. Er wird Ihnen beispielsweise erklären, was sich hinter dem Konzept einer Hormonersatztherapie verbirgt und inwieweit diese zum Erhalt der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit in den Wechseljahren beitragen kann.
  • Auch für Männer mit sexuellen Problemen ist ein Informationsaustausch mit einem guten Hausarzt oder Internisten ratsam. So kann über mögliche Behandlungsmethoden intensiv gesprochen werden.
  • Ungeachtet aller Probleme und eventueller Unzulänglichkeiten: Alter ist auf kein Grund, weshalb man auf Sex verzichten sollte. Wenn Sie mit den körperlichen Veränderungen ab dem 50. Lebensjahr offen umgehen, kann Sex im Alter sogar erfüllender und intensiver sein.
  • Liebe und Zärtlichkeit erreichen eine neue Qualität. Erfahrung und Nähe spielen dabei die wichtigste Rolle. Sex ist dabei weniger auf den Höhepunkt fixiert, sondern auf den Genuss und die vertraute Intimität.