Sexsucht - zwischen Lust und Scham

Sex und Erotik können ähnlich wie Alkohol und Drogen zu einer Sucht werden.


Sexsucht, auch Hypersexualität genannt, gehört zu den stoffgebundenen Süchten. Es handelt sich dabei um einen übermäßig gesteigerten Sexualtrieb. Während der Ausübung werden Botenstoffe im Gehirn ausgeschüttet, die zu den körpereigenen Opiaten gehören. Diese bewirken einen Anstieg der Erregung und reduzieren Ängste und Schmerzen. Der Sexsüchtige wird sozusagen von seinen körpereigenen Substanzen abhängig.

Definition der Krankheit
Als Sucht muss die Störung dann bezeichnet werden, wenn sie zum Mittelpunkt des Lebens wird, wenn normale soziale Kontakte oder der Arbeitsalltag darunter leiden. Einhergehend mit der ständigen Suche nach Befriedigung, ist Selbstverachtung und Scham über das eigene Verhalten.
Oft können die Betroffenen keine persönliche Bindung zum jeweiligen Partner entwickeln und erleben keinen sexuellen Höhepunkt. Dies wiederum veranlasst sie nach immer wieder neuen Höhepunkten zu streben.
Zudem leiden Betroffene oft an weiteren Abhängigkeiten wie Alkohol oder weisen andere Krankheiten wie Depressionen, Angstzustände oder Essstörungen auf.

Die ersten Erfahrungen
Mit den ersten sexuellen Erlebnissen verbinden die Betroffenen dann sehr positive Emotionen. Sie werden extrem intensiv empfunden und gleichen dem Kick, den andere Drogenabhängige beschreiben. Durch sexuelle Aktivitäten versuchen Betroffene nun Negatives zu verdrängen und so vermeintlich Probleme zu lösen oder mangelnde soziale Kompetenzen zu kompensieren. Dabei kommt es wie bei anderen Süchten auch zu Dosissteigerungen, um immer wieder kurzfristig ein gutes Gefühl zu bekommen.

Ursachen der Hypersexualität
Die Ursachen werden in der Kombination verschiedener Komponenten gesehen.
Beeinflussende Faktoren sind die familiäre Vorgeschichte sowie psychologische Aspekte.
Meist lassen sich unter den Familienmitgliedern ebenfalls Süchtige, die beispielsweise alkoholabhängig sind, finden. Daher lässt sich eine genetische Veranlagung vermuten. Weiterhin liegt oftmals ein Missbrauch emotionaler, sexueller oder körperlicher Art im Kindesalter vor. Aufgrund dessen entwickeln sich Selbstwertprobleme und Schamgefühle. Konkret werden dann bei auftretenden Problemen und Schwierigkeiten Sex oder sexuelle Fantasien als Bewältigungsversuche angewandt. Wie bei anderen Drogen auch wirkt Sex dabei betäubend. Sobald die Wirkung allerdings nachlässt, treten Schuldgefühle an die Stelle des Adrenalinkicks und des Hochgefühls.

Therapiemöglichkeiten
In Amerika gibt es spezielle Kliniken zur Behandlung der Sexsucht. In Deutschland gibt es hingegen in Kliniken mit suchttherapeutischen Schwerpunkten entsprechende Therapiekonzepte. Ebenfalls gibt es die Möglichkeit Selbsthilfegruppen aufzusuchen.
Sexsucht sollte so früh wie möglich behandelt werden, damit es nicht zu möglichen Straftaten wie sexueller Belästigung oder Missbrauch kommt. Ebenfalls sollte man keine Scheu haben professionelle Hilfe aufzusuchen, da die Aussicht auf eine eigene erfolgreiche Behandlung gering einzuschätzen ist.