Im Leben werden wir stark durch vorangegangene Erfahrungen gesteuert, zwar nicht immer bewusst aber immer spürbar. Auch das Liebesleben macht da keine Ausnahme. War das erste Mal traumatisch, werden die Betroffenen auch bei den nächsten erotischen Versuchen mit einem unguten Gefühl dabei sein. Noch komplizierter wird es, wenn die Kindheit geprägt war von Missbrauchssituationen oder Gewalt. Eine Erektionsstörung kann in so einem Fall Ausdruck einer schweren psychischen Erkrankung sein, die unbedingt behandelt werden muss.
Fehlende Vaterfigur
Untersuchungen haben gezeigt, dass schon junge Männer von Potenzproblemen betroffen sind. Ursachen sind hier vor allem im Elternhaus zu suchen. Männer, die ohne Vaterfigur aufgewachsen sind, haben es schwer, eine eigene männliche Identität zu entwickeln. Dazu gehört auch die Fähigkeit zur Erektion. Väter sind für kleine Jungen als Rollenmodell und Orientierungshilfe sehr wichtig, fehlt er, entwickelt das Kind nicht genügend Selbstbewusstsein. Verschlossene, gefühlsarme Männer, die Angst vor sich selbst und ihrer Sexualität haben, sind häufig von Erektionsstörungen betroffen.
Unklare sexuelle Orientierung
Auch Männer, die sich vom gleichen Geschlecht angezogen und erregt fühlen, sich dies aber nicht eingestehen wollen oder können, leiden unter Erektionsstörungen. Der Versuch, ein „normales“ Leben inklusive heterosexueller Liebesleben zu führen, scheitert. ER kann nicht standhaft bleiben und wenn es doch klappt, dann nur, weil es in Gedanken zum Geschlechtsverkehr mit dem bevorzugten Geschlecht kommt.
Traumatische sexuelle Erfahrungen
Ernst zu bewerten sind auch traumatische sexuelle Erfahrungen in der Kindheit, die eine normal funktionierende Sexualität im Erwachsenalter fast unmöglich machen. Missbrauchserfahrungen führen fast immer zu Problemen und sind nur in einer Psychotherapie aufzuarbeiten. Ebenso verhält es sich, wenn die Eltern sehr negativ auf die sich entwickelnde Sexualität des Kindes reagiert. haben. Wurde das Kind etwa beim Masturbieren „erwischt“ und daraufhin bestraft, bleiben unweigerlich seelische Narben zurück, die sich im Erwachsenenalter unbewusst auswirken. Der Betroffene hat bei jeglichen sexuellen Aktivitäten ein schlechtes Gewissen, sogar Schuldgefühle.
Sexuelle Unerfahrenheit
Neben negativen Erfahrungen ist auch ein Mangel an sexueller Reife ein Grund für eine Erektionsstörung. Der Betroffene ist unsicher, weiß nicht, ob er im entscheidenden Augenblick standhaft sein kann. Eine einfühlsame und geduldige Partnerin, die keinen Druck ausübt, kann bereits ausreichen, um hier zu einer Besserung zu gelangen.
Psychotherapeutische Betreuung unerlässlich
In all diesen Fällen kann zwar allein eine Erektion erreicht werden, etwa in der Nacht oder beim Masturbieren, im Beisammensein mit der Partnerin jedoch kommt es zu Problemen.
Bei vorangegangenen traumatischen Erfahrungen muss der Betroffene zunächst eine Traumatherapie beginnen, um genügend Stärke für die anschließende Psychotherapie aufzubauen. Verletzende Erlebnisse in der frühkindlichen Phase äußern sich nicht nur in einer gestörten Sexualität und sollten unbedingt durch einen Fachmann aufgearbeitet werden.